Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Rosenheim

"Wenn sich hier die Leute schon wegducken..."

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Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge werden aktuell von Rosenheim ins gesamte Bundesgebiet weitervermittelt. Entlastung für die Stadt?
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Rosenheim - Bereits Anfang November lief die Verteilung der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge auf das Bundesgebiet an. In Rosenheim ist davon noch nichts zu spüren:

"Vier Wochen nach dem Start der bundesweiten Verteilung der unbegleiteten Minderjährigen zeigen uns die Zahlen, dass die Verteilung in unsere Nachbarländer gut angelaufen ist. Seit 1. November konnten bereits etwa 360 Kinder und Jugendliche von Bayern nach Baden-Württemberg und Sachsen verteilt werden. In dieser Woche wurden bereits über 450 weitere unbegleitete Minderjährige zur Verteilung angemeldet. Wir sind unseren Nachbarländern für die äußert gute Kooperation und ihre Bereitschaft, Kinder und Jugendliche aus Bayern zügig zu übernehmen, sehr dankbar. In diesem Jahr sind schon über 14.600 unbegleitete Kinder und Jugendliche in Bayern eingereist. Vielerorts sind die Unterbringungs- und Versorgungskapazitäten der Jugendhilfe ausgeschöpft. Um die jungen Menschen angemessen zu versorgen, benötigen wir dringend die Unterstützung anderer Länder,“ erklärte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller Anfang der Woche. Gerd Rose vom Rosenheimer Stadt-Jugendamt zeichnet ein anderes Bild.

Die Situation in Rosenheim

Im aktuellen Kalenderjahr hat das Jugendamt in Rosenheim bereits 3.240 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Obhut genommen. Musste die Behörde anfangs noch alle Jugendlichen, die von der Bundespolizei im Grenzgebiet zu Österreich aufgegriffen wurden, annähernd dauerhaft versorgen, versprach eine Gesetzesänderung zur bundesweiten Verteilung Anfang November Entlastung. Aktuell ist das Jugendamt daher lediglich mit dem 7-tägigen "Clearing", der Feststellung der Identität, der Herkunft und des gesundheitlichen Status der jungen Flüchtlinge betraut. Alle unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge, die über der Quote der Stadt liegen, sollen in anderen Regionen in ganz Deutschland dauerhaft unterkommen.

"Die aktuelle, deutschlandweite Verteilung läuft langsam, die ersten Wochen waren schwierig. (...) Je mehr es sich staut, desto mehr bleiben auch bei uns", erklärte der Leiter des Rosenheimer Stadt-Jugendamts, Gerd Rose, am Dienstag Abend. Ein weiteres Problem dabei: "In der aktuellen Woche haben wir 30 Personen zur Verteilung bereit. Gleichzeitig erreichen uns aber im Durchschnitt 50 bis 60 neue unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, pro Woche", so Rose weiter. Gerd Rose zeigte sich aber auch am Dienstag weiter zuversichtlich. Seinen Dank richtete der Jugendamts-Leiter an seine rund 25 Mitarbeiter, die im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsentwicklung herausragende Arbeit leisteten. Zum Vergleich: In der Grenzstadt Passau kümmern sich derzeit rund 70 Mitarbeiter um die Versorgung der jugendlichen Flüchtlinge.

Mehr Solidarität gefordert

"Wenn sich einige Leute hier schon wegducken, dann können Sie sich vorstellen, wie sich die Verteilung deutschlandweit gestaltet", erklärte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ebenfalls am Dienstag Abend. So liege es auch bei der Deutschlandweiten Verteilung am Jugendamt selbst, die Busse für den Transport anzumieten und auch Begleiter für den Transport zu organisieren, ergänzte Gerd Rose.

Zur Unterbringung der minderjährigen Flüchtlinge, die in der Stadt verbleiben, stünden in Rosenheim derzeit mehrere größere Einrichtungen zur Verfügung. Im Aicherpark könnten in einer Einrichtung zwischen 50 und 70 Jugendliche Platz finden. Eine weitere Unterkunft für nochmal 50 junge Flüchtlinge sei derzeit am entstehen. Im Rosenheimer Zentrum biete ein weiteres Haus Platz für 20 junge Frauen.   

 

Quelle: Pressemeldung Sozialministerin Emilia Müller  

Quelle: rosenheim24.de

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