Bevölkerungsschwund

In Oberfranken fehlen bald kluge Köpfe

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Michael Seidel warnt vor den wirtschaftlichen Folgen des Bevölkerungsschwundes in Oberfranken.

Hof - Ein Wissenschaftler warnt: Der Bevölkerungsschwund kann in Teilen Oberfrankens gefährliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Derzeit gehe es den Unternehmen zwar gut, doch das könne sich bald ändern.

Viele Unternehmer und Politiker im Nordosten Oberfrankens unterschätzen die Folgen des Bevölkerungsschwundes. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Prof. Michael Seidel von der Hochschule Hof. Psychologisch sei das absolut verständlich, sagte Seidel der Nachrichtenagentur dpa. Schließlich laufe es momentan gut für die Wirtschaft, die Arbeitslosenquote sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, die Region Hochfranken habe die dritthöchste Industriedichte Europas. „Aber man tut zu wenig, um Nachwuchskräfte anzuwerben“, sagte Seidel. Man blicke nicht weit genug voraus, da momentan alles in Ordnung sei.

Die Betriebe hätten aber wegen des demografischen Wandels künftig deutlich weniger Bewerber. Nicht das Geld werde der Region künftig fehlen, sondern die klugen Köpfe, warnte der Wirtschaftswissenschaftler in seiner Studie. Der demografische Wandel werde die Wettbewerbsfähigkeit der Region einschränken. Im schlimmsten Fall drohten der Region ähnlich große Probleme wie bereits vor Jahrzehnten, als die Textil- und Porzellanindustrie weitgehend wegbrach und viele Menschen ihre Jobs verloren.

Dazu komme, dass die Unternehmen in der Region kaum prominente Marken repräsentierten, sondern vielfach Zulieferer seien. Junge Hochschulabsolventen orientierten sich bei ihren Bewerbungen häufig an Unternehmen mit bekannten Marken. „Arbeitgeber aber müssen ihre Vorteile bewusst ins Schaufenster stellen“, mahnte Seidel.

Denn ein oberfränkischer Mittelständler habe ja durchaus auch Vorteile gegenüber Konzernen. Bei einer konjunkturellen Delle würden nicht gleich Arbeitsplätze abgebaut, oft herrsche ein gutes Miteinander zwischen Mitarbeitern und Chefetage. „Das sind echte Vorteile, die junge Menschen auch schätzen“, sagte Seidel. Die Unternehmen sollten gemeinsam ihre Attraktivität als Arbeitgeber herausstellen.

Auch fehlt Seidel zufolge ein Technologie-Schwerpunkt. Zwar sei Hochfranken - also die Regionen Hof, Wunsiedel und Marktredwitz - wirtschaftlich breit aufgestellt und könne einzelnen Branchenkrisen gut begegnen, doch das werde in Zukunft nicht reichen. „In Hinblick auf das Image der Region ist es von Bedeutung, ein attraktives, modern aufgestelltes Technologieportfolio zu haben. Eine ausbalancierte Branchenlandschaft dürfte als Anreiz für junge Talente nicht ausreichend sein“, schreibt er. Junge Akademiker würden durch moderne Technologien angezogen.

dpa

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