25. Landesrealschultag in Rosenheim

Böhm: "Bildung wird weiter nicht billig zu haben sein"

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Zusammen mit Judith Kadach informierte Jürgen Böhm über die Arbeit des Realschullehrerverbands
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Rosenheim - Rund ein Drittel aller Schüler in Bayern entscheiden sich für die Realschule. Der Vorstand des Verbands der Realschullehrer, Jürgen Böhm, über die Hintergründe und die Stärken der Schulart:

Laut einer Forsa-Umfrage bescheinigen 90 Prozent der Befragten der bayerischen Realschule einen sehr guten bis guten Ruf. Kein Wunder also, dass das "Erfolgsmodell der mittleren Bildung" derzeit sehr stark nachgefragt werde. Grund genug für Jürgen Böhm, den Landes- und Bundesvorsitzenden des Realschullehrerverbands, als Sprachrohr von rund 17.500 bayerischen Lehrerinnen und Lehrern für die Weiterentwicklung der schulischen Inhalte und auch der Infrastruktur einzutreten; und das auch, obwohl man aktuell "sehr gut aufgestellt" sei.

Die Zukunft der Realschule

"Das Thema Fachkräfte ist in aller Munde. Von den Arbeitgebern erhalten wir durchwegs positive Rückmeldungen. Unser Abschluss ist einfach ein Qualitätssigel", so Böhm im Rahmen der Pressekonferenz zum Landesrealschultag, der sich am 5. bis 7. Oktober in Rosenheim versammelt. Als Grund für die hohe Beliebtheit bei den Schülern und Eltern macht er in erster Linie das hohe Maß an Flexibilität des Systems verantwortlich. Absolventen hätten schlicht "alle Möglichkeiten, alle Ziele zu erreichen".

Dennoch dürfe auch die Weiterentwicklung, sowohl bei der inneren Struktur, als auch bei den Inhalten, nicht außer Acht gelassen werden: "Die Digitalisierung ist Realität. Diesem Umstand tragen wir unter anderem mit dem Fach Informationstechnologie Rechnung. (...) Digitalisierung ist notwendig und muss auch vermittelt werden", so der Lehrervertreter. Dazu zähle dann auch das fächerübergreifende Vermitteln von Medienkompetenz: "An manchen Schulen ist das bereits ab Klasse 5 Realität. (...) Und auch in den Geisteswissenschaften muss das Thema sein." Die Voraussetzung dafür müssten aber Lehrerkräfte bilden, die Freiräume hätten, um sich in das Thema einzuarbeiten.

"Leuchttürme und Nachholbedarf"

Dem Mangel an qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern habe der Verband in der jüngsten Vergangenheit mit Nachdruck entgegengewirkt, so Böhm weiter. Verzeichnete man 2015 lediglich "extrem enttäuschende" 76 Neuzugänge, waren es 2017 bereits 342. Für das kommende Schuljahr könne man sich rund 400 neue Kolleginnen und Kollegen gut vorstellen und " auch in den 20er Jahren werden wir mehr Lehrer brauchen", prognostiziert Böhm mit Blick auf das Personal an den Realschulen in Bayern, und weiter: "Der Mittelstand beruht auf der mittleren Bildung", ein Grund mehr die Realschule nicht als Konkurrenzprodukt zu Mittelschule und Gymnasium, sondern als gleichrangiger Partner zu sehen.

Zur Infrastruktur, besonders im digitalen Bereich, findet Böhm ebenso deutliche Worte: "Teilweise ist der Zustand hervorragend, teilweise gibt es aber auch Nachholbedarf." Bei der Finanzierung von Sanierungs- und Neubauarbeiten dürften aber keinesfalls nur die Sachaufwandsträger und die Kommunen beteiligt sein. Und auch der Unterhalt der neuen Anlagen dürfe nicht aus den Augen gelassen werden. "Bildung wird weiter nicht billig zu haben sein", mahnte Böhm.

Was hat der Realschullehrerverband bisher erreicht?

  • Steigerung der Neueinstellungen hin zu einem Einstellungskorridor mit integrierten Lehrerreserven
  • Stärkung der beruflichen Bildung und Anerkennung als gleichwertiger Abschluss mit dem Abitur
  • Hohe Qualität der Realschule über den Freistaat hinaus anerkannt
  • Bayerische Wirtschaft setzt auf Absolventen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs
  • Enger Schulterschluss mit Elternverband und Schulleiterverband
  • 90 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer im Verband vertreten

Zusammen mit dem Bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle und den Bildungspolitischen Sprechern aller Fraktionen wollen die Vertreter der Realschullehrer nun vom 5. bis 7. Oktober weiter an Konzepten und Ideen für die Schulart arbeiten und diskutieren. Auch die Neuwahl der Vorstandschaft des Realschullehrerverbands steht auf dem Programm.

Quelle: rosenheim24.de

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