Rückblick Teil 4 - "Eine Stadt lernt Deutsch"

"Wir bieten den Leuten Strukturen und Motivation"

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"Eine Stadt lernt Deutsch"
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Bad Reichenhall - Im Herbst 2015 wurden rund 1.200 Asylbewerber in Bad Reichenhall aufgenommen. Das privat finanzierte Gemeinschaftsprojekt "Eine Stadt lernt Deutsch" versucht die Leute bei ihrer Integration zu unterstützen:

Seit September 2015 werden in den Unterkünften der Max Aicher Stiftung Sprachkurse angeboten. Im November 2016 startete dann das Gemeinschaftsprojekt "Eine Stadt lernt Deutsch". BGLand24.de wollte wissen, wie sich dieses Projekt in seinem ersten Jahr entwickelt hat.

Insgesamt 85 Asylbewerber haben die Chance genutzt, an den kostenlosen Sprachkursen teilzunehmen. Somit hat jeder Zweite seine Chance für eine einfachere Integration genutzt.

Finanziert wird das Projekt fast komplett aus privaten Mitteln der Max Aicher Stiftung. Unter dem Motto "Ohne Sprache geht in Deutschland nichts" unterstützt die Stiftung nicht nur die Asylbewerber dabei die Sprache zu erlernen, sondern auch dabei Strukturen und Disziplin in ihren Tagesablauf zu integrieren. 

"Wir bieten den Asylbewerbern Strukturen und Motivation"

"Circa 80-90% stellen sich den Einstufungstests für unsere Kurse, 60-70% beginnen dann den Unterricht und rund 30% beenden ihn nach einigen Monaten mit mehr als 500 absolvierten Unterrichtseinheiten und einem Zertifikat", so Gabriele Bauer-Stadler von der Max Aicher Stiftung. 

Und ergänzt: "Wir bieten den Leuten somit Tagesablauf, Struktur und Motivation. Das gemeinsame Lernen, der Umgang mit allen Nationen, unterschiedlichen Religionen und das Miteinander zwischen Männern und Frauen hilft, dass viele Konflikte erst gar nicht entstehen. 

Viele derer, die bei uns mit dem Erlernen der Sprache beginnen, gehen nach und nach in Praktika oder ergattern nach Wochen oder Monaten Plätze in den staatlichen Kursen. Das bedeutet, sie gehen wieder aus unseren Kursen raus. 

Das ist übrigens auch eine enorme Herausforderung für die Lehrer, da wir damit eine sehr hohe laufende Fluktuation in den Kursen haben".

Herr Schubotz - Lehrer

"Als Lehrer für Deutsch und Mathematik leisten wir Lehrer am Schroffen in Bad Reichenhall und anderen Unterkünften und Deutsch-Unterrichtsprojekten einen wichtigen Beitrag zur Integration der Asylbewerber", so Herr Schubotz, einer der Lehrkräfte.

Und ergänzt: "Wir sind direkt vor Ort, kennen und sprechen mit den Leuten und bringen neben den Regeln der Grammatik auch die Regeln des Zusammenlebens, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Prinzipien des Grundgesetzes bei. Der Großteil der Flüchtlinge ist dankbar, sie benehmen sich, kommen zum Unterricht und erlernen fleißig die deutsche Sprache und halten auch das Haus in Ordnung. Das ist der Austausch, den sie liefern können, denn der deutsche Steuerzahler, also wir alle, finanzieren den Lebensunterhalt, die Wohnung und die medizinische Versorgung der Flüchtlinge. 

Leider gibt es aber auch immer wieder Ausnahmen von Personen, die unserer Sozialsystem missbrauchen und sich weigern, die deutsche Sprache zu erlernen, und somit Misstimmung unter der Bevölkerung und auch unter den anderen Bewohnern erzeugen. Mit viel Motivation, Vorbild und Einsatz, aber auch Konsequenz gegenüber den "Verweigerern", können wir die Integration schaffen, und das gelingt uns am Schroffen schon recht gut".

"Wir sind keine staatliche Einrichtung"

Und Gabriele Stadler-Bauer fügt hinzu: "Man darf nicht vergessen, dass wir nicht staatlich sind. Wir von der Max Aicher Stiftung, die Caritas, etc. beschäftigen diese Leute, damit sie nicht rumsitzen und im schlimmsten Fall monate- oder jahrelang nichts zu tun haben. Wir bereiten sie auf die staatlichen Kurse vor  und das aus der Kasse eines privaten Unternehmers. Das vergessen leider viele Leute".

Erläuternd fährt sie fort: "In unserem Projekt lernen rund 85 Asylbewerber die deutsche Sprache. Das ist jeder 2. Asylbewerber in Bad Reichenhall. In Bad Reichenhall gibt es circa 150 Asylbewerber die in 13 dezentralen Wohnungen und Zimmern in Bad Reichenhall untergebracht sind. Also die überhaupt nicht in Asylunterkünften wohnen. 

Diese haben zum Beispiel überhaupt keine Chance, Deutsch zu lernen, da sie eben nicht in Unterkünften von Max Aicher wohnen, in denen übrigens von Anfang an Deutsch unterrichtet wird. 

Fürs Leben lernen

Diese warten häufig monatelang, oft auch länger als ein Jahr auf einen staatlichen BAMF oder BFZ – Kurs, die Anerkennung zur Kurs-Berechtigung etc. Und genau diese sind/waren die Zielgruppe für unser Projekt. Diese Kurse sind übrigens offen für alle Asylbewerber, unabhängig von Nation und Status. Wir sind auch der Meinung, wenn sie dann nach Monaten oder Jahren wieder in ihre Länder zurück gehen, so war es ein Lernen fürs Leben - mit unseren Werten, unserer Kultur, unserer Sprache. Ein Start dort fällt dann möglicherweise leichter.

Alle anderen lernen automatisch in den Max Aicher Unterkünften von Anfang an deutsch. Von September 2015 bis heute sind das übrigens fast 350 Asylbewerber unterschiedlichster Nationen".

Erst vor wenigen Tagen wurde übrigens eine neue Gruppe, in diesem Fall nur für Frauen aus der Taufe gehoben. Was es damit auf sich hat und welche kontroversen Diskussionen unsere Artikel ausgelöst hat, lesen Sie am Wochenende auf BGLand24.de

Quelle: BGland24.de

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