Dritter Verhandlungstag gegen den Priener Schützen vor dem Landgericht

Urteil: Priener Schütze muss in eine Klinik

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Ein Foto vom Tatort in Prien
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    Sascha Ludwig
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Traunstein/Prien - Der 39-Jährige Pistolenschütze wurde nun vom Landgericht verurteilt. Er muss in ein psychiatrisches Krankenhaus. Wie sein Anwalt reagierte:

UPDATE 17.10 Uhr: Das Urteil

Das Schwurgericht ordnete eine Unterbringung des 39-Jährigen in ein Psychiatrische Krankenhaus an. In der Urteilsbegründung meinte der Vorsitzende Richter Erich Fuchs, das Gericht gehe nicht davon aus, dass der Beschuldigte bei den Schüssen auf seine Ex-Freundin in Tötungsabsicht gehandelt habe. Daher sei dieser Fall als versuchte gefährliche Körperverletzung zu werten.

Anders hingegen bei den Schüssen auf den Lkw-Fahrer. Besonders bei dem zweiten Schuss auf die Brust des Geschädigten gehe das Gericht "zumindest von einem bedingten Tötungsvorsatz aus". Er wurde daher in diesem Fall wegen versuchten Totschlags verurteilt. Die Mordmerkmale seien in beiden Fällen nicht erfüllt gewesen.

Der Verteidiger Adam Ahmed meinte auf Anfrage von chiemgau24.de, er werde "sehr wahrscheinlich" Revision einlegen.

UPDATE: 16.40 Uhr

Am Nachmittag folgten die Plädoyers: Staatsanwalt Bernd Magiera ging dabei nochmal auf die Aussagen der Zeugen und Sachverständigen ein und beschrieb das Tatgeschehen detailliert. Seiner Ansicht nach sei sowohl bei den Schüssen auf die Ex-Freundin, als auch bei den Schüssen auf den Lkw-Fahrer, das Mordmerkmal der niederen Beweggründe erfüllt. "Es ist reiner Zufall, dass dabei keine lebensgefährlichen Verletzungen entstanden sind." Der Beschuldigte sei gefährlich und habe einen Hang zu Straftaten, wenn er nicht medikamentös behandelt werde.

Der Staatsanwalt forderte daher eine Unterbringung des 39-jährigen in ein psychiatrisches Krankenhaus, auf unbestimmte Zeit. Dem schlossen sich auch die beiden Nebenklagevertreter an.

Der Verteidiger Adam Ahmed sah hingegen kein Mordmerkmal bei den Taten erfüllt. Die Beweisaufnahme habe keinen Beleg dafür ergeben, dass eine Tötungsabsicht vorgelegen habe. "Er hatte noch Munition im Magazin der Waffe und hätte noch öfter schießen können. Das ist ein Indiz, dass gegen die Tötungsabsicht spricht." Er forderte daher, seinen Mandanten wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Den Antrag der Gegenseite auf Unterbringung wies er zurück.

Das letzte Wort liegt beim Angeklagten

Der 39-jährige entschuldigte sich zum Schluss für seine "schändliche Tat". Er bat das Gericht darum, Milde walten zu lassen um eine Therapie machen zu können.

UPDATE: 12.05 Uhr

Nach einer Beratungspause gab der vorsitzende Richter Erich Fuchs bekannt, dass das Gericht den Beweisanträgen nicht nachkommen werde. Von beiden Anträgen könnten keine neuen Erkenntnisse in Hinblick auf die Tötungsabsicht des Beschuldigten gegenüber sowohl des männlichen als auch der weiblichen Geschädigten erwartet werden, so das Gericht.

Das Bundeszentralregister des Beschuldigten weißt insgesamt drei Einträge auf. Neben einer unerlaubten Abwesenheit von der Truppe, wurde der Beschuldigte in der Vergangenheit bereits zweimal wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr verurteilt.

Dr. Matthias Hollweg aus München machte danach in seinem psychiatrischen Gutachten Angaben zu den persönlichen Hintergründen des 39-Jährigen. Demnach habe er seine Kindheit als schwierig empfunden. Bei den Großeltern aufzuwachsen sei für ihn eine Belastung gewesen. Der Angeklagte zeige allerdings keine Anzeichen für eine Persönlichkeitsstörung.

Aus psychologischer Sicht zeige er aber klare Anzeichen für ein "ausgeprägtes paranoides Syndrom". Dafür spreche unter anderem die Tatsache, dass er sich verfolgt und bespitzelt gefühlt und wahnhafte Erinnerungsverfälschungen gezeigt habe. "Das spricht für eine krankhafte seelische Störung", so Dr. Hollweg. Zudem habe er eine ausgeprägte Affektstörung. "Eine Behandlungsnotwendigkeit der paranoiden Psychose liegt vor." Daher sprach sich der Sachverständige - im falle einer Verurteilung - für eine Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Einrichtung aus.

