"München-West" zu riskant zum Fliegen?

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Memmingen - Passagieren ist der Memminger Flughafen unter dem Namen "München-West" bekannt. Bei Piloten löst der Airport das Grauen aus, weil er ihren Ansprüchen nicht genügt.

Ein Flugzeug befand sich noch auf der Landebahn. Ein anderes wollte gerade starten. Dieser Konflikt, schlechte Sicht und eine gestörte Funkverbindung waren die Umstände, die am 27. März 1977 auf Teneriffa zum schwersten Unfall der Luftfahrtgeschichte führten, bei dem 583 Menschen ums Leben kamen. Es war eine extrem seltene Verkettung unglücklicher Umstände, die zu der Katastrophe führte. Doch in der Luftfahrt gilt es, jedes Risiko auszuschließen. Flughäfen, bei denen abgetrennte Rollwege seitlich der Start- und Landebahn fehlen, haben einen Makel. In Deutschland gibt es drei solche Flughäfen mit Passagierverkehr: Lübeck, Zweibrücken und Memmingen. Sie kassierten allein deshalb in der Flughafen-Mängelliste 2012 der Vereinigung Cockpit (VC) einen Mangelstern. Wegen zahlreicher weniger gravierender Schwachpunkte bekam auch der Flughafen Heringsdorf die Negativ-Auszeichnung.

Weil einige Flughäfen den Linien- und Charterbetrieb mit Passagieren eingestellt haben (sie werden deshalb nicht mehr beurteilt) und andere Verbesserungen vorgenommen haben, ist Memmingen vom viertletzten Platz ganz ans Ende abgerutscht. Der Flughafen im Allgäu wird von der Pilotengewerkschaft als der Flughafen mit den meisten Mängeln kritisiert.

Neben der fehlenden Rollbahn für große Flugzeuge moniert die VC bereits seit der Eröffnung des Flughafens drei weitere Mängel: So fehlen ausreichende Sicherheitszonen an den Enden der Start- und Landebahn. Es gibt keine Stopbars (eine Art Ampel) und auch keine Lichter in der Mitte der Start- und Landebahn. Getan hat sich im Allgäu nichts. Gründe dafür kennt die VC nicht. Sie registriert aber an den Flughäfen einen unterschiedlichen Umgang mit Kritik. „Einige sind dankbar für die Hinweise aus Pilotensicht, andere reagieren eher beleidigt“, sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Vereinigung Cockpit. Dabei nimmt die Mängelliste keine Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten der meist defizitären Flughäfen. Auch Ausreden, wie die geringe Zahl von Flugbewegungen können die Pilotengewerkschaft nicht zu einem milderen Urteil bewegen.

Dafür muss sich etwas ändern. Das haben sich die meisten Flughäfen zu Herzen genommen. Neben München und Leipzig-Halle, die bereits im vergangenen Jahr als mängelfrei galten, kamen diesmal auch Stuttgart und Berlin Schönefeld ganz ohne Punktabzug davon. Nach angekündigten Verbesserungen könnte im nächsten Jahr auch Bremen zu den Flughäfen ohne Sicherheitsmangel zählen. Der Flughafen Frankfurt Hahn dagegen hat bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den letzten verbleibenden Mangel zu beseitigen. Geschehen ist das nicht.

Die Piloten räumen ein, dass sie mit den Maßstäben des Weltpilotenverbandes IFALPA strengere Sicherheitsregeln anlegen als die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Sie halten das aber für gerechtfertigt. „In einem Hochtechnologieland wie Deutschland reicht es aus unserer Sicht nicht, wenn sich die Flughäfen lediglich an die Mindestsicherheitsstandards halten“, sagt Sprecher Handwerg.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dapd

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