Das Ringen geht weiter

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Die heimischen Skigebiete starten in die Wintersaison. Am Sudelfeld (Bild) gibt es große Modernisierungspläne - aber in die Tat werden sie frühestens 2013 umgesetzt.

Oberaudorf - Es ist eines der teuersten und umstrittensten Bauprojekte in der Region: Mindestens 25 Millionen Euro wollen die Liftbetreiber in die Modernisierung des Skigebiets Sudelfeld stecken.

Dabei dürfen sie auf staatliche Zuschüsse hoffen. Das Genehmigungsverfahren war zuletzt wieder einmal ins Stocken geraten (wir berichteten), nun nimmt es wieder Fahrt auf: Der im Sommer verschobene Erörterungstermin findet am 18. Dezember statt.

Während der Skiwinter in den heimischen Gebieten beginnt (siehe Kasten), blickt Egid Stadler, Geschäftsführer der Sudelfeld Bergbahnen GmbH, schon auf 2013. Rollen im Frühjahr 2013 auf dem Sudelfeld endlich die Bagger an? Vom Erörterungstermin im Miesbacher Landratsamt erhofft er sich eine Antwort auf diese Frage.

Neue Lifte, ein Speicherteich und mehr Beschneiungsanlagen sollen Deutschlands größtes Skigebiet komfortabler, schneesicherer und zugkräftiger machen. Wenn sie den Beschneiungsteich bei der Walleralm und die Beschneiung von dann 71 Hektar Piste verwirklichen will, muss die Sudelfeld Bergbahnen GmbH allerdings 14 Hektar Ausgleichsflächen nachweisen.

Genau deshalb war ein im Juli angesetzter Erörterungstermin geplatzt. Das Problem: Die Ausgleichsflächen waren rechtlich nicht gesichert. Heißt: Der Schutz der dann ökologisch aufgewerteten Gebiete wäre nicht auf Dauer garantiert gewesen. Solche Flächen muss nachweisen, wer in die Natur eingreift.

Inzwischen hat die Bergbahnen GmbH ein neues Pflegekonzept für die Ausgleichsflächen vorgelegt. Verbände wie der Bund Naturschutz (BN) oder der Deutsche Alpenverein (DAV) konnten ihre Einwände vorbringen. BN und DAV sind entschieden gegen die Eingriffe am Berg.

Zum heutigen Internationalen Tag der Berge kritisiert der DAV den Ausbau der Beschneiung in den bayerischen Skigebieten erneut scharf. "Solche Anlagen erfordern massive Eingriffe in die Natur. Sie sind darüber hinaus für viele bayerische Skigebiete nur eine kurzfristige Lösung und können den Klimawandel nicht ausgleichen", so DAV-Geschäftsführer Hanspeter Mair. Der geplante Speicherteich am Sudelfeld habe eine völlig neue Dimension, liege in einem Landschaftsschutzgebiet und sei nicht mit dem Naturschutz vereinbar.

Ob der für den Beschneiungsteich vorgesehene Bereich tatsächlich im Landschaftsschutzgebiet liegt, ist aber nach wie vor eine offene Frage im Verfahren. Das zuständige Landratsamt Miesbach sagte bislang Nein, scheint aber eine Kurskorrektur vorzunehmen. Verwaltungs-Leiter Martin Pemler geht davon aus, "dass man im Sinne der Rechtssicherheit für das weitere Verfahren" einen Schutzstatus unterstellt. Das fragliche Gebiet gehörte früher zu Niederaudorf (Gemeinde Oberaudorf), und der Kreis Rosenheim hatte - ebenso wie der Kreis Miesbach - dort ein Landschaftsschutzgebiet festgesetzt, das bis an die Landkreisgrenze reicht. Das Sudelfeld wurde in den 1970ern Bayrischzell zugeschlagen, somit gehört es zum Kreis Miesbach, fällt aber nicht direkt in die hier gültige Landschaftsschutz-Verordnung.

Wie damit umzugehen ist, werde das Landratsamt bis 18. Dezember klären, so Pemler. Er geht davon aus, dass die Untere Naturschutzbehörde auf dem Weg einer Befreiung von den Schutzvorgaben den Speicherteich genehmigen könnte. Liftbetreiber-Chef Stadler ist zuversichtlich: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und Pläne eingereicht, die alle Auflagen erfüllen."

Die Naturschutzverbände sehen das anders. Sie haben ihre Einwände bereits formuliert und lehnen neben dem 1,5 Hektar großen Speicherteich auch das neue Pflegekonzept für die Ausgleichsflächen ab. Um quasi der Natur das zurückzugeben, was ihr am Sudelfeld entrissen wird, sieht der Pflegeplan die ökologische Aufwertung von Flächen vor, die überwiegend bei der Leitzachquelle bei Bayrischzell liegen. Hier soll ein Bergmischwald entstehen, wo ein von Stürmen gelichteter Fichtenwald steht. An anderer Stelle sollen Bäume gefällt und artenreiche Weideflächen geschaffen werden. Dabei gingen geschützter Bergahornwald sowie artenreiche Magerrasenvegetation verloren, kritisiert der BN.

Von außen betrachtet, sind die Standpunkte schwer vereinbar. Am 18. Dezember prallen sie aufeinander.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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