Vortrag beim Suchthilfetag in Rosenheim

Traunsteiner "Volldepp" macht großen Reibach im Darknet

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Kriminalhauptkommissar Thomas Pregler
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Rosenheim - Darknet: Die dunkle Seite des Internets. So hieß der Titel des Vortrages von Kriminalhauptkommissar Thomas Pregler im Rahmen des Suchthilfetages. Es gab spannende Einblicke in die Darknetszene und die Ermittlungsarbeit der Polizei. 

Am Buß- und Bettag fand im KuKo Rosenheim der 5. Rosenheimer Suchthilfetag von Neon, der Prävention und Suchthilfe Rosenheime statt. Die Resonanz war gewaltig. Im Vorfeld gab es 650 Anmeldungen, was für dieses Format ein absoluter Rekord ist. Thematisch war der Fachtag bunt gemischt: Von Selbstheilung übers Darknet bis hin zur Onlinesucht war alles vertreten.

Große Aufmerksamkeit bekam der Vortrag "Darknet: Die dunkle Seite des Internets". Kriminalhauptkommissar Thomas Pregler, der beim Bayerischen Landeskriminalamt bereits seit 2010 mit Internetkriminalität und dem Darknet zu tun hat, gab spannende Einblicke, wie Kriminelle über das Darknet agieren und dort Drogen im Wert von Millionen verkaufen. Zwei besondere Fallbeispiele aus unserer Region machten den Vortrag komplett.

Was ist das Darknet überhaupt?

Im ersten Schritt erklärte Pregler, was das Darknet überhaupt ist und warum man dort nahezu komplett anonym Drogen oder Waffen bestellen oder sogar Mordaufträge geben kann. Im Darknet können Informationen und Daten mit größtmöglicher Anonymität veröffentlicht und getauscht werden. Was für die Informationsfreiheit in Ländern mit starker Zensur wichtig ist, zieht natürlich auch viele Kriminelle an. 

Anonymisierungsdienste verhindern, dass die eigenen Internetaktivitäten ausgespäht werden können. Sehr beliebt ist das Anonymisierungsnetzwerk TOR. TOR steht für „The Onion Router“, zu Deutsch „der Zwiebel-Router“. Der Titel erklärt sich durch das Funktionsprinzip: Um seine Herkunft zu verschleiern, leitet die auf dem PC des Anwenders installierte Tor-Software jedes Datenpaket über verschiedene, zufällig ausgewählte Rechner weltweit (z.B. der erste in Russland, der nächste in den USA, der dritte in China etc.), bevor es dann über einen Endknoten ins offene Internet übergeben wird. Will die Polizei also einen Drogenkauf über das Darknet nachverfolgen, müsste sie die Rechner in allen dieser Länder erst einmal finden und dann beschlagnahmen, was in der Praxis äußerst schwierig und wenig zielführend ist. "Rechtshilfeersuche aus anderen Ländern dauern in der Regel ein bis eineinhalb Jahre", so Pregler.

Damit die Daten auf keinem der beteiligten Tor-Rechner mitgelesen werden können, sind sie verschlüsselt. Es handelt sich dabei um eine mehrfache Verschlüsselung im Zwiebelschalenprinzip. Jeder der am Transport beteiligten Rechner entschlüsselt dabei eine Schicht. Dadurch sieht das Paket, das beim Rechner ankommt, für eventuelle Lauscher anders aus als das, das der Rechner weitersendet.

Silk Road 1 Verfahren führt Polizei nach Freilassing und Deggendorf

Pregler stellte ein Verfahren, das im Jahre 2012 begonnen hatte und die Polizei auch nach Freilassing und Deggendorf führte, vor. Am Ende wurden zwei Täter (24 aus Bayern und 28 aus Brandenburg) gefasst, die über die Onlineplattform "Silk Road", die aufgebaut ist wie eine ganz normale Verkaufsplattform auf der vorwiegend mit bitcoins gezahlt wird, unter den Nicknames "Afterhour" und "Pfandleiher" Drogen verkauften und damit über 8,7 Millionen Euro pro Jahr verdienten.

Original screenshot der Verkaufsplattform Silk Road

 

Auf die Spur der beiden jungen Männer kam die Polizei durch einen Artikel eines Journalisten in Mexiko, worin geschrieben stand, dass man die besten Drogen in Deutschland vom Verkäufer "Pfandleiher" bekomme. Die Polizei habe dann wissen wollen, was an diesem Artikel dran ist. Der Name Pfandleiher sei dann auch bei einer Vernehmung in Salzburg gefallen. "Das war ein ehemaliger Mitarbeiter vom Pfandleiher, der ausgebeutet wurde und schließlich gegen ihn aussagte. Die Spur führte zum Ausgangsort in Deggendorf. "Das waren keine Rauschgifthändler im klassischen Sinn, es ging ihnen nur ums Geld. Das sind knallharte  Wirtschaftsunternehmen, keine Cannabisliebhaber, die mit Herzblut ihre Pflanzen züchten und dann weiterverkaufen wollen. Diese Illusion muss man los werden", sagt der Kriminalhauptkommissar. Bis zu 40 Pakete pro Tag wurden an anonyme Packstationen verschickt.

Logistik der Drogenverkäufer aus Bayern und Brandenburg

Traunsteiner verdiente über 100.000 US Dollar

Als nächstes Beispiel führte Pregler den Fall des 28-Jährigen Traunsteiners Marcus S. an. Der sei im Gegensatz zu den anderen beiden Tätern, die hochintelligent waren, nicht sehr intelligent gewesen. Auf ihn sei man durch Zufall gestoßen, weil es aus seiner Wohnung "gestunken habe wie Sau. Der hatte mit einer großen Unternehmung nichts am Hut, das war der klassische "der ganze Bua a Depp. Unterm Strich war er sogar zu blöd um Speed zu kochen, so dass ihm die Traunsteiner Szene seinen Stoff nicht abnahm, weil er einfach zu schlecht war." Deshalb habe er seine Abfallprodukte im Darknet verkauft und das auch ziemlich erfolgreich. "Der hat dann so 100.000 US Dollar Umsatz gemacht. Der Volldepp aus Traunstein." Auch der sitze nun entsprechend lang in Haft.

Pregler erklärte abschließend, dass "jede Plattform in den letzten Jahren hoch genommen werden konnte. Fast alle Datenbanken platzen irgendwann." Der aktuelle Stand ist, dass jeder Täter zur Anzeige gebracht wird, jeder Kauf. Aktuell gebe es 840 identifizierte Täter in Bayern.

Quelle: rosenheim24.de

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