Unbelehrbarer Alkfahrer muss in den Knast

Raubling - Ein 53-jähriger Raublinger wurde zu sieben Monaten Haft verurteilt - ohne Bewährung! Er wurde mehrmals betrunken auf Zweirädern erwischt.

Bereits im Oktober 2010 war ein 53-jähriger Raublinger von der Polizei erwischt worden, wie er alkoholisiert auf seinem Roller unterwegs war. Wegen einer anderen Verurteilung stand er damals unter offener Bewährung. Das Gericht drückte beide Augen zu und beließ es im Februar 2011 bei einer Geldstrafe. Das hinderte den Raublinger aber nicht daran, bereits im August erneut mit zu viel Alkohol im Blut Moped zu fahren. Dass er dann nur zwei Monate später auf seinem Fahrrad in Schlangenlinien durch die Frühlingsstraße in Rosenheim kurvte, erklärte er vor Gericht so: "I hob g'moant, auf'm Radl, do machts nix". Dass er damit völlig falsch lag, hat er inzwischen begriffen. Insgesamt war er vor Gericht geständig und reuig.

Gutachter Rainer Gerd vom Inn-Salzach-Klinikum in Gabersee berichtete, dass der Angeklagte bereits von Jugend an ein Alkoholproblem hat. Nach einer Entgiftungskur im Jahre 1997 sei er wohl längere Zeit abstinent gewesen. Jedoch habe er nach einer betriebsbedingten Kündigung, durch die er seinen langjährigen Arbeitsplatz verloren hatte, wieder zum Alkohol gegriffen. Bei den Alkoholfahrten sei er wegen der Trunkenheit wohl nur eingeschränkt einsichtsfähig gewesen. Jedoch würde er - ohne eine angemessene Therapiemaßnahme - sicher wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Er rate deshalb zu einer zwangsweisen Therapiemaßnahme, die einer bloßen Haftstrafe vorzuziehen sei, sagte der Gutachter.

Auf Nachfrage des Verteidigers, Rechtsanwalt Christian Wachter, erläuterte der Psychologe: "Es gibt auch eine 'forensische Sicherungsnachsorge', die im Anschluss an eine klinische Maßnahme vom Gericht als ambulante Maßnahme angeordnet werden könnte." Voraussetzung sei, dass das Gericht eine Strafaussetzung zur Bewährung beschließt.

Dazu war aber die Vertreterin der Staatsanwaltschaft keinesfalls bereit. "Der Angeklagte hat dreimal mit hoher Rückfallgeschwindigkeit unter offener Bewährung Straftaten begangen. Da kann eine nochmalige Strafaussetzung nicht in Frage kommen." Sie beantragte eine Haftstrafe von neun Monaten, die der Angeklagte in einer geschlossenen Therapieeinrichtung zu verbüßen habe. "Nur so kann der Angeklagte von seiner Alkoholsucht befreit und nachhaltig beeindruckt werden", betonte die Staatsanwältin.

Rechtsanwalt Wachter legte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes, erbat aber eine nochmalige Bewährungschance für seinen Mandanten. Der habe gezeigt, dass er zur Veränderung bereit sei. Ambulante Therapiemaßnahmen, wie vom Gutachter beschrieben, empfahl er als Bewährungsauflagen.

Das Gericht blieb mit sieben Monaten Haft unter dem Antrag der Staatsanwältin. Allerdings konnte es keine weitere Bewährung zugestehen. Die Unterbringung in einer geschlossenen Therapieanstalt sah es als einzige Möglichkeit der Veränderung an.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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