Schock für Olympia: Bogner droht mit Rücktritt

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Willy Bogner

München - Die Olympia-Bewerbung Münchens wird in ihren Grundfesten erschüttert: Willy Bogner, Chef der Bewerbungsgesellschaft, droht nach Medieninformationen mit Rücktritt. Hintergrund sei ein Streit ums Geld.

Knapp ein Jahr vor der Vergabe der Winterspiele 2018 droht Bewerbungschef Willy Bogner nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) mit Rücktritt, falls das Budget für die Kandidatur nicht erhöht werde. Dazu kommen Probleme mit Umweltschützern und Bauern in Garmisch-Partenkirchen, die ihre Grundstücke für Olympia nicht zur Verfügung stellen wollen.

“Die Lösung der beiden Problemfelder ist für mich und mein weiteres Engagement als Geschäftsführer entscheidend“, soll Bogner in einem vertraulichen Brief an die Gesellschafter und den Aufsichtsrat geschrieben haben. Sollte der Mode-Unternehmer tatsächlich hinschmeißen, könnte das für die ambitionierte Kandidatur schon das Ende bedeuten.

13 Tage, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) München offiziell zur Kandidatenstadt kürte, will Bogner in der Aufsichtsratssitzung und Gesellschafterversammlung am Donnerstag offenbar weitere Gelder von der Politik einfordern. Erst knapp zwei Drittel der veranschlagten Bewerbungskosten in Höhe von 30 Millionen Euro hat die Bewerbungsgesellschaft zusammen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sie einen Überbrückungskredit von 1,5 Millionen Euro durch Stadt und Land benötigt.

Im November 2009 war Bogner zum Chef der Bewerbungsgesellschaft ernannt worden, verbunden mit der Hoffnung, durch seine zahlreichen Kontakte, Gelder aus der Wirtschaft zu generieren. Ende April hatte er angekündigt, die Verhandlungen mit dem Versicherungskonzern Allianz “stehen kurz vor dem Abschluss“ - unterschrieben ist bis heute nichts. “Wenn einfach deutlich wird, aus der Wirtschaft wird wahrscheinlich nichts mehr kommen, weil die Zeit immer knapper wird, dann muss die Politik uns helfen“, sagte Bogner am Dienstag der “Abendschau“ des Bayerischen Rundfunks.

Doch aus der Politik kam bereits die erste Absage. “Der Auftrag an die Bewerbungsgesellschaft ist es, Gelder zu akquirieren. Es fehlt noch ein Stück, aber dann muss erst noch weiter gearbeitet werden, bevor man sich an den Staat wendet und zusätzliches Geld einfordert“, so der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Siegfried Schneider (CSU). Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) reagierte entrüstet. “Ich finde die Verknüpfung von finanziellen Wünschen mit dem eigenen Engagement immer problematisch“, wird Ude in der “SZ“ zitiert. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) findet Bogners Forderung nach mehr Geld “im Kern berechtigt, aber über das Ausmaß müssen wir noch reden“.

Als erste Reaktion auf die medialen Enthüllungen unternahmen die Münchner Olympia-Planer Deeskalationsversuche. “Ich habe nicht mit meinem Rücktritt gedroht und werde dies auch in der Zukunft nicht tun“, erklärte der 68 Jahre alte Bogner in einer Pressemitteilung. Nach dem Aus für Oberammergau, das als Standort für Biathlon und Langlauf vorgesehen war, sind Bogners Drohungen und die damit verbundene Unruhe ein weiterer Rückschlag für die olympischen Bemühungen des Gastgebers der Sommerspiele 1972. Das staatliche Gestüt Schwaiganger im oberbayerischen Ohlstadt löste den Passionsspielort Oberammergau als Ausrichter ab.

Das IOC wird am 6. Juli 2011 im südafrikanischen Durban über die Olympia-Stadt 2018 entscheiden. Neben München bewerben sich der französische Außenseiter Annecy und der große Favorit Pyeongchang aus Südkorea um den Milliardenpreis.

dpa

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