Prostituierte über das neue Gesetz

"Wer soll meinen Kondomverbrauch prüfen?"

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Ist das neue Prostitutionsgesetz praxistauglich? Eine Prostituierte aus der Region findet nicht.
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Wasserburg/Rosenheim - Lissy-Cat ist seit acht Jahren als Prostituierte tätig. Auf das neue Prostituiertengesetz reagiert sie mit einem Lächeln. "Kondomkontrolle wäre vermessen!"

„Wer soll denn nachzählen, ob ich immer Kondome benutze“, erklärt Lissy-Cat. Die 32-Jährige aus Wasserburg hat fünf Jahre in einem Bordell in Rosenheim gearbeitet, aktuell bietet sie ihre Dienste freiberuflich in der Umgebung an. „Schön, wenn die Politiker sich Sorgen um unsere Gesundheit machen, aber jede schlaue Sexarbeiterin ist für sich selbst verantwortlich, Verpflichtungen werden allzu gerne gebrochen“, findet die Prostituierte. Den Begriff an sich mag sie so gar nicht. „Ich nenne mich Sexarbeiterin und finde das weitaus weniger abwertend als die Bezeichnung Prostituierte“ heißt es von der 32-Jährigen im Gespräch mit wasserburg24.de. Die Theorie auf Papier lese sich professionell. Das Gewerbe jedoch sei es wirklich. Und genau hier lägen die Probleme, heißt es von der 32-Jährigen. Was die Bundesregierung jetzt als Besserung für dieses Gewerbe bezeichne, könne niemals praxistauglich sein, meint Lissy-Cat. „Es ist doch alles so schwammig, es gilt Kondompflicht für Freier, aber die gibt es doch schon seit vielen Jahren. An dem jetzigen Gesetz ist nichts neu“, gibt Lissy zu bedenken. Außerdem sei es zu theoretisch: „Kein Bußgeld für die beschäftigten Frauen bei Nichtbenutzung von Kondomen. Wie sollte ein Beamter das auch nachprüfen“ lächelt die 32-Jährige.

Man müsse den Selbstwert der Frauen stärken und das Bewusstsein, sich selbst gesundheitlich aber auch gewaltpräventiv besser zu schützen, ist sich Lissy-Cat sicher.

Den Vorschlag einiger Politiker, die Prostitution erst ab 21 Jahren zuzulassen, hätte die Professionelle hingegen sehr vorteilhaft gesehen. „So hätte man verhindern können, dass zunehmend aus dem Ostblock junge Mädchen in Bordelle geschleppt und dort ausgebeutet und zur Sexarbeit gezwungen werden“ findet Lissy. Dass sich dieser Vorschlag nicht durchgesetzt habe, sei zukünftig gefährlich, meint die Sexarbeiterin.

Union und SPD einigten sich nach langen Diskussionen und Verhandlungen, dass das Prostitutionsgesetz folgende Punkte beinhalten solle:

  • Benutzung von Kondomen für Freier Pflicht.
  • Prostituierte (nicht mehr nur Bordelle) müssen ihr Gewerbe anmelden.
  • Regelmäßige Gesundheitsberatungen bei einem Arzt nach Wahl.

Gescheitert ist hingegen der Vorschlag der Union, unter 21-Jährigen die Prostitution nicht zu erlauben. Auch auf die verbindlichen gynäkologischen Untersuchungen konnten sich die Politiker letztlich nicht einigen.

Für sie selbst und ihren Joballtag ändere sich nur wenig, betont die 32-Jährige. Sie habe schon immer nur Sex mit Kondom gehabt, und das Finanzamt kenne ihren Beruf. „Nur bei der Stadt werde ich jetzt wohl doch mal vorbeischauen müssen, ob die vor drei Jahren meinem Wunsch entsprochen haben und Prostitution als Berufsbezeichnung im Computer stehen haben“.

Prostitution ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Allerdings können die Behörden eines Bundeslands die Ausübung durch Rechtsverordnung verbieten. Auch in Bayern wird zum Schutze des öffentlichen Anstandes und zum Schutze der Jugend Prostitution nur bedingt erlaubt. Grundsätzlich bleibt es in Kommunen bis 30.000 Einwohnern untersagt, Dienste von Prostitution anzubieten, heißt es in öffentlichen Erklärungen von Behörden. Auch die Stadt Wasserburg betont, dass Prostitution im Stadtgebiet nach wie vor verboten sei. Anmeldungen für dieses Gewerbe würden nicht vorliegen. 

Quelle: rosenheim24.de

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