"Fridays for Future"-Demo in Rosenheim

Veranstalter: "Es ist unsere Aufgabe, etwas für die Zukunft zu tun"

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Rosenheim - Wie stellt man eigentlich eine Demonstration auf die Beine? Und was halten Schüler von der ewigen Diskussion darüber, ob Schule schwänzen im Namen des Klimaschutzes nun legitim ist oder nicht? rosenheim24.de hat vor Ort nachgefragt:

Anlässlich der Klimademo am 22. März hat rosenheim24.de vier Vertreter des Veranstalterteams von Fridays for Rosenheim getroffen. Die Schüler/innen Fine, Felix, Paula und Lehrerin Frau Englisch erzählen, wie und warum sie die weltweit bekannte Klimademo "Fridays for Future" nach Rosenheim brachten. 


Angefangen hat alles im Geografieunterricht, als man sich mit den aktuellen Klimaproblemen befasste und so auch über "Fridays for Future" sprach. Aufgrund der vielen Klimademos in großen Städten entstand der Wunsch, seinen Unmut auch vor Ort kundzutun - ganz ohne Angst vor rechtlichen Konsequenzen und außerhalb der Schulzeit.  

"Da ist der Funke einfach übergesprungen", erklärt Paula. Dieser kleine Funke entfachte große Motivation, die sich bei den Schülern schon bald ausbreitete wie ein Lauffeuer.


"Man kennt sich halt"

Und so arbeiteten Schüler und Lehrer zusammen, denn es gab viel zu tun: Das Vorhaben musste mit der Stadtverwaltung und Polizei abgeklärt, eine Website gebaut, Plakate gedruckt und Redner, sowie Ordner organisiert werden - und das alles ohne Finanzspritzen von Sponsoren. Stattdessen wurde an der eigenen Schule fleißig Kuchen verkauft, denn die Demonstrationen sollten unabhängig und überparteilich ablaufen.

"In Rosenheim kennt man sich halt", sagt Fine. Deswegen war es durch den eigenen Freundes- und Bekanntenkreis möglich, das Projekt mit ausschließlich ehrenamtlicher Hilfe auf die Beine zu stellen.

Ist Klimaschutz Aufgabe der "Profis“?

"Klimaschutz geht jeden an und es ist unsere Aufgabe, etwas für die Zukunft zu tun", meint Felix.

Die Gruppe ist sich einig: Politiker sollten Lösungen für die Klimakrise finden und dahingehend nötige Gesetze erlassen. Doch auch junge Schüler haben einen entscheidenden Vorteil.  "Uns wird zugehört, weil wir laut sind, weil wir Schule schwänzen", erklärt Fine und macht damit ein einen entscheidenden Punkt: Durch die Klimastreiks besitzen die "Kleinen" plötzlich große Macht.

Außerdem finden die Schüler, Politiker sollten aufhören darüber zu debattieren, ob das Schulschwänzen nun legitim sei oder nicht und anfangen, sich über das Wichtige Gedanken zu machen: un sere Zukunft auf dieser Welt

Mit kleinen Schritten Großes bewirken

Den Schülern reicht es jedoch nicht, nur auf der Straße eine Veränderung zu fordern. Die Entscheidung für den Umweltschutz beginnt beim Konsumverhalten des Einzelnen. Nachhaltig leben lässt sich laut der Veranstalter durch Second Hand Einkäufe, Verzicht auf Plastik, geringerem Konsum von Tierprodukten und regionalem Einkaufen

Diese Veränderung soll sich vor allem dort widerspiegeln, wo wir alle einen Großteil unseres Tages verbringen: In Schulen und im Beruf. Denn es bringt nichts, Nachhaltigkeit zu predigen, wenn in Mensen noch immer Billigfleisch serviert wird. Deswegen hat das Veranstaltungsteam einige Projektideen zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz in Schulen: Vegetarische/Vegane Tage in der Mensa, Kleidertausch, W- und P-Seminare zum Thema Umweltschutz und Schulwettbewerbe mit dem Motto "Welche Schule ist die grünste?"

Es müsse ein Umdenken in den Köpfen stattfinden, denn "Was ist unser Wohlstand wert ohne unsere Umwelt?", wie Felix verstanden hat.

Kritik bedeutet Aufmerksamkeit

Auch wenn die Stadtverwaltung und Polizei der Rosenheimer Demonstration positiv begegneten, die allgemeine Kritik an der Fridays-For-Future-Bewegung entging den Veranstaltern natürlich nicht. "Solange es keine Kritik gibt, macht man es auch nicht richtig", findet Fine. 

Die Kritik zeigt außerdem, dass die Jugendlichen ein grundlegendes Ziel ihrer Demonstration bereits erreicht haben: Aufmerksamkeit für den Umweltschutz und der Start eines Diskurses.

Und so bald soll der Protest auf der Straße auch nicht enden, es wird demonstriert bis sich etwas ändert. "So lange die Schüler noch Kampfgeist haben, werden sie freitags auf die Straße gehen", erklärt Felix.

Zu viele Gedanken, worüber andere reden, sollte man sich sowieso nicht machen, meint Paula: "Wir haben keine Zeit mehr zu reden, wir müssen handeln und dazu brauchen wir jeden."

Am Dienstag, den 10. Dezember, lehnte der Haupt- und Finanzausschuss die Einführung eines Klimanotstandes ab. Die Ortsgruppen der "for-future"-Bewegungen reagierten mit Unverständnis. Das Ergebnis sei "dreist und frech".

Antonia Vietz

Quelle: rosenheim24.de

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