Prozess um tödlichen Frontal-Crash in Rosenheim unterbrochen

Angeklagter (23) bekommt seinen Führerschein wieder

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Zweiter Prozesstag zum Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße am Amtsgericht Rosenheim
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    Xaver Eichstädter
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Rosenheim - Am Freitag musste sich erneut ein junger Mann vor Gericht verantworten, der im November 2016 an einem tragischen Unfall auf der Miesbacher Straße mit zwei Toten beteiligt war. Nach nur zwei Stunden wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Update 10.10 Uhr: Angeklagter erhält Führerschein

Der Prozess wird für heute unterbrochen und auf unbestimmte Zeit ausgesetzt! Richter, Staatsanwaltschaft und Nebenklage sind der Meinung, dass auch der Hauptangeklagte als Zeuge gehört werden muss - doch er ist bekanntlich noch nicht vernehmungsfähig, weswegen der ganze Prozess ursprünglich ja aufgesplittet wurde.

Noch eine Überraschung hat der Richter zu verkünden: Dem heute Angeklagten 23-Jährigen wurde nach dem Unfall der Führerschein entzogen. "Wir wissen alle, dass das ein schwerer Eingriff in seine Rechte ist", so der Richter - und wann der Prozess fortgesetzt werden kann, ist schließlich noch unklar. Auf Anordnung des Gerichts erhält der Angeklagte jetzt seinen Führerschein wieder zurück.

Eine weitere Zeugin wurde noch gehört: Eine Frau, die vermutlich bereits in Pfraundorf Bekanntschaft mit den beiden Autos der Angeklagten machte. "Ich kann mich noch über die laute Musik erinnern und wie ich vor meinen Töchtern über die geschimpft habe", so die Zeugin. Als es grün wurde seien die beiden Autos "sehr sehr zügig" davongefahren: "Beim Überholen hat mich noch einer geschnitten." Eines der Autos sei ein dunkler BMW gewesen, erinnert sich die Zeugin - und sagt beim Blick in Richtung Anklagebank: "Es könnte schon sein, dass er hinter dem Steuer eines der Autos gesessen ist."

Update 9.11 Uhr: "Fast hätte ich zwei meiner Kinder verloren"

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, vor Gericht ein 23-Jähriger, der am fürchterlichen Frontalunfall am Schweiger Kreisel mit beteiligt gewesen sein soll: Einem überholenden Auto soll er keinen Platz zum Einscheren gelassen haben, obwohl er, laut Staatsanwaltschaft, die Gefahr erkannt haben soll. Das Interesse der Öffentlichkeit ist so groß, dass alle 50 Plätze im Verhandlungssaal des Rosenheimer Amtsgerichtes voll sind. Nicht jeder kommt rein.

Die Verhandlung beginnt dramatisch: Die erste Zeugin ist die Schwester einer der Verunglückten. Sie war Beifahrerin in einem der verunfallten Autos. Nach wenigen Sätzen bricht die junge Frau in Tränen aus, ihre Mutter kommt ihr zur Hilfe: "Es ist ein Wunder, dass sie das überlebt hat. Fast hätte ich zwei meiner Kinder verloren." Auch die Mutter kämpft mit den Tränen: "Es kann doch nicht sein, dass sich keiner erinnert. Das stinkt zum Himmel. Meine Familie ist kaputt!"

Ein offenes Schädel-Hirn-Trauma, 13 Knochenbrüche und eine demolierte Nase erlitt die Zeugin bei dem Unfall. Ihr Geruchssinn ist seitdem verschwunden, auch der Geschmackssinn zum Teil. Arbeiten kann die junge Frau noch immer nicht, sie ist schwer traumatisiert. An den Unfall selbst hat sie keine Erinnerungen mehr.

Die nächste Zeugin: Eine Frau, der die beiden Autos der Unfallverursacher schon in Pfraundorf negativ aufgefallen sind.

Vorbericht:

Am Freitag wird der Prozess gegen einen der beiden jungen Männer fortgesetzt, der im November 2016 am schrecklichen Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim beteiligt gewesen war. Der Angeklagte war zusammen mit Freunden in seinem BMW von der Panorama-Kreuzung in Richtung Schwaiger Kreisel unterwegs.

Folgt man der Argumentation der Staatsanwaltschaft, habe der Fahrer aus Kolbermoor einem überholenden Golf das sichere Einscheren auf die rechte Fahrbahnseite verwehrt. Daher trage er auch eine Mitschuld an dem daraus resultierende Frontalcrash des Golfs mit einem entgegenkommenden Nissan Micra. Beim Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge wurden zwei junge Frauen vom Samerberg tödlich verletzt.

Kurz-Zusammenfassung des ersten Verhandlungstages

Bereits am 28. September stand der Kolbermoorer Fahrer vor Gericht. Am ersten Verhandlungstag machten unter anderem die Freunde des Angeklagten, die sich zum Unfallzeitpunkt in seinem und einem dahinter fahrenden Pkw befanden, Angaben zur Sache. Der Angeklagte selbst schwieg. Über seinen Anwalt, Harald Baron von Koskull, ließ er den Angehörigen im Saal seine Anteilnahme ausdrücken. Als erster Zeuge erschien der junge Mann vor Gericht, der das Auto hinter dem Wagen des Angeklagten steuerte. Auch er ließ über seinen Verteidiger verlauten, keine Angaben zur Sache machen zu wollen

Im weiteren Verlauf der Verhandlung am ersten Prozesstag sagten dann jedoch noch insgesamt drei Zeugen aus, die zum Unfallzeitpunkt vor Ort gewesen waren: Die Beifahrerin des überholenden Golf und zwei Mitfahrer der beiden überholten BMW.

"Doch plötzlich hat er ausgeschert"

So gab die 41-jährige Beifahrerin des Golf an, den Fahrer erst am Tag des Unfalls zum ersten Mal persönlich getroffen zu haben. Nachdem man den Tag miteinander verbracht habe, wollte sie der Fahrer am Abend wieder zu ihrem eigenen Fahrzeug bringen. "Er ist den ganzen Tag ganz normal gefahren", so die Zeugin in ihrer Befragung. Auf einer Geraden habe er dann plötzlich beschleunigt: "Doch plötzlich ist er ausgeschert. Ich wusste nicht, warum er überholt. (…) Ich habe ihn geschockt angeguckt. Er hat starr nach vorne geschaut", einen kurzen Moment später sei man dann mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidiert.

Schwerer Unfall in der Miesbacher Straße

Insgesamt zwei weitere Beteiligte sagten am ersten Verhandlungstag noch aus; je ein Mitfahrer der beiden BMW. Beide Männer gaben übereinstimmend an, dass es zwischen ihnen und dem Golf nicht zu einem Rennen gekommen sei. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richter Merkel fielen dann aber Aussagen wie "Mal so von der Ampel weg, das ist doch kein Rennen!" oder dass "es sich DIESMAL nicht um ein Rennen“ gehandelt habe.

Der zweite Prozesstag gegen den Kolbermoorer Fahrer beginnt am Freitag um 8 Uhr am Rosenheimer Amtsgericht.

** rosenheim24.de berichtet auch dann wieder direkt aus dem Gerichtssaal**

Quelle: rosenheim24.de

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