„Verharmlosung einer Vergewaltigung“

Auch bei uns in der Region wird über das Donaulied diskutiert

Die Kabarettistin Sara Brandhuber aus Zustorf hat ihre eigene Version aus dem Donaulied gemacht
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Die Kabarettistin Sara Brandhuber aus Zustorf hat ihre eigene Version aus dem Donaulied gemacht

Passau/Landkreis - Im Volksfestzelt ein Lied grölen, das von der Vergewaltigung eines Mädchens handelt? Dafür hat eine Passauer Studentin kein Verständnis und startet eine Petition gegen das Donaulied. Auch in der Region wird über das Donaulied diskutiert.

Eine junge Frau liegt schlafend an der Donau, ein Mann kommt vorbei, vergewaltigt und verspottet die Frau - der Inhalt des Donauliedes beschreibt unverhohlen sexuelle Gewalt. So hat eine Passauer Studentin ihre Online-Petition gestartet, mit der sie weitere Aufführungen unterbinden will. Corinna Schütz will per Online-Petition erreichen, dass das vor allem in Festzelten beliebte Lied nicht mehr gesungen wird, da dieses frauenverachtend, sexistisch und gewaltverherrlichend ist und Opfer solcher Übergriffe verhöhnt. Bisher haben 25.325 Menschen unterzeichnet (Stand 3. Juni, 11 Uhr).


Martin Hagen unterstützt Petition

Der Landtagsabgeordnete Martin Hagen, der für den Stimmkreis Rosenheim-West kandidierte, unterstützt die Petition. Der FDP-Fraktionschef erklärt hierzu: 

"Ich habe die Petition unterzeichnet. Auch die Veranstalter von Festen bei uns im Landkreis sollten künftig darauf achten, dass das unselige 'Donaulied' nicht mehr gespielt wird. In meiner Jugend gehörte das 'Donaulied' zum Standard-Repertoire auf Dorffesten. Alle sangen mit und niemand dachte sich etwas Böses dabei - und genau das ist das Problem. Denn in dem Lied wird die Vergewaltigung einer Frau gefeiert und das Opfer verhöhnt. Sexuelle Gewalt als Bierzelt-Schlager zum Schunkeln und Mitgröhlen? Schluss damit! Das passt nicht in ein modernes und aufgeklärtes Bayern."


Neuauflage des Donauliedes

Auch die Musik-Kabarettistin und Trägerin des bayerischen Dialektpreises Sara Brandhuber aus Zustorf bei Landshut hat die Petition bereits unterschrieben. Sie ärgert sich schon lange über das Donaulied und stellt dem nun ihr eigenes „Isarlied“ gegenüber.

Brandhuber findet ebenfalls, dass der Text so nicht mehr gesungen werden sollte. Gleichzeitig möchte sie aber die Melodie des traditionellen Liedes erhalten. Da Brandhuber aber nichts davon hält, Probleme nur anzusprechen und auszudiskutieren, sondern eine Frau der Tat ist, hat Sie kurzerhand das Donaulied mit einem menschenfreundlichen, zeitgemäßen neuen Text versehen. Kurzum machte Sie aus dem Donaulied das Isarlied - auch um Ihrer Heimat zu huldigen.

Trotz neuem Text war es Brandhuber wichtig, den ursprünglichen Charakter des Liedes zu erhalten, weil es immer besser ist, unschöne Dinge wieder herzurichten, anstatt sie wegzuwerfen. Deshalb singt sie auch als Frau das Lied in einer Ich Form. Denn der große Wunsch Brandhubers ist es, dass das Lied mit neuem Text künftig von jung und alt und allen Geschlechtern durch die Festzelte gegrölt wird.

In der Neufassung wurde aus einer schutzlos schlafende Frau, die vergewaltigt und verspottet wird, eine betrunkene Frau, die von einem hilfsbereiten Menschen gefunden und umsorgt wird. Und wer weiß ... vielleicht wird daraus auch die große Liebe.

jb

Quelle: rosenheim24.de

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