Urs Meier: "Iliria-Spieler gehören eingesperrt"

  • schließen

Bad Reichenhall - Im Interview mit BGLand24 fand Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier zum Fall "Iliria Rosenheim" deutliche Worte: "Diese Spieler gehören eingesperrt." - *NEUES VIDEO*

Rund 600 Besucher spendeten langen Beifall, als der ehemalige Weltklasse-Referee Urs Meier (Speakers Excellence) aus der Schweiz seinen innovativen Vortrag "Sie sind die Entscheidung" mit einer interessanten Meinung beschloss. Ein Vorschlag, mit dem er nicht nur sein Reichenhaller Publikum überraschte, sondern sich auch schon bei FIFA-Boss Sepp Blatter einen empfindlichen Schiefer einzog: "Ich würde die Abseitsregelung abschaffen", so Urs Meier am Ende spannender eineinhalb Stunden: "Im Hockey hat das schließlich auch geklappt und den Sport attraktiver gemacht". Das würde auch dem Fußball gut tun, ist sich der 53-jährige Schweizer sicher.

Urs Meier mit Forum-Organisatorin Theresia Eschlberger.

Pünktlich hatte er seinen Auftritt auf der Bühne des Kurgastzentrums angepfiffen, ganz Fußball-like 90 Minuten sauber und fair ohne Pause durchgespielt und seinen Gästen am Ende einige Minuten Nachspielzeit gegönnt: Die geladenen Reichenhaller durften Fragen stellen - und nahmen die Gelegenheit gerne wahr, einmal mit dem siebenmaligen Schweizer "Schiedsrichter des Jahres" zu plaudern. Dabei verriet der ZDF-TV-Experte nicht nur seinen Wunsch nach einer "unverzichtbaren Torkamera", sondern auch seine Lieblingsschiedsrichter, zu denen der deutsche Wolfgang Stark gehört, sowie die in seinen Augen fairsten Spieler aller Zeiten: Ex-AC Mailand-Star Paolo Maldini und Arsenals Tony Adams. "Dem Engländer habe ich einmal furchtbar unrecht getan und ihm nicht vertraut - das tut mir bis heute leid".

Ballacks WM-Aus verdient

So geht es ihm auch mit der Gelben Karte für Deutschlands "Capitano" Michael Ballack im WM-Halbfinale 2002 gegen Südkorea (1:0): "Es war bitter für ihn, aber es war ein Foul und die Verwarnung verdient".

In seinem Vortrag ermutigte Urs Meier nicht nur alle Führungskräfte, Durchsetzungsvermögen an den Tag zu legen, Entschlossenheit, Beziehungsfähigkeit und Entwicklungsbereitschaft, Dialogfähigkeit und die Begabung, Visionen nicht nur zu spinnen, sondern auch umzusetzen. "Die mentale Kraft ist entscheidend", so der Finalreferee des Champions League-Finales 2002 zwischen Real Madrid und Bayer Leverkusen (2:1).

Schritt zur Arroganz ist nicht weit

Gastgeber Josef Schlosser hört interessiert zu.

"Es muss egal sein, wer ich bin und wie ich heiße. Mein Name ist total unwichtig. Ich muss nur da sein, präsent sein, offen sein, muss die Menschen mögen und auf sie zugehen - und all das immer wieder zeigen". Dabei weist Meier auf die reale Gefahr der Überheblichkeit und Arroganz hin: "Dorthin ist es nur ein kleiner Schritt". In diesem Zusammenhang warnt er davor, den Fußball durch Wetten und die dadurch "viel zu leicht mögliche Manipulation" zu zerstören.

Alle Teams, egal ob im Sport oder im Berufsleben, ermuntert der Familienvater, der in Oberrohrdorf lebt, zusammenzuarbeiten. "Die besten Leute bringen nichts, wenn sie Einzelkämpfer bleiben. Ihr müsst ein Team sein", so Meier, der als bestes Beispiel den zuletzt zweifachen Deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund anführte. "In einer guten Mannschaft gibt es nur eine Richtung. Wenn alle in diese gehen, kommt der Erfolg von ganz allein".

Mut zum "merkwürdig sein"

Zeigte dem Reichenhaller Publikum nur kurz die Rote Karte als Zeichen seiner Entschlossenheit - nicht ganz ernst gemeint. Die Abseitsregel würde er dagegen sofort abschaffen.

"Entscheidungen treffen heißt auch Risiken eingehen - denn es gibt nicht immer einen doppelten Boden oder Fangnetze, die einen auffangen", weiß der sympathische Eidgenosse, der versichert: "Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung". Gleich hinten dran folgte die Ermutigung, ruhig auch "merkwürdig" zu sein, schließlich stecke da das Wort "würdig" drin - so schlecht könne es also nicht sein. Letztlich müsse man auch bei vermeintlichen Fehlentscheidungen, die immer wieder auch vorkommen werden, aufrecht bleiben und dazu stehen. "Der gute Schiedsrichter pfeift schneller als das Publikum", brachte Meier auch viel Humor in den kurzweiligen Abend mit teils bewegten Bildern kurioser Spielszenen auf dem grünen Fußballfeld.

Rund 600 geladene Gäste lauschten interessiert den Worten des ehemaligen Spitzenschiedsrichters auf absolutem Weltniveau. Sie waren der Einladung der Sparkasse Berchtesgadener Land im Rahmen des jährlichen Forums ins Kurgastzentrum gefolgt, hauptverantwortlich von Theresia Eschlberger und Alexandra Nöhrig organisiert. Bereits im März dieses Jahres erteilte Meier die Zusage, in die Kurstadt zu kommen - und getreu seinem Vortragsmotto stand er zu seiner Entscheidung und hielt Wort.

Direktor Josef Schlosser oblagen die Begrüßungs- und Schlussworte. Als Dank überreichte er Urs Meier einen Bildband über das Berchtesgadener Land, verbunden mit der Einladung, doch einmal ein paar Tage im laut Schlosser "schönsten Landkreis Deutschlands" zu verbringen. Im Foyer lud der Veranstalter zum Finale mit guten Getränken und einem reichhaltigen Buffet ein.

bit

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © bit

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser