Razzia: Badesalz-Drogen kiloweise sichergestellt

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München - Über das Internet vertrieben drei Münchner Badesalze. Doch die waren nicht fürs Vollbad gedacht - sondern zum Schnupfen durch die Nase. Wert: über eine Million Euro.

Der Tipp kam aus Schweden. Den Zollbeamten dort waren Pakete aus China aufgefalllen, deren Inhalt nicht zur Beschreibung im Lieferschein passte. In mit Rostschutzmittel ausgewiesenen Paketen befand sich weißes Pulver. Eine Analyse ergab, dass darin psychotrophe Substanzen enthalten waren - ein Verstoß gegen Arzneimittelgesetze.

Die Schweden informierten ihre deutschen Kollegen. Dem Münchner Zoll fielen ähnliche Lieferungen auf. Die Ermittlungen zu Hintermännern und Vertriebswegen begannen, am Donnerstagmorgen führten 80 Beamte unter Leitung der Münchner Staatsanwaltschaft I eine bundesweite Razzia durch.

Erst vor wenigen Wochen gelang den Ermittlern ein Schlag gegen eine Anabolika-Netzwerk. Auch hier kamen die Lieferungen aus China. Ein Zollsprecher betonte, dass hier aber kein Zusammenhang besteht. Dennoch würden illegale Lieferungen aus China zunehmen, da das gesamte Handelsvolumen zwischen Europa und dem kommunistischen Land wachse. Im aktuellen Fall hatte die Gruppe bisher insgesamt 356 Kilogramm chemische Mischungen aus China bezogen.

Während des mehrstündigen Einsatzes durchsuchten die Ermittler in München, Deggendorf und zwei Orten in Nordrhein-Westfalen insgesamt zehn Firmen- und Privatgebäude. Sie nahmen drei Männer und zwei Frauen im Alter von 31 bis 48 Jahren fest - darunter sind auch drei Münchner. Bei den Hausdurchsuchungen stellten die Ermittler insgesamt rund 65 Kilogramm Räuchermischungen, über ein Kilogramm Cannabinoide sowie weitere 25 Kilogramm unter dem Szenenamen „Sweed“ vertriebene Cannabinoide sicher.  Den Marktwert schätzt die Zollfahndung auf über eine Million Euro. Den Männern und Frauen wird der gewerbsmäßige Schmuggel und Handel mit "Legal Highs" genannten Designerdrogen vorgeworfen. Unter diesem Begriff werden unter anderem Badesalze verstanden, die geschnupft werden können und dabei halluzinogene Wirkung entfalten. 

Die Ware wurde in München sowohl in Tütchen zu je ein Gramm Inhalt als auch in größeren Mengen für das europäische Ausland umverpackt.

Vetrieben wurde die unter das Arzneimittelgesetz fallende Substanz unter dem Szenenamen „Freedom“ . Das Produkt wurde im Internet als „top erfrischendes Badesalz“ beworben und für 29 Euro pro Gramm – ein Vielfaches des Einkaufspreises - verkauft.

Auf ihrer Internetseite gab die Gruppe den Kunden erste Hinweise auf die möglicherweise doch nicht als Badesalz gedachte Verwendung der teuren Substanz: So erfolge die Abgabe des „Badesalzes“ nur an volljährige Personen, es werde eine diskrete Lieferung garantiert. Zudem sei das „Badesalz“ für Schwangere nicht geeignet.

Im Zuge ihrer Ermittlungen stellten die Zollfahndernoch mehr Mittelchen sicher:  40 Kilogramm Arzneimittel, über ein Kilogramm Cannabinoide sowie weitere 25 Kilogramm unter dem Szenenamen „Sweed“ vertriebene und vermutlich Cannabinoide enthaltene Räuchermischungen.  Die labortechnische Untersuchung dieser „Räuchermischungen“ steht noch aus.

Der Konsum chemisch hergestellter, so genannter Designerdrogen wie „Freedom“, „Sweed“ „Spice“  kann für Konsumenten Gefahren bergen.  Aufgrund der nicht bekannten chemischen Zusammensetzung sind die Folgen auf Psyche und Organsimus nicht absehbar.

mm

Rubriklistenbild: © Zoll

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