Stille Momente des Glücks

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Rosenheim/Raubling - Fünfmal pro Woche wird Karin in die Förderstätte nach Raubling gefahren. Dort sitzt die Frau im grünen Pullover gerade, stoisch und ausdruckslos, im Rollstuhl. Was denkt sie?

Es sind diese stillen Momente des Glücks, die Einrichtungen wie die Förderstätte in Raubling so wertvoll machen. "Es gibt keine Alternative dazu", sagt Karins Mutter. Seit 27 Jahren versorgt sie ihre Tochter mit Hingabe daheim in Stephanskirchen.

Dass Karin 2006 einen Platz in Raubling gefunden hat, ist für Mutter und Tochter ein Segen. Die Mutter kann Kraft schöpfen vom langen Pflege-Marathon, der mit Karins Geburt begonnen hat.

Damit die erst 2002 eröffnete Förderstätte mehr Menschen wie Karin aufnehmen kann, wird derzeit ausgebaut. Aus 36 Plätzen werden 60, aus sechs Gruppen zehn. Neue Aufenthalts-, Pflege- und Multifunktionsräume entstehen. Die OVB-Weihnachtsaktion "Menschen mit Behinderung mitten unter uns" unterstützt das Projekt.

Als Baby lag Karin zwei Jahre lang wegen einer Gehirnhautentzündung im Krankenhaus. Ihr Leben wurde gerettet, aber das Mädchen blieb schwerst geistig und körperlich behindert. Dass Karin nur den linken Arm hebt, wenn sie sich auszudrücken versucht, dass sie nur mit links auf Gegenstände zeigt, die sie haben will hat seinen Grund. Die rechte Körperhälfte ist gelähmt, die Spastik zwingt sie in den Rollstuhl.

An guten Tagen gelingt es ihr mit Hilfe von Gruppenleiterin Petra Vetter, ein paar Schritte mit einem speziellen Gehwagen zu gehen und einen Blick in die Wendelstein-Werkstätten zu werfen. Die Förderstätte im Raublinger Ortsteil Obermühl wurde direkt an die Werkstätten drangebaut. Nur ein Gang trennt zwei Arbeits- und Lebenswelten. Die Botschaft an alle: Hier ist alles durchlässig, Begegegnungen sind erwünscht.

Karin versteht kurze, einfache Sätze. Aber die Verständigung mit ihr erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen. Heilerziehungspflegehelferin Barbara Stepanek hat beides. "Für Karin ist es sehr wichtig, sich mitteilen zu können", sagt sie. Von großer Bedeutung ist es für die 27-Jährige auch, mal aus dem Rollstuhl rauszukommen. Das gelingt ihr immer häufiger, zum Beispiel beim Snoezelen. Entspannung findet sie auch im Musikraum: Karin lässt keine Probe der Werkstattband "Dynamic Sunshine" aus - ebenso wenig die Einkaufsfahrten zum Raublinger Edeka-Markt. Da ist sie immer dabei, kennt jede Verkäuferin - und die Verkäuferinnen kennen sie.

Daheim, in Stephanskirchen, sitzt sie am liebsten in der Hollywoodschaukel und schaut ihrer Mutter bei der Gartenarbeit zu. Karins Mama genießt die Stunden zu zweit. Aber sie ist auch froh, dass es die Förderstätte gibt, und dass die Angst, ihr Kind könnte nicht in guten Händen sein, seit 2006 wie weggeblasen ist.

ls

Quelle: rosenheim24.de

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