Polizistenmord: Es waren Schwerkriminelle

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Ein Motorradfahrer hat in Augsburg nach einer Routinekontrolle einen Polizisten erschossen

Augsburg - Ein eiskalter Mord schockt Bayern: In Augsburg haben zwei Schwerverbrecher bei einer Routinekontrolle Polizeihauptmeister Mathias V. erschossen. Die Ermittler vermuten: Es sind Schwerkriminelle.

Der 41-jährige Beamte, Vater von zwei Buben, trug bei dem Einsatz zwar eine schusssichere Weste, doch traf ihn eine Kugel in den Hals. Er erlag noch am Tatort seinen Verletzungen. Jetzt jagt die bayerische Polizei die Polizistenmörder!

Es ist gegen 2.50 Uhr Freitagfrüh, als Mathias V. und seine 30-jährige Kollegin auf einem Parkplatz am Kuhsee im Augsburger Stadtteil Hochzoll ein verdächtiges Duo auffällt. Als die beiden die Männer kontrollieren wollen, springen diese auf ein Motorrad und rasen davon. Ihre Flucht führt über eine nahe Staustufe des Lechs direkt in den Siebentischwald, einem beliebten Naherholungsgebiet der Augsburger. Obwohl die Strecke extrem kurvig ist und die Beamten an einer Engstelle sogar zurücksetzen müssen, lassen sich die Polizisten nicht abschütteln. Und sind schließlich wieder ganz nah dran an dem Duo. Denn die Biker geraten auf dem glitschigen Waldweg mit ihrer Honda CB 500 ins Rutschen und stürzen. „Halt, stehen bleiben, Polizei!“, fordert Polizeihauptmeister Mathias V. das Duo sofort auf – doch dann passiert das Unfassbare: Die beiden Männer eröffnen das Feuer! Sechs, sieben, acht Schüsse! Schwer verletzt sackt Mathias V. zu Boden. Zwar versucht seine Kollegin ihm noch zu helfen, indem sie ebenfalls mehrere Schüsse abfeuert, doch dann wird sie ebenfalls getroffen – an der linken Hüfte. „Glücklicherweise wurde sie aber nur leicht verletzt“, so Polizeipräsident Gerhard Schlögl. Der Augsburger Oberstaatsanwalt Günther Zechmann zeigt sich später entsetzt: „Das war ein Tatablauf, den sich auch hartgesottene Ermittler nicht ohne weiteres vorstellen können – wie James Bond über die Lechbrücke in Augsburg.“

Die Ehefrau des getöteten Beamten wird rund 90 Minuten nach der Tat aus dem Schlaf geklingelt. Kollegen müssen ihr die schlimme Nachricht überbringen. Sie und ihre beiden Söhne (17 und 13) werden seither in ihrem Zuhause in Königsbrunn südlich von Augsburg betreut.

Von den beiden Tätern fehlt bis Freitagabend jede Spur. Zwar riegelt die Polizei das ganze Waldgebiet ab und zieht für die Fahndung Kräfte aus ganz Bayern zusammen, sodass schließlich mehrere Hundert Beamte das Gelände durchkämmen, trotzdem gestaltet sich die Suche schwierig. Schlögl: „Dichter Nebel verhinderte zunächst den Einsatz von Hubschraubern.“

Die Polizei hat eine SoKo gebildet und hofft nun, über das Motorrad die Mörder zu finden. Nach tz-Informationen wurde die Maschine am 20. Oktober in Ingolstadt gestohlen. Das Kennzeichen (A - L 307) ist allerdings nur eine Dublette. Es gibt in Augsburg ein weiteres Motorrad mit dieser Nummer. Wie die Polizei bei der Überprüfung feststellte, hat dessen Halter aber nichts mit dem Verbrechen zu tun. Die Täter haben aber weitere Gegenstände am Tatort zurückgelassen, die die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen will. Man gehe aber davon aus, dass auch DNA-Spuren dabei sind, so Polizeipräsident Schlögl.

Die Kripo fragt: Wer kann zu dem gestohlenen Motorrad oder den Personen, die mit ihr unterwegs waren, Angaben machen? Hinweise an alle Polizeidienststellen oder die Hotline 08 21/323-30 30.

Oberstaatsanwalt Zechmann vermutet einen Verdeckungsmord. Offenbar seien die Täter bei der nächtlichen Routinekontrolle durch die Polizei auf dem Parkplatz am Kuhsee gestört worden, vielleicht beim Rauschgifthandel. Die Täter, die offenbar über gute Ortskenntnisse verfügten, vermutet er im Schwerkriminellenmilieu. Fakt ist: Sie sind extrem gefährlich und setzen ihre großkalibrigen Waffen skrupellos ein.

tz

Fotos vom Tatort

Polizistenmord in Augsburg

Die Pressekonferenz

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten in Augsburg hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dieses “gemeine Verbrechen“ scharf verurteilt. Es sei die Tat “brutaler Rechtsbrecher“, sagte Herrmann am Freitag in Augsburg. Sie hätten unvermittelt geschossen und den Beamten mehrmals getroffen.

