Wiesn: Auf'baut wird!

+
Zeltebauer Ulli Pletschacher (vorne rechts) und seine Mitarbeiter schuften schon auf der Theresienwiese.

München - Am Montag beginnt der Aufbau der 14 großen Zelte auf der Theresienwiese. Pardon, der 13 Zelte. Denn das neue Paulaner-Zelt Winzerer Fähndl durfte heuer schon ein paar Tage ­früher anfangen.

Seit Mittwoch wird das gut 8000 Plätze große Zelt aufgebaut – schon bald soll das Holzskelett der Haupt­halle stehen. Und auch ein „Probe­sitzen“ gab es bereits. Nein, nicht auf der Wiesn, so flott geht’s dann doch nicht. Paulaner-Chef Andreas Steinfatt und Wirt Peter Pongratz haben sich beim Zeltebauer Pletschacher in Dasing bei Augsburg vom Fortschritt der Arbeiten überzeugt und eine Musterbox in Augenschein genommen.

Die Brüder Ulli (35) und Peter (38) Pletschacher sind erfahrene Zeltebauer. Auf der Wiesn sind sie verantwortlich für Bräurosl, Schottenhamel, Löwenbräu- und Weinzelt sowie für einige kleine Zelte. Von Juli bis Anfang November sind ihre 90 Mitarbeiter fast ausschließlich mit der Wiesn beschäftigt. Die Zelte müssen ausgelagert und in dutzenden Lkw-Ladungen auf die Wiesn transportiert werden. Für ein großes Zelt braucht man 1000 Quadratmeter Lagerraum.

„Für das Winzerer Fähndl fahren wir 60 bis 80 Lkw-Ladungen mit Holz- und Stahlteilen nach München“, rechnet Ulli Pletschacher vor. Die Ladung ist sperrig, manche Teile sind 20 Meter lang – darum kann ein 30-Tonner meist „nur“ 15 Tonnen Material pro Fuhre bewältigen.

Auf'baut wird: Die Theresienwiese als Baustelle

Auf'baut wird: Die Theresienwiese als Baustelle

Mit 80 Lkw-Ladungen bzw. 1200 Tonnen Holz und Stahl ist es beim Winzerer Fähndl noch lange nicht getan: Für Dekoration, Beleuchtung und Einrichtung müssen nochmal 40 Lkw auf die Wiesn rollen! „Wir haben etwa zwei Wochen Zeit für die Konstruktion mit Außenwänden, Balkon und Dach“, sagt Pletschacher. Über die sogenannten Obergurte werden die Dachplanen gespannt. Wie bei einem Campingzelt sind sie aus Stoff – und nur einen Millimeter dick! Danach ist der Boden dran – zeitgleich müssen die Zeltbauer Feinheiten und Zwischenwände ausmessen und daheim bauen. „Der Aufbau ist spannend, vor allem bei einem ganz neuen Zelt – der Anstich wartet nicht.“

Und das Winzerer Fähndl ist anspruchsvoll: „Ich habe ein ganzes Jahr geplant“, sagt der Münchner Architekt Josef Wildsfeuer. „Das Winzerer Fähndl hat einen fast quadratischen Grundriss. Unter den Anbauten befinden sich später die Boxen. Das Besondere ist die stützenfreie Decke. Sie kommt auf einer Breite von 40 Metern ohne Pfosten aus!“

Die Gäste werden auf versetzten Ebenen feiern, so dass man von jedem Platz aus freie Sicht auf die Bühne hat. Am Musikpodium werkeln die Zeltebauer bei unserem Besuch in Dasing gerade. 90 Quadratmeter groß wird es, mit einem nachgebauten Monopteros wie im Englischen Garten, unter dem der Schlagzeuger sitzen wird.

Der Clou wird die zentrale Bierversorgung. Wirt Peter Pongratz: „Alle sechs Schänken werden zentral aus drei Containern mit je 28 000 Litern Bier beliefert!“ Das Bier fließt unterirdisch in gekühlten Leitungen. An einem zentralen Computer lässt sich litergenau ablesen, wie viel an jeder Schänke gezapft wurden.

Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der das neue Zelt in Auftrag gegeben hat, ist hochzufrieden. „Wir setzen mit der Hauptkonstruktion Maßstäbe für die nächsten 20 Jahre.“ Und das Innenleben? Die bewährten Fähndl-Farben schwarz und gelb bleiben. In den Boxen erzählen Bilder im Stil der Jahrhundertwende Geschichten aus dem Paulanergarten. Die Boxen sind in einem warmen Kastanienton gehalten, die großen Lampenkugeln setzen die Wandmalereien ins rechte Licht – auch wenn erstere noch nicht recht in die Fassung passen. Kein Problem: Was täuschend echt wie Glas aussieht, ist in Wirklichkeit aus bruchsicherem Plastik und wird flugs von einem Mitarbeiter zurechtgeschliffen. Wenn nur alles so einfach wäre …

Simone Herzner

Die Wiesn entsteht

Beim Aufbau sind in den ersten Wochen etwa 150 Personen beschäftigt, in der heißen Phase schuften 800 Menschen, damit zum Anstich alles fertig ist.

Der Aufbau im Überblick:

Seit Freitag ist die Wiesn für Passanten gesperrt.

Ab Montag, 19. Juli, startet der Aufbau der 14 großen Zelte. Das neue Winzerer Fähndl durfte ein paar Tage früher beginnen.

Ab 2. August werden die städtischen Buden aufgebaut.

Am 16. August beginnt der Aufbau der 20 kleineren Zelte.

Am 23. August startet die Montage der Hochfahrgeschäfte.

Ab 30. August richten sich die Schausteller ein.

Ab 9. September bauen die Mandelbratereien und Souvenirstände auf.

Am 17. September beginnt der historische Teil, am 18. September ist Anstich im Schottenhamel.

Quelle: Oktoberfest live

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser