Ohne Verkauf ist Kathrein insolvent

Verzicht auf Lohn: Angestellte ermöglichen Verkauf an Ericsson

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Rosenheim - Am Montag, 28. Mai, fand eine wichtige Mitgliederversammlung der IG Metall in der Mobilfunkantennen-Sparte des Rosenheimer Unternehmens Kathrein statt. Hierbei wurde die Bereitschaft für einen Tarifvertrag signalisiert, welcher den Verkauf von Kathrein an Ericsson ermöglicht. Sanierer Hans-Joachim Ziems machte zudem klar: "Ohne Verkauf ist Kathrein insolvent."

Unaufhaltsam sorgte das Unternehmen Kathrein mit Stellenabbau und Kürzungen für Schlagzeilen. Mitte des vergangenen Jahres gab es Berichte über Verluste im Millionenbereich und Chaos innerhalb des Unternehmens. Ein Mitarbeiter sprach von einer "sehr schlechten" Stimmung in der Belegschaft und erzählte von zahlreichen "Kündigungen von Fachkräften, weil diese keine Zukunft mehr sehen. "Im Herbst verkaufte Kathrein dann ihre Automotive Sparte und stellte einen umfangreichen Sanierungsplan vor. 

Im weiteren Verlauf gab es eine noch größere Verunsicherung innerhalb der Belegschaft im Unternehmen, weil sogar Stellenabbau von wichtigen Mitarbeitern beschlossen wurden. An den StandortenRosenheim und Ulm betraf das 38 Beschäftigte. Bis zum Ende dieses Jahres sollen allein in Rosenheim insgesamt 250 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Unternehmen bezeichnete den Schritt damals als unumgänglich.

Kathrein veräußert Geschäftsbereich

Ende Februar 2019 wurde dann bekannt, dass das 100 Jahre alte bayerische Familienunternehmen Kathrein sein Kerngeschäft mit den Mobilfunk-Antennen an den schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson verkaufen wird. 

Die betroffenen Mitarbeiter müssten sich laut Kathrein Pressesprecher Anton Maier jedoch keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen: "Die etwa 4.000 Mitarbeiter (Anmerk. d. Red. 1.000 in Rosenheim) wechseln nach Abschluss des Verkaufs im dritten Quartal zu Ericsson", so Maier. 

IG Metall und ihre Mitglieder bereiten Weg zur Sicherung

Nun meldet sich die IG Metall zu Wort, um über die in einer Mitgliederversammlung getroffenen Entscheidungen zu informieren. So heißt es in einer Pressemitteilung, man habe die Unterstützung für einen Tarifvertrag signalisiert, mit dem die Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zum geplanten Verkauf an Ericsson und damit zugleich für die Zukunft des Unternehmens leisten. Dabei verzichte man zum wiederholtem Male auf Lohnzahlungen.

Die Pressemeldung im Wortlaut: 

Die Beschäftigten haben ihre Bereitschaft angedeutet, für das Jahr 2019 noch einmal auf ihr Urlaubsgeld zu verzichten, um Kathrein zu retten. Der neue Eigentümer Ericsson hatte diesen Verzicht zur Bedingung gemacht, um die Mobilfunkantennen-Sparte von Kathrein tatsächlich Ende August zu übernehmen. Der eingesetzte Sanierer Hans-Joachim Ziems hat in der Mitgliederversammlung unmissverständlich klargemacht, dass Kathrein insolvent ist, wenn der Verkauf an Ericsson nicht zustande kommt.

Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: „Nach den Managementfehlern der vergangenen Jahre leisten nun wieder die Beschäftigten einen entscheidenden Beitrag, um Kathrein zu retten. Das ist auch eine Verpflichtung für den künftigen Eigentümer Ericsson, seine Zusagen an die Arbeitnehmer in Sachen Tarifbindung einzuhalten.“ 

Zugleich machen die IG Metall und ihre Mitglieder mit diesem Tarifvertrag klar, dass der freiwillige Verzicht auf Lohn Grenzen hat. So ist festgeschrieben, dass die Beschäftigten 2019 Weihnachtsgeld erhalten. Außerdem bekommen alle in 2019 acht zusätzliche bezahlte freie Tage, abgeleitet aus der Wahloption Zeit oder Geld aus dem Flächentarifvertrag. 

IG Metall-Mitglieder erhalten darüber hinaus den Zusatzbetrag von 400 Euro aus dem Flächentarifvertrag. In der kommenden Woche entscheiden die IG Metall-Mitglieder in einer Abstimmung über ihre Zustimmung zum Tarifvertrag. D

er stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Mario Boddeutsch sagt: „Wir Beschäftigte sollten bereit sein, noch einmal einen schmerzhaften finanziellen Beitrag zu leisten, damit Kathrein überlebt. Aber wir lassen uns nicht dauerhaft melken. Der IG Metall ist es gelungen, diese komplizierte Situation mit einem ausgewogenen Tarifvertrag zu lösen.“

Pressemeldung IG Metall Bezirk Bayern

Kathrein schrumpft auf 350 Mitarbeiter 

Welche Auswirkungen die Veräußerung auf die Firma Kathrein haben wird? Kathrein Pressesprecher Anton Maier teilte mit: "In der Kathrein-Gruppe verbleiben noch die Geschäftsbereiche Rundfunkantennen, Satellitenempfangstechnik und Solutions mit insgesamt rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Etwa 170 von ihnen sind am Standort Rosenheim beschäftigt."

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Collage Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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