Bleigießen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit

Orakel schwer zu deuten

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Rosenheim - Was erwartet mich im neuen Jahr? Diese Frage stellen sich in der Silvesternacht viele Menschen. Darum sind Orakel vor und nach Mitternacht sehr beliebt.

Besonders bekannt ist das Bleigießen. Dieser Brauch lässt sich bis zu den Römern zurückverfolgen. Später im Feudalismus wurde der Brauch am 30. November, dem Andreastag, gepflegt. Dieses Datum galt als Lostag - Knechte, Mägde und Dienstboten erfuhren, ob ihr Dienstverhältnis verlängert wurde. Mit Blei-Orakeln versuchten sie schon im Vorfeld näheres über ihr berufliches Schicksal zu erfahren.

Mit der Zeit verlagerte sich das Bleigießen immer mehr auf den Jahreswechsel. Auch heute Nacht werden bei vielen Silvesterpartys wieder Löffel mit kleinen Bleiklumpen über einer Kerze erhitzt und das geschmolzene Blei dann schwungvoll in eine Wasserschüssel gekippt. Die dabei entstehenden abstrakten Gebilde werden anschließend so gegen das Licht gehalten, dass der eine Figur an die Wand wirft, diese gilt es dann zu deuten. Entweder mit dem "Beipackzettel", der zum Bleigieß-Set gehört und auf dem beispielsweise steht, dass eine "Angel" für "Glück am Haken" oder eine "Kaffeetasse" für "Auszeit nehmen" steht. Wer will, kann aber auch ganz auf seine eigene Fantasie und Deutung zurückgreifen.

"Das Bleigießen ist nach wie vor ein beliebtes Gesellschaftsspiel", weiß Gabi Daurer vom gleichnamigen Waffen-Geschäft, die auch ein breites Sortiment an Silvester-Artikeln verkauft. Die Popularität des Bleigießens schwankt laut Daurer von Jahr zu Jahr: "Mal boomt die Nachfrage und dann gerät diese Tradition wieder fast in Vergessenheit." Die Geschäftsfrau selbst kann sich eine Silvester-Nacht ohne Blei-Orakel nicht vorstellen, selbst wenn die Prophezeiungen grundsätzlich eher mager ausfallen. Die Gebilde seien schließlich meist schwer zu erkennen und zu deuten. "Was dann herauskommt, vergisst man in kürzester Zeit", weiß die 56-Jährige nicht, ob bei ihr tatsächlich einmal etwas eingetroffen ist.

Auch bei Familie Süßmuth wird heute wieder Blei gegossen, zusammen mit den Nachbarn. "Schon meine Großeltern haben das gemacht, damals aber mit viel größeren Bleiklumpen", erinnert sich die 35-jährige Mona Süßmuth. Ihre Tochter Luana machte letztes Jahr erstmals mit und bekam aus Versehen einen heißen Tropfen Blei auf einen Finger. "Das tat ganz schön weh", erinnert sich die Zehnjährige. Auf das Wahrsagen verzichten will sie heuer trotzdem nicht. "Diesmal aber mit Wachs."

Dieses ist nach Ansicht einiger Experten zum Orakeln sowieso besser geeignet, weil es wieder Gesundheit noch Umwelt gefährdet. Beim Kaufhaus Karstadt wurden heuer keine Bleigieß-Sets verkauft. "Blei gehört nun einmal in den Sondermüll. Die Reste wandern aber meist einfach in den Hausmüll, die Toilette oder den Ausguss. Das wollen wir nicht mehr verantworten", sagt dazu Abteilungsleiterin Susanne Bartel.

Wer nach einer ganz anderen Möglichkeit sucht, um Prophezeiungen für 2012 anzustellen, kann auf einen anderen uralten, aber fast in Vergessenheit geratenen Brauch zurückgreifen - das "Lichtorakel". Man klebt einen kleinen Kerzenstummel in eine Nussschale und lässt ihn in einer Wasserschüssel schwimmen. Kommt das Schiffchen von einem "Ufer" zu anderen, ohne zu kentern und ohne, dass die Kerze erlischt, soll das neue Jahr nur Gutes versprechen.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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