Unkalkulierbares Risiko oder einmalige Chance?

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Pro und Contra der möglichen Olympiabewerbung der Region diskutierten am Dienstag Abend Gerhard Steinbacher von der Inzeller Touristik GmbH, Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz, Ruhpoldings Erster Bürgermeister Claus Pichler und Alexander Reinmiedl von der Bayerischen Sportjugend. In der Mitte Moderator Axel Effner.

Traunstein - Für oder gegen die Olympiabewerbung der Region? Die Podiumsdiskussion „OlympiJa – Nolympia“ im Sailer Keller stieß am Dienstag auf große Resonanz.

Für oder gegen die Olympiabewerbung der Region? Wirtschaftlich und ökologisch unkalkulierbares Risiko oder eine riesen Chance für die Region die nicht vertan werden darf? Über diese Frage diskutierten unter dem Motto „OlympiJa – Nolympia“ Anhänger beider Richtungen und Überzeugungen am Dienstagabend im Sailer Keller in Traunstein. Eingeladen hatte zu der Podiumsdiskussion das Forum Ökologie Traunstein.

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Dass das Thema die Gemüter bewegt, wurde einerseits an der guten Resonanz zu der Diskussionsveranstaltung im voll besetzten großen Saal wie auch in den Diskussionsbeiträgen selbst deutlich. Am Ende der knapp zweieinhalb Stunden Vortrags- und Diskussionszeit ging die inhaltlich oft in die Tiefe gehende Veranstaltung, zu dem hin und wieder aber auch der fachliche Experte fehlte, dann nicht unerwartet mit unverrückbaren Positionen zu Ende.

Bilder von der Podiumsdiskussion:

Podiumsdiskussion zur Olympiabewerbung

Befürworter einer Olympia-Bewerbung Münchens unter Einbeziehung der regionalen Wintersportorte Berchtesgaden, Inzell und Ruhpolding vertraten energisch ihre „Pro-Argumente“, die Gegner der Winterspiele in der Region, die auch die Paralympischen Spiele umfassen würden, hielten nicht minder engagiert und informiert dagegen. Einig waren sich aber alle Podiumsteilnehmer, dass eine Veranstaltung wie diese Podiumsdiskussions- und Informationsveranstaltung gerade vor dem Bürgerentscheid am 10. November wichtig sei. „Der Saal ist brechend voll, das zeigt, wie sehr das Thema die Bevölkerung interessiert“, betonte Sylvester Dufter, Erster Vorsitzender des Forums in seiner kurzen Begrüßungsrede.

In ihrem Kurzstatement betonte Beate Rutkowski vom Bund Naturschutz die ablehnende Haltung der Organisation zu Olympia in der Region. Die Spiele seien weder in ökologischen, wie auch in ökonomischen und sozialen Aspekten nachhaltig. Auf die Kommunen und die Landkreise komme eine „enorme Energie- und Ressourcenverschwendung und finanzielle Risiken zu.“

Ruhpoldings Erster Bürgermeister Claus Pichler sagte die Orte – und hier sprach er insbesondere für Ruhpolding - seien in der Lage, die Spiele auszurichten. Man habe nicht zuletzt durch die Biathlon-WM bewiesen, dass man Veranstaltungen dieser Art durchführen könne. „Wir haben die Leute und die Sportstätte dazu“, sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: „Wir wollen eine Bewerbung mit Maß und Ziel.“

Gerhard Steinbacher von der Inzeller Touristik GmbH betonte dass die Verantwortlichen viel von der gescheiterten Bewerbung Münchens für Olympia 2018 gelernt hätten. Für die Weiterentwicklung des Tourismus in der Region biete Olympia große Chancen: „Wir können die Region einem Weltpublikum anbieten.“

Uneinigkeit in manchen Verbänden

Dass die Frage nach einem „Pro und Contra Olympia“ oft auch quer durch Organisationen und Verbände geht, zeigte sich am Einführungsbeitrag von Podiumsteilnehmer Alexander Reinmiedl von der Bayerischen Sportjugend. Während sich seine Organisation und vor allem auch der BLSV klar „Pro Olympia“ positionierten, sehe er persönlich das anders, so der Olympia-Kritiker. „Kaum kommen ein paar Geschäftsleute aus München, sind alle Feuer und Flamme“, meinte er etwas überspitzt. Er plädierte dafür, bestehende Sportaktivitäten – und hier insbesondere Jugendveranstaltungen aber auch inklusive Veranstaltungen - auszubauen: „Es wäre nachhaltiger, das was da ist, anzupacken. Da brauchen wir kein Internationales Olympisches Komitee.“ Er rief dazu auf, nicht dem „Phantom Olympia“ nach zu hechten und der Region nicht ein „dominierendes Wintersportimage“ zu verpassen. Bei dem habe man im Wettstreit mit Österreich ohnehin schon verloren. „Die Olympiabewerbung ist vergeudete Energie“ sagte Reinmiedl.

