ORF-Empfang in Rosenheim vor dem Aus!?

ORF-Empfang: "Digitaler, eiserner Vorhang?"

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(v.l.) Stadtrat Florian Ludwig, Manuel Guthmann, Geschäftsführer „komro GmbH“ Gert Vorwalder und Hannes Valtiner  
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Rosenheim - Bald soll der österreichische Sender "ORF" in der Grenzregion nur noch verschlüsselt zu empfangen sein. Die Kritiker sprechen von Zensur:  

Der Plan der "Österreichische Rundfunksender GmbH" (kurz: ORS) sorgt für Unmut im Grenzgebiet. Mit der Umstellung des aktuellen Sendestandards DVB-T auf die neue Version DVB-T2, will der österreichische Anbieter in Zukunft die freie Empfangbarkeit seiner Sender im Ausland durch eine Verschlüsselung reglementieren. Spätestens ab 2016 soll es dann im Grenzgebiet zum europäischen Nachbarn im Süden nicht mehr möglich sein, die öffentlich-rechtlichen Sender ORF 1 und ORF 2 zu empfangen. Die Kritiker des Vorhabens sprechen von Zensur und dem "digitalen, eisernen Vorhang".

Aktuell sind die beliebten österreichischen Programme im Grenzgebiet über das Kabelnetz der Rosenheimer "komro GmbH" noch frei zu empfangen. Ein Zustand, sogenanntes "Overspilling" (dt.: überfließen), der auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass die ausgestrahlten Wellen der Sendemasten im Salzburger Raum nicht vor der Landgrenze Halt machen würden. Diese Signale würden auch von der komro GmbH empfangen, weiterverarbeitet und dann in das Kabelnetz eingespeist, so Geschäftsführer Gert Vorwalder. Dies geschehe in Einklang mit dem Bayrischen Landesmediengesetz, das eine Einspeisung von "ortsüblichen Sendern mit vertretbarem Aufwand" erlaube, so Vorwalder. In der Übergangszeit bis die neue Technologie flächendeckend eingeführt sei, blieben die Sender der österreichischen Nachbarn aber noch erhalten. Der Fachmann schätzt, dass dies noch bis Mitte 2016 der Fall sein könnte.

Verschlüsselung - was dann?

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Verschlüsselung österreichischer Sender

"Der Betreiber der Sender kauft seine Lizenzen nur für das österreichische Publikum, alles was darüber hinaus geht, kostet den Sender mehr Geld", weiß der österreichische Medientechniker Hannes Valtiner. Dies sei unter anderem auch der Grund, warum die Programme per Satellit von Anfang an verschlüsselt waren. Valtiner sieht aber im Zuge der Umstellung noch weitere Probleme, nicht nur für die deutschen Zuschauer. Neben dem Fakt, dass die Deutschen im Grenzgebiet vollkommen ausgesperrt würden, müssten sich viele Österreicher neue Empfangsgeräte anschaffen, eine "lose-lose" Situation, so der Medientechniker. Aus diesem Grund hat der Österreicher auch bereits eine Online-Petition gegen die geplante Verschlüsselung ins Leben gerufen.

Wer im Nachbarland ORF weiterhin empfangen will, muss sich eine sogenannte "Smart-Card" und ein Gerät anschaffen, dass über ein CI+ Modul verfügt. Für österreichische Bürger mit Wohnsitz im Land ist die Karte kostenlos erhältlich, der Empfang der hochauflösenden Varianten von ORF 1 und 2 bedarf lediglich einer Registrierung beim Anbieter. Bei der Aktivierung der Karte muss aber eine gültige Adresse in Österreich angegeben werden. Kann ein Zuschauer diese nicht vorweisen, sperrt sich die Karte nach kurzer Testphase. Gegen einen Aufpreis von 10 Euro pro Monat können dann noch über 25 weitere HD-Sender, hauptsächlich von deutschen Anbietern, abonniert werden.

Lizenzkrieg oder "Fernsehmaut"?

"Hier ist die Absicht hinter dem Vorhaben ganz klar erkennbar," erklärt Manuel Guthmann, Medienmarketing-Fachwirt aus Raubling. Die Empfänger der Programme sollen so auf das "Modell Pay-TV" vorbereitet werden. Erschwerend komme noch hinzu, dass sich die Lizenzinhaber in den meisten Fällen nicht kompromissbereit zeigten, was das "Überschwappen" ihrer Sendungen im Grenzgebiet betreffe. Besonders im Bereich der Sportübertragungen würden unglaubliche Summen allein an Lizenzgebühren fließen, so Guthmann. Daraus resultiere ein großer wirtschaftlicher Druck hinter dem Vorhaben, gewisse Sendungen auch nur einem Publikum im jeweiligen Land zu Verfügung zu stellen. Formaljuristisch sei der ORF zudem auf einer sicheren Spur, so Guthmann weiter. Mit dem frei empfangbaren Sender "ORF 2 Europa" habe der Anbieter einen Kanal geschaffen, der alle Anforderung seitens des Europa-Rechts für öffentlich-rechtliche Sender erfülle.

Ein Lösungsansatz könnte Guthmann zufolge auch eine Einführung des österreichischen Systems im Grenzgebiet sein. Wer die Sender in HD-Qualität haben möchte, sollte auch die Möglichkeit haben, sie zu kaufen. Ein kostenloser Empfang in niedrigerer Auflösung könnte dann ebenfalls angeboten werden. Guthmann sehe dann im Streit um den Empfang der österreichischen Programme durchaus eine Parallele zur Diskussion um die Maut im Inntal. Sollte der Sender auch weiterhin frei zu empfangen sein, stünden die Konsumenten vor der Wahl, ob sie die "bessere Autobahn" oder die "holprige Landstraße" wählten. Es sei aber nicht nachvollziehbar, auf einen der beiden Wege gänzlich zu verzichten.

Bedenken der Politik

Briefe an den Intendanten des ORF blieben bis zum heutigen Tag ohne Antwort, berichtet Florian Ludwig, Stadtrat der CSU in Rosenheim. Im Zuge der Verschlüsselung der Fernsehsender befürchte Ludwig den Wegfall des Zugangs zu wertvollen Informationsquellen und kulturellen Gütern im Grenzgebiet. Selbige Bedenken seien auch im Bereich des Hörfunks zu erwarten. Wenn der Betrieb des klassische UKW-Radio dem neuen Standard DAB weichen müsse, falle auch der Empfang beliebter Radiosender wie OE3 oder FM4 der Digitalisierung zum Opfer, so Ludwig. Wenn nicht auf dem Rechtsweg, könne eine Einigung oder Kompromisslösung in diesem Fall nur in Zusammenarbeit mit der Staatsregierung und unter dem Druck der Bevölkerung erwirkt werden.  

Quelle: rosenheim24.de

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