Er drückte sein Mitgefühl über den Tod des zweifachen Familienvaters aus: “Ich bin tief betroffen über diese skrupellose und kaltblütige Tat. Mein besonderes Mitgefühl gilt der Ehefrau, den Kindern und den Kollegen des getöteten Beamten“, sagte Herrmann.

Der Polizeipräsident des Präsidiums Schwaben Nord, Gerhard

Schlögl: “Die vorausgegangen Nacht gehört mit zu den schrecklichsten Erlebnissen und wird mir immer in Erinnerung bleiben. (...) Einer der Täter hat das Feuer mit einer großkalibrigen Waffe eröffnet und unseren Kollegen mehrmals getroffen. Er ist wenige Minuten später am Tatort gestorben. Die Beamtin hat mehrmals Schüsse auf die Täter abgegeben.“

Rettungsdienst und Notarzt waren schnell vor Ort, sagte Schlögl. Der Notarzt konnte aber nur noch den Tod des Beamten feststellen. Mehrere Personen wurden nach der Tat überprüft, sagte Schlögl. Leider habe man aber keine heiße Spur.

Auch die Beamtin wurde verletzt, sagte der Polizeipräsident des Präsidiums Schwaben Nord, Gerhard Schlögl. “Sie hat einen Streifschuss erlitten im hinteren Hüftbereich.“

Die Familie des getöteten Beamten werde betreut, sagte Schlögl. Sie sei wenige Stunden nach dem traurigen Vorfall verständigt worden.

Nach den Tatumständen gehe man davon aus, dass es sich bei den beiden flüchtigen Motorradfahrern um “schwere Jungs“ handele, sagte Schlögl. Man habe in dem Augsburger Waldstück mehrere Gegenstände sichergestellt, aus kriminaltaktischen Gründen könne dazu aber nichts gesagt werden. Bei dem zurückgelassenen Motorrad handele es sich um eine alte Maschine der Marke Honda. Man habe vermutlich auch DNA-Spuren, aber da gebe es noch keine Gewissheit.

Polizeipräsident Gerhard Schlögl sagte, die Fahndung war am Anfang sehr schwierig: “Heute Nacht herrschte dichtester Nebel, daher konnte der Hubschrauber zunächst nicht eingesetzt werden.“ Es werde sicher noch einige Stunden in Anspruch nehmen, um den ganzen Bereich des Stadtwaldes abzusuchen, in dem sich die Männer befinden können.

Die beiden Beamten mussten bei der Kontrolle nicht mit der heftigen Gegenwehr rechnen, betonte Schlögl. Man werde alles tun, um die Täter zu fassen, bekräftigte Oberstaatsanwalt Günther Zechmann. Man ermittele wegen Mordes.

Oberstaatsanwalt Günther Zechmann sagte, die Verfolgungsjagd sei sehr ungewöhnlich gewesen: “Das war ein Tatablauf, den sich auch hartgesottene Ermittler nicht ohne weiteres vorstellen können. (...) Wie James Bond über die Lech-Brücke in Augsburg.“ Zechmann vermutet, dass die Täter mit dem Schuss ein Verbrechen verdecken wollten. Es sei vermutlich ein heimtückischer Mord gewesen.

Es handele sich wahrscheinlich um einen Verdeckungsmord, sagte Zechmann. Möglicherweise seien die beiden flüchtigen Männer in ein größeres Drogengeschäft verwickelt gewesen. Aber man wisse nicht genau, was die beiden auf dem Parkplatz gemacht hätten. Die Polizeistreife habe sie dann zur Unzeit überrascht.

Oberstaatsanwalt Günther Zechmann zeigte sich sicher, dass die Täter Ortskenntnisse haben: “Das sind Leute, die sich hier auskennen. Da muss man sich im Siebentischwald auskennen.“ Sie hätten sich vermutlich schon vor der Tat in Augsburg aufgehalten.

Die beiden Beamten waren nicht in Zivil, sondern in Uniform unterwegs, sagte Zechmann.

Oberstaatsanwalt Günther Zechmann sagte vor der Presse: “Mir liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass die Täter verletzt wurden.“

Der Täter schoss aus rund zehn Metern Entfernung, sagte Zechmann. Die Beamten waren im Lichtkegel des Streifenwagens gut zu sehen.

Innenminister Joachim Herrmann sagte: “Auf Mord steht lebenslänglich und ich teile die Einschätzung, dass es sich um Mord und um Mordversuch an der Kollegin handelte.“

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