+++ Eilmeldung +++

Offenbar Selbstmord

Bericht: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

Bericht: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist tot

Ausgrabung: Starb in der Postgasse eine junge Frau?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
In der Postgasse in Bad Reichenhall wurde im Zuge umfangreicher Ausgrabungen ein Skelett gefunden. Das wirft nun jede Menge Fragen auf.

Bad Reichenhall - In den letzten Tagen der Reichenhaller Ausgrabungen tauchte ein nahezu vollständiges Skelett auf: Wer ist der oder die Tote aus der Postgasse?

Rund drei Monate (reine Arbeitszeit rund sechs Wochen) wurde an der Postgasse gegraben: Keramik, Besteck, Mauern, eine Treppe samt Keller-Gewölbe - Überreste der Alten Saline - wurden gefunden und freigelegt. Plötzlich, die Abschlussarbeiten liefen bereits, tauchten menschliche Knochen auf. Die Stelle wurde fein säuberlich freigelegt, und tatsächlich: Da lag ein nahezu komplettes menschliches Skelett.

Fotos vom Skelettfund in der Kurstadt:

Skelettfund in Bad Reichenhall

Wer ist der oder die Tote?

Nun stellt sich die Frage: Wer ist der oder die Tote aus der Postgasse? Wie alt ist das Skelett, aus welcher Zeit stammen die Knochen? Aus dem Mittelalter? Oder sind sie viel jünger? „Es ist eher graziler Natur“, so Diplom-Prähistorikerin Petra Haller, womöglich „eine weibliche, jüngere Tote“. Fragen, die Anthropologen deutlicher klären könnten.

Lesen Sie dazu auch:

Ausgrabung: 900 Jahre alte Keramik entdeckt

Wohin führt diese Treppe?

Interessant ist natürlich auch, wie der Mensch, der dort lange Zeit unter einer meterdicken Erd- und Lehmschicht seine nun vorletzte Ruhestätte fand, zu Tode gekommen ist: Denn Teile eines Sarges oder gar Grabbeigaben wurden nicht gefunden. Starb dieser Mensch gar eines unnatürlichen Todes? Eines ist sicher: Das Skelett lag zwischen zwei Hausmauern in einer Art Gasse - also nicht in einer Grabstätte oder an einer Stelle, an der die Toten begraben wurden. Es befand sich dort kein Friedhof.

Lage des Skeletts ungewöhnlich

Diplom-Prähistorikerin Historikerin Petra Haller vom PLANAteam (Planer-Team) in Isen östlich von München, zwischen Haag und Erding: „Das Skelett lag in Nord-Süd-Ausrichtung. Das ist ungewöhnlich, normalerweise wurden die Menschen aus jener Zeit - wir gehen vom späten Mittelalter aus - in Nord-Ost-Ausrichtung begraben. Das heißt gleichzeitig, dass es sich wohl nicht um eine reguläre Bestattung gehandelt hat“.

Fotos von der Ausgrabungstätte:

Ausgrabungen in der Kurstadt

Diese Aussage lässt neben den üblichen Fragen nach Geschlecht und Alter reichlich Spielraum für Spekulationen, wann und wie der Mensch umgekommen ist: Ist der/die Tote gar nicht begraben worden? Handelt es sich um ein Unfall- oder gar Mordopfer? Liegt er/sie nur zufällig dort? Wie alt war der Mensch, als er zu Tode kam? Antworten kann freilich nur ein Forensiker (Gerichtssachverständiger) geben - womöglich allerdings erst nach langwierigen Untersuchungen. Die kosten jedoch viel Geld. Aber: „Wir wissen momentan nicht, wer das bezahlen soll“, so Petra Haller vom Landesverband Selbstständiger Archäologen in Bayern e. V.

Ergebnisse frühestens im März

Fest steht: Die abschließenden Arbeiten und Dokumentationen (Fundauswertung, Fotogrammetrie plus CAD, eine Computerassistierte Detektion etc.) und Untersuchungen dauern so oder so fast den ganzen Winter über an, mit Ergebnissen ist frühestens im Februar, wahrscheinlich eher im März zu rechnen. Dies trifft auch auf alle anderen Fundstücke zu, wie beispielsweise die rund 900 Jahre alte Keramik. Alles muss gereinigt, katalogisiert und dokumentiert sowie genauestens untersucht werden - erst dann kann ein abschließender Bericht angefertigt werden.

Weitere Fotos von der Ausgrabungsstätte:

Ausgrabungen in Bad Reichenhall

Die Knochen befinden sich momentan zusammen mit den anderen Funden im Arbeitsdepot von PLANAteam. Samt Grabungsbericht und allen anderen Dokumentationen wird es demnächst dem Landesamt für Denkmalpflege oder direkt dem Anthropologischen Institut in München übergeben.

Ofen interessanter als Skelett

Für die Gruppe jener Archäologen, die drei Monate in Bad Reichenhall beschäftigt waren, ist ein ganz anderer Fund weitaus interessanter: Ein Salzsiedeofen der Alten Saline. Warum? "Weil der Salzsiedeofen etwas Konkretes mit der Geschichte der Ausgrabungsstelle inmitten der Stadt zu tun hat. Archäologen sind nun mal eher historisch verpflichtet“, schmunzelt Petra Haller. „Außerdem wissen wir momentan nichts über die Art und Weise der Totenlage (wann und warum) und können auch nichts darüber erfahren - außer ein Spezialist wird mit der Klärung der Todesursache beauftragt".

Stadtheimatpfleger sieht viele Möglichkeiten

"Ein derartiger Fund ist natürlich immer interessant, vor allem um womöglich neue Erkenntnisse der Siedlungsstruktur zu erhalten", so Reichenhalls Stadtheimatpfleger Dr. Johannes Lang. Er weiß über den Skelettfund bescheid, kann aber auch noch keine konkreteren Aussagen treffen: "Das Skelett kann aus der Zeit der Stadtzerstörung 1196 stammen, von den Stadtbränden 1515 oder 1834, genauso gut aber auch aus dem Zweiten Weltkrieg".

Die Möglichkeiten, aus welcher Zeit die Menschenknochen stammen können, sind vielfältig, da Bad Reichenhall etliche Zerstörungen über sich ergehen lassen musste.

Hans-Joachim Bittner

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser