Lappalien, Personalknappheit und Grippe

Bayerische Notaufnahmen verstopfen

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In nahezu allen Regionen Bayerns sind die Notaufnahmen überlastet.

München - Die Grippewelle rollt über das Land und treibt die Betroffenen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Die platzen aus allen Nähten - weil dort Patienten im Wartezimmer sitzen, die eigentlich zum Hausarzt gehen sollten.

Grippewelle, Noroviren und kleinere Wehwehchen: In den Notaufnahmen der bayerischen Krankenhäuser kommt es derzeit vielfach zu Engpässen. Schon warnen Kliniken in Nürnberg: „Wir sind voll.“

„Das Problem, das die Notaufnahmen überlaufen sind und es dort Probleme gibt, haben wir in nahezu allen Regionen Bayerns“, sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, am Freitag in München. Nahezu zeitgleich verkündeten vier Krankenhäuser aus Nürnberg und Fürth: „Wir sind voll.“

Schuld an dem großen Andrang auf die Kliniken im Freistaat sind laut Hasenbein mehrere Faktoren. „Ein wesentlicher Grund ist, dass die Notaufnahmen verstopft und ausgelastet sind mit Patienten, die eigentlich nicht in die Krankenhausnotaufnahme gehören, weil es klassische ambulante Notfälle sind.“ Knapp eine Million Menschen pro Jahr gingen ohne ausreichenden Grund direkt in die bayerischen Kliniken statt zum örtlichen Bereitschaftsdienst (bundesweites Vermittlungstelefon: 116 117).

Der zweite Grund für die Engpässe sei Personalknappheit, berichtete Hasenbein. Diese resultiere zum einen aus dem Fachkräftemangel und aus Krankheitsfällen. Zum anderen liege sie aber auch an der unzureichenden Finanzierung gerade jener Fälle, die eigentlich in die ambulante Notfallversorgung statt ins Krankenhaus gehörten. Die finanzielle Situation werde sich zumindest künftig entspannen, kündigte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) mit Blick auf die jüngst debattierten Eckpunkte der Krankenhausreform an.

Als dritten Grund führte Hasenbein die derzeitige Grippe-Welle auf. In Nürnberg und Fürth wird diese noch von einem grassierenden Norovirus flankiert. „Wir haben im Moment wegen des Patientenzustroms wirklich Land unter“, sagte der Vorstand des Klinikums Nürnberg, Alfred Estelmann. Patienten lägen auf den Gängen, Behandlungen würden verschoben, Genesende vorzeitig entlassen.

Dabei kooperierten die Krankenhäuser in der Region intensiv und übernähmen Patienten aus überfüllten Häusern. Dennoch: „Die Maßnahmen, die wir aufgebaut haben, sind erschöpft, so dass wir sagen müssen: Wir können nicht alle aufnehmen, die zu uns wollen“, betonte Estelmann. In der gleichen Situation befinden sich nach eigenem Bekunden die Nürnberger Häuser Martha Maria und St. Theresien, ebenso das Klinikum Fürth.

Alte Menschen, aber auch Jüngere in Single-Haushalten müssten häufig allein deshalb im Krankenhaus bleiben, weil sich zu Hause niemand um die Kranken kümmere, berichtete der Geschäftsführer des St. Theresien-Krankenhauses, Walter Förtsch. Er regte an: „Wir brauchen neue Versorgungsstrukturen an der Verbindungsstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.“ Estelmann stellte eine mögliche Lösung vor: „Was wir bräuchten wären Stationen, die man im Sommer nutzen kann für Kurzzeitpflege zur Entlastung von Angehörigen und im Winter für die Versorgung schwer kranker Patienten.“

dpa

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