Vom Rad gerissen: Richter verkündet Urteil

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Amtsrichter Wilhelm Gumpp verkündete am Mittwoch das Urteil.
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Rosenheim - Ein 26-Jähriger wurde vor zwei Jahren von dem ehemalige Leiter der Rosenheimer Polizei vom Fahrrad gerissen. Angeklagt wurde allerdings der Radler.

Vor zwei Jahren hatte der ehemalige Leiter der Rosenheimer Polizeiinspektion einen 26-jährigen Zahntechniker vom Rad gerissen. Grund für die rabiate Aktion: Der Radler soll zuvor eine rote Ampel überfahren haben. Vor Gericht sagte der Polizist aus, dass er sich auf dem Radweg postiert und "Halt, Polizei!" gerufen habe. Als der Radfahrer darauf nicht reagierte und noch beschleunigte, habe er zugepackt.

Der 26-Jährige hingegen meinte, dass der Polizist hinter einem geparkten VW-Bus hervorgesprungen sei und ihn dann am Oberarm gepackt habe. Der Zahntechniker überschlug sich und landete, zusammen mit dem Polizisten, auf dem Boden. Beide zogen sich dabei Verletzungen zu und mussten krankgeschrieben werden.

Und nun, zwei Jahre nach dem Vorfall, fand sich der Zahntechniker plötzlich auf der Anklagebank wieder. Der Freistaat, vertreten durch das Landesamt für Finanzen, forderte 1355,14 Euro von dem Stephanskirchner. 903 Euro für den Dienstausfall des Beamten, 191 Euro Behandlungs- und Therapiekosten und 76 Euro für den Kratzer am Ehering des ehemaligen Polizisten.

Am Mittwoch wies das Amtsgericht Rosenheim nun die Klage zurück. Nach Auffassung des Gerichts konnte der Kläger nicht den Beweis erbringen, dass der 26-Jährige "aus unerlaubten Handlungen schadensersatzpflichtig ist", heißt es in dem Urteil. "Der Beklagte musste im vorliegenden Fall nicht damit rechnen, dass der Polizeibeamte ihn bei voller Fahrt vom Fahrrad herunterreisst, um seine Anhaltung durchzusetzen. Hier standen die Risiken der Verfolgung einer etwaigen Ordnungswidrigkeit (möglicher Rotlichtverstoß des Radfahrers) durch den Polizeibeamten außer Verhältnis zu deren Zweck." Im Klartext: Die Aktion des Beamten war völlig überzogen.

Allerdings muss der nicht befürchten, jetzt auf seinen Kosten sitzen zu bleiben: Der Freistaat hat bereits die Kosten für Dienstausfall, Behandlungs- und Therapiekosten und natürlich auch für das Wegpolieren der Kratzer im Ehering des 51-jährigen Polizisten übernommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der besagte ehemalige Leiter der Polizeinspektion hatte Monate nach dem jetzt verhandelten Radl-Vorfall einen gefesselten Schüler (15) in der Rosenheimer Wiesn-Wache erheblich verletzt und war deswegen im November 2011 verurteilt worden.

Quelle: rosenheim24.de

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