Werner packt das Glück

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Glücksmomente: Werner (28) mit Gruppenleiterin Anne Reus in der Förderstätte. Foto ls

Bad Aibling - Dass Menschen mit Behinderung nicht ausgegrenzt oder benachteiligt werden dürfen, ist bei uns gesetzlich verankert. Werner (28) aus Bad Aibling ist ein gutes Beispiel für eine vorbildliche Inklusion.

In der Förderstätte der Raublinger Wendelstein-Werkstätten verbringt das liebevolle Kraftpaket kurzweilige und glückliche Tage. Damit das so bleibt, wird die Einrichtung von der Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen unterstützt.

Harte Schale, weicher Kern. So werden Männer gern beschrieben. Auch auf Werner trifft das zu. Jedenfalls ist er für seine zupackende Art bei Begrüßungsritualen bekannt. Wer ihm die Hand reicht, auf die Schulter klopft oder sich gar auf eine Umarmung einlässt, sollte kein "Weichei" sein. Denn der 28-Jährige kann so heftig zupacken, zerren und drücken, dass man sich kurz fühlt wie beim griechisch-römischen Ringen.

Weihnachtsaktion der OVB Heimatzeitungen:

Menschen mit Behinderung mitten unter uns

Spendenkonten:

  • Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Spendenkonto 78782, BLZ 71150000
  • Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee eG, Spendenkonto 8849900, BLZ 71160000

Natürlich sind diese Grobheiten nicht beabsichtigt, sondern das Produkt körperlicher und geistiger Einschränkungen. Der Mann im roten Pullover ist nicht in der Lage, seine Kräfte einzuschätzen oder zu zügeln. Die zupackende Art ist aber auch Ausdruck von Zuneigungsbedürftigkeit: Kommt man ihm nah, dann fahren Werners Gefühle schon mal Achterbahn - und er packt das Glück, will am liebsten die ganze Welt umarmen.

Die harte Schale hat Werner noch aus einem anderen Grund. Er bekommt häufig epileptische Anfälle. Nicht immer geht es dabei ohne Blessuren ab. Blaue Flecken, Beulen, Kratzer - sein Körper hat damit Erfahrung. Da sind Nehmerqualitäten gefragt, aber auch qualifizierte Kräfte in seinem Umfeld in der Förderstätte, die ihn kompetent und verständnisvoll durch den Tag begleiten - mit so viel Selbstbestimmung wie möglich und so viel Unterstützung wie nötig.

Zehn Gruppen mit je sechs Personen wird es in der Förderstätte geben, wenn der derzeit laufende Umbau abgeschlossen ist. Werner gehört zur Gruppe 8, erledigt dort kleinere Botengänge, entsorgt Pfandflaschen und Altpapier, gießt Blumen oder hilft beim Kochen. Das macht ihm Spaß. Aber in erster Linie heißt das Förderstättenleben für ihn: soziale Kontakte haben, Freunde finden, akzeptiert werden, dazugehören. Wenn Werner mit Gruppenleiterin Anne Reus auf der Couch sitzt und im Bilderbuch mit Weihnachtsmotiven blättert, dann gehört er dazu. Dann strahlt er vor Glück. Und dann zeigt sich der weiche Kern.

Quelle: rosenheim24.de

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