"Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen"

Wegen Flüchtlingen: Schulleitung verfasst unglücklichen Brief

Pocking - 200 syrische Flüchtlinge sind in die Turnhalle eines Gymnasiums in Niederbayern gezogen. In Zeiten von Bürgerkriegen und anhaltenden Flüchtlingswellen ist das kein Einzelfall. Doch die Schulleitung reagiert daneben.

"Modern, weltoffen, kulturell aktiv und sportlich erfolgreich" - das sollen die Leitprinzipien sein, die man am Wilhelm-Diess-Gymnasium Pocking den Schülern vermitteln möchte. Zumindest stehen diese Wörter wie eine Lebenseinstellung an erster Stelle auf der Startseite der Homepage der Schule. Doch wer zuletzt die Äußerungen der Schulleitung zu Flüchtlingen gelesen hat, der muss sich doch wundern.

Von wegen modern, von wegen weltoffen. Der Notfallplan in Bayern ist in Kraft. Und auch der Landkreis Passau muss die letzten Platzreserven mobilisieren. 200 syrische Flüchtlinge sind daher in die Turnhalle des Pockinger Gymnasiums gezogen. Vor diesem Hintergrund hat die Schulleitung um Direktor Martin Thalhammer ein Schreiben an alle Eltern verschickt. Darin wird erklärt, woher die Flüchtlinge kommen oder wie lange die Turnhalle gesperrt sein wird. Es werden Fragen beantwortet, die sich freilich stellen, wenn Schüler und Flüchtlinge sich ein Gelände teilen müssen. Doch die Schulleitung schießt an einer Stelle deutlich über das Ziel hinaus und muss sich nun Kritik gefallen lassen.

Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen? 

Schließlich heißt es gegen Ende des Elternschreibens: "Die syrischen Bürger sind mehrheitlich Muslime und sprechen arabisch. Die Asylbewerber sind von ihrer eigenen Kultur geprägt. Da unsere Schule in direkter Nachbarschaft ist, sollte eine zurückhaltende Alltagskleidung angemessen sein, um Diskrepanzen zu vermeiden. Durchsichtige Tops oder Blusen, kurze Shorts oder Miniröcke könnten zu Missverständnissen führen."

Das Schreiben sorgt seither für jede Menge Wirbel. Mittlerweile bedienen sich sogar rechte Hetzportale im Internet an dem Schreiben, wie die Passauer Neue Presse berichtet. Dabei geht es in den Kommentaren meistens in diese Richtung: Jetzt ist es schon so weit, dass sich Schüler wegen Flüchtlingen anders kleiden müssen, heißt es in diesen Foren.

Schulleiter Thalhammer hat nun reagiert. Der Passauer Neuen Presse sagte er: "Es gab nie Kleidervorschriften an dieser Schule und es wird auch künftig keine geben." Auch in seinem Brief sei nicht von Vorschriften die Rede. "Ich habe die Fürsorgepflicht für die Kinder. Deshalb wollte ich alle umfassend informieren, was sich an der Schule tut und wofür wir die Turnhallen brauchen." Es sei lediglich sein Anliegen gewesen, Eltern und Kinder zu sensibilisieren, dass in der Pockinger Schule zwei Kulturen zusammenkommen.

Rubriklistenbild: © dpa

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