Was passiert jetzt mit den Prügelspielern?

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Rosenheim - Die brutale Attacke auf den Schiedsrichter bei einem Spiel des FC Iliria hat den bayerischen Fußball in seinen Grundmauern erschüttert. Jetzt stellt sich die Frage nach dem Strafmaß:

Ex-FIFA-Referee Urs Meier im Videointerview:

"Iliria-Spieler gehören eingesperrt!"

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Die Rechts- und Verfahrensordnung des BFV

Wie berichtet, war der 42-jährige Schiedsrichter Thomas K. beim Rosenheimer A-Klassen-Derby zwischen dem FC Iliria und dem ESV Rosenheim am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, von einem Spieler der Heimmannschaft brutal zusammengeschlagen worden. Er erlitt erhebliche Verletzungen und fürchtete zeitweise sogar den kompletten Sehverlust auf einem Auge. „Bleibende Schäden werden leider nicht zu vermeiden sein“, sagte Josef Kurzmeier, Schiedsrichter-Obmann der Gruppe Chiem, zu rosenheim24. "Momentan kann Thomas auf dem verletzten Auge leider noch nicht sehen, aber die Ärzte haben gesagt, dass die Sehkraft - wenn auch nicht in voller Stärke - zurückkehren wird. Wann das genau sein wird, ist noch nicht ganz klar. In jedem Fall wird er aber in Zukunft eine Sehhilfe brauchen."

"Das Schlimme ist die Psyche!"

Obmann Josef Kurzmeier verurteilt die brutale Attacke auf einen seiner Referees scharf.

Darüber hinaus wurden dem Referee bei der brutalen Attacke auch drei Zähne ausgeschlagen und er wurde am Jochbein verletzt. Auch der Trainer der Gastmannschaft, Talip S., wurde von einem anderen Spieler massiv attackiert und musste zur Behandlung ins Krankenhaus. Überhaupt sollen sich Szenen in den Rosenheimer Innflutmulden abgespielt haben, wie man sie nie auf einem bayerischen Fußballplatz vermuten würde. Der Einzige, der ihm bei den Tumulten aus dem Iliria-Lager zu Hilfe gekommen wäre, sei der Vereinslinienrichter des FCI gewesen, sagte der verletzte Referee in einer Stellungnahme dem Obmann. Dieser pfiff am Sonntag selbst unter Polizeischutz das letzte Spiel des albanischen Klubs gegen Kolbermoor II (1:8). "Das Schlimme ist vor allem, dass Thomas psychisch total angeschlagen ist. Ich hoffe sehr, dass es ihm bald wieder besser geht", so Kurzmeier.

Bei solch derart drastischen Fällen stellt sich natürlich die Frage nach dem Strafmaß. Unabhängig von der strafrechtlichen Fragen - nach Informationen von rosenheim24 sind mittlerweile beide Täter von den Opfern bei der Polizei angezeigt worden - muss geklärt werden, wie das Strafmaß für die beiden Spieler und den schuldigen Verein auf sportgerichtlicher Ebene ausfällt.

"Fall liegt beim Verbandssportgericht"

Alles zum Skandal-Spiel:

Ein erster Schritt dazu scheint getan: Das eigentlich für Spiele im Kreis Inn/Salzach zuständige Kreissportgericht hat den Fall mittlerweile an das Verbandssportgericht des Bayerischen Fußball-Verbandes abgegeben. "Der Fall liegt jetzt in München", sagte Spielgruppenleiter Armin Bernard (Rosenheim) auf Anfrage. "Das Kreissportgericht ist in einer ersten Sitzung zu der Annahme gelangt, dass der ihm zur Verfügung stehende Strafrahmen in diesem Fall nicht ausreicht. Deswegen haben wir den Fall an das VSG abgegeben", sagte der Vorsitzende des Kreissportgerichtes Inn/Salzach, Stephan Bierschneider aus Altenmarkt. Nach Paragraph 48 der BFV-Rechts- und Verfahrensordnung können Spieler von einem Kreisssportgericht nur für maximal zwei Jahre gesperrt werden.

Gleichzeitig betont Bierschneider aber auch: "Das Ganze ist ein schwebendes Verfahren. Die Abgabe des Falls an das VSG bedeutet keinesfalls automatisch, dass die beiden Spieler jetzt mindestens zwei Jahre gesperrt oder gar aus dem Verband ausgeschlossen werden."

In diesselbe Kerbe schlägt auch Thomas Müther, Pressesprecher des Bayerischen Fußball-Verbandes: "Das Verbandssportgericht ist das höchste Sportgericht im BFV und beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Fall. Zu einem möglichen Strafmaß kann ich aber überhaupt nichts sagen, da a) unsere Sportgerichte unabhängig arbeiten und b) wir uns noch im Stadium der Ermittlungen befinden." Allerdings kann nach der Rechts- und Verfahrensordnung (§20, Abs. 1) nur das Verbandssportgericht über den möglichen Ausschluss von Spielern und/oder Vereinen befinden.

Welche Strafe erhält der Verein?

Iliria-Präsident Jashar Kosumi hat nun bis Montag Zeit, seine Stellungnahme beim Fußballverband einzureichen.

Sehr kontrovers wird derzeit auch im Internet und an den Stammtischen darüber diskutiert, welche Schuld der Klub trägt und welche Strafe er erhalten soll. Als Gastgeber wäre der albanische Verein ja für die Sicherheit von Spielern und Schiedsrichtern verantwortlich gewesen und hätte außerdem für eine entsprechende Platzdisziplin sorgen müssen, die in diesem Fall offenkundig massiv verletzt worden ist.

Müther wollte sich aber auch hier nicht weit aus dem Fenster lehnen: "Ich kann dazu noch nichts sagen. Das Verbandssportgericht hat die Vereine bzw. die Spieler aufgefordert, bis zum 15. Oktober ihre Stellungnahmen abzugeben. Danach entscheidet das Verbandssportgericht über das weitere Vorgehen." Ob ein Verbandsausschluss, wie in vielen Internet-Foren und -Netzwerken gefordert, im Raum stehe? Müther: "Urteile werden nicht auf Internetplattformen gefällt. Dafür hat der Bayerische Fußball-Verband eine unabhängige Sportgerichtsbarkeit. Ich möchte aber auch betonen, dass die Art, wie dort in sozialen Netzwerken teilweise diskutiert wird, erschreckend und nicht tolerierbar ist. Rassismus, Gewalt und Diskriminierung dürfen bei uns keinen Platz haben.“ Rein theoretisch kann aber natürlich auch ein Verein aus dem Bayerischen Fußball-Verband ausgeschlossen werden.

mw/rosenheim24

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa/bfv

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