Bei den von Moderator Axel Effner gestellten Fragen über Rückbaumaßnahmen und Kosten am Biathlonstadion in Ruhpolding, der Problematik der von vielen Seiten immer wieder als „Knebelungsverträge“ des IOC bezeichneten Vertragsgestaltungen, der Frage nach ausufernden Verkehrsinfrastruktur-Projekten und nachhaltig positiven Wirkungen für die heimische Wirtschaft ging es dann zum Teil doch deutlich zur Sache. Gerade Rutkowski und Pichler rieben sich zum Teil kräftig an den Themen und den Aussagen des jeweiligen Podiumsteilnehmers.

Ruhpoldings Erster Bürgermeister zeigte sich – auch vor dem Hintergrund der Erfahrung der Biathlon-Großveranstaltungen als ausgewiesener „Allround-Fachmann“ und Praktiker und betonte „ich sage euch alles, was ich weiß“. Andererseits wisse auch er heute nicht, welche Details letztlich in den Auflagen des IOC zu erfüllen seien, da die entsprechenden Verträge ja erst zu einem viel späteren Zeitpunkt vorliegen würden.

Rutkowski sah in den geplanten Bettenkapazitätsausweitungen für das Olympische Dorf in Inzell, die wohl nicht komplett wieder zurückgeführt werden dürften, eine negative Entwicklung für kleine Pensionsbetreiber: „Die bleiben auf der Strecke.“

Steinbacher, der deutlich machte, dass die Kosten für den Landkreis für die Bewerbung bei 395.000 Euro gedeckelt seien, sah die Chance, dass für die kommenden drei Jahre – unabhängig des Ausgangs des Bewerbungsverfahrens – die Region in aller Munde sei: „Die Marke Chiemgau wird in alle Welt getragen.“

Sorgen wurden in der Diskussion deutlich

Bei so manchem Diskussionsteilnehmer wurden die Sorgen über ausufernde finanzielle Belastungen, eine diktatorische Vertragsgestaltung durch das IOC und Fragen der Umweltbelastung deutlich: Walter Pichler aus Ruhpolding nannte die Vertragsgestaltung mit dem IOC „unberechenbar und unüberschaubar.“ Ob man daneben wie bei den Olympischen Sommerspielen in London Luftraketen, F14-Kampfflugzeuge in der Luft und vier Meter hohe Zäune brauche, stellte er in Frage.

Der sich als Finanzexperte und Olympiakritiker aus Salzburg vorstellende Willi Rehberg betonte, dass die beteiligten Olympiagemeinden und -städte die Haftung übernehmen müssten, dass alles bezahlt werde.

Wolfgang Schrag aus Traunstein machte sich um den Umweltschutz sorgen, was er am Beispiel eines bereits jetzt zunehmenden Algenwachstums in der Traun ausdrückte.

Dr. Rainer Schenk aus Traunstein kritisierte die Medien, die bisher ausschließlich „Pro-Olympia“ berichtet hätten. Er zweifle an der Nachhaltigkeit der Münchner Olympiabewerbung.

Dr. Christian Hümmer aus Traunstein, Sprecher der Initiative „OlympiJa 2022“, nannte es eine „Angstdebatte“. Olympia in der Region könnten beispielsweise auch Themen wie der Elektromobilität mit zum Durchbruch verhelfen. Die Gegner der Bewerbung würden die Chancen kleinreden und ausblenden.

Toni Zeller aus Siegsdorf machte seinem Ärger Luft. Die beiden Gemeinden Inzell und Ruhpolding hätten ohnehin ausgezeichnete Sportwettbewerbe: „Können wir den Kragen gar nicht voll bekommen?“ fragte er.

Grünen-Kreisrat Sepp Hohlweger betonte, dass man die aufgelaufenen Schulden aus den Olympischen Speilen 1972 in Münchner bis ins Jahr 1988 in einem Länderfinanzausgleich abgetragen habe. Er stellte die rhetorische Frage: „Wie lange wird es bei uns dauern?“ Eine kleine „persönliche Abrechnung“ zum Kreistagsbeschluss war dann noch Hohlwegers Frage, ob Pichler denn einen nach Aussage vieler Rechtsexperten sittenwidrigen Vertrag des IOC auch als Privatperson unterschreiben würde.

Der Erste Bürgermeister konterte, er lasse sich da nicht in privat und als Amtsperson auseinanderdividieren, sondern handele immer als Person mit einer Überzeugung. Es sei am Einfachsten zu sagen, man mache das nicht. „Ich werde auf alle Fälle kein unbegrenztes Haftungsrisiko für die Gemeinde unterschreiben.“ Die Bewerbung und in der Folge auch die Spiele würden nur erfolgreich sein, „wenn wir das mit Herz und Begeisterung“ machen.

Podiumsmitglied Reinmiedl betonte, dass Vieles auch ohne Olympia möglich sei und nannte exemplarisch die Themen Barrierefreiheit und Ökolandbau. „Das brauchen wir und das schaffen wir auch ohne Olympia.“

Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler ermutigte die Anwesenden abschließend, sich im Rahmen eines 22 Fragen- und Antworten-Katalogs, der in den kommenden Tagen vom Deutschen Olympischen Komitee im Internet veröffentlicht wird, selbst ein Bild zu machen.

awi

Quelle: chiemgau24.de

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