UPDATE: 10.05 Uhr

Nachdem am zweiten Verhandlungstag insgesamt 20 Zeugen, darunter direkte Augenzeugen der Schüsse in Prien im Februar diesen Jahres, und zwei Gutachter Angaben zur Sache gemacht hatten, stand zum Fortsetzungstermin noch die Aussage eines psychiatrischen Gutachters auf dem Programm.

Noch bevor der Gutachter jedoch Aussagen über den Gemütszustand des 39-Jährigen machen konnte, stellte der Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Adam aus München, zwei Beweisanträge. Zum Ersten stellte er den Antrag, nochmals nachzuprüfen, ob das männliche Opfer, der 49-­jährige Taxifahrer, nicht an der Abgabe der Schüsse beteiligt gewesen sei. Dazu machte der Beschuldigte selbst Angaben zur Schussfolge. Er gab an, dass er den ersten Schuss am Tatabend gezielt in Richtung eines Fahradständers am Rand der Gasse abgefeuert habe. Den zweiten Schuss will er in die Luft abgegeben haben. Danach gab er an, die Waffe zur Seite gedreht zu haben. Dabei soll ihn der männliche Geschädigte aufgefordert haben, die Pistole herzugeben und so in die Waffe gegriffen haben, dass sich ein weiterer Schuss gelöst haben soll. Wie der vierte Schuss, der den Oberkörper des Taxifahrers beinahe durchschlagen hatte, zustande gekommen ist, konnte der Beschuldigte jedoch nicht beantworten.

Das Gericht hegte jedoch Zweifel an der Version des Beschuldigten, könnten so die Schussspuren an der Kleidung der weiblichen Geschädigten und DNA-­Spuren des männlichen Opfers am Projektil im Fahrradständer, nicht erklärt werden.

Im zweiten Beweisantrag erklärte der Verteidiger des Beschuldigten, einen weiteren Zeugen hören zu wollen. Es handle sich dabei um einen engen Bekannten des 39­-Jährigen, der weitere Angaben über den Gemütszustand seines langjährigen Freundes machen könne. Noch am Morgen des Tattages soll der Zeuge dabei Kontakt zum Beschuldigten gehabt haben.

Nach der Verlesung von Briefen, in denen sich der Beschuldigte bei den Geschädigten für seine Tat entschuldigte, unterbrach der vorsitzende Richter Erich Fuchs die Verhandlung, um über die Beweisanträge zu entscheiden.

Der Vorbericht:

Der psychisch kranke Mann soll im Februar diesen Jahres seiner Ex-Freundin mit einer Pistole aufgelauert haben, um sie zu bedrohen und ein Geständnis von ihr zu erzwingen. Der 39-Jährige, der laut Gutachten unter einer paranoiden Psychose leidet, habe eine Verschwörung zwischen seiner Ex-Freundin und der Mutter seiner Tochter vermutet.

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Um seine ehemalige Lebensgefährtin zur Rede zu stellen, habe er sich am Abend des 3. Februar eine geladene halbautomatische Pistole eingepackt, um sie vor ihrer Haustür abzufangen. Zudem soll er noch 38 weitere Patronen dabeigehabt haben. Der Beschuldigte soll im späteren Tatverlauf zwei Schüsse auf seine Ex-Freundin abgefeuert haben, die sie beide verfehlten. Anschließend habe er sich umgedreht, um auf einen der Zeugen zu schießen. Der Geschädigte wurde von einem Streifschuss an der Oberlippe getroffen. Eine zweite Kugel durchschlug seinen Brustkorb. Er überlebte schwer verletzt. Einem Arzt, der gerade am Tatort vorbeifuhr, gelang es danach, den Schützen zu entwaffnen und festzuhalten.

Am heutigen Montag soll abschließend der psychologische Gutachter zu Wort kommen. Weitere Zeugenladungen sind nicht geplant, weshalb davon auszugehen ist, dass am dritten Verhandlungstag bereits die Plädoyers der Prozessbeteiligten folgen könnten. Ob es dann bereits zu einem Urteilsspruch kommen wird, bleibt unklar.

Die Verhandlung wird am 22. Dezember ab 9 Uhr fortgesetzt, sollte ein weiterer Prozesstag nötig werden, ist der 8. Januar 2015 bereits festgesetzt.

Aus dem Archiv:

Schüsse auf Mann in Prien

xe/sl/redch24

Quelle: rosenheim24.de

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