Ist die Cold Water Challenge sinnvoll?

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Die Cold Water Challenge soll den Gemeinschaftssinn demonstrieren, doch manche sehen die Videos kritisch.
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Landkreis – Zu Beginn war es noch ein loser Begriff, doch immer mehr Feuerwehren und andere Institutionen machen bei der „Cold Water Challenge“ mit. Es ist ein Nominierspiel, das teils kritisch gesehen wird.

Welche Gründe stecken hinter der sogenannten „Cold Water Challenge“, an der sich sowohl Feuerwehren als auch vereinzelt THW und First Responder und Rettungsdienst beteiligen? Die Runde wird immer größer. Wer wird wohl als nächstes nominiert?

Worum geht es?

Sie springen in eisig kaltes Wasser, rutschen aus deftiger Höhe in einen Weiher oder spritzen sich mit dem Feuerwehrschlauch wie Kegel um.

Bei der Cold Water Challenge absolviert zum Beispiel eine Jugendfeuerwehrgruppe eine Aufgabe, etwa das Hineinrutschen in kaltes Wasser in Feuerwehrmontur.

Dadurch solle die Stärke der Gruppe, der Gemeinschaftssinn rüber kommen, sind sich viele der beteiligten Trupps einig. Nach der Eingabe des Videos auf Facebook werden weitere Feuerwehrmannschaften nominiert.

Bei Nichteinhaltung muss eine Brotzeit ausgegeben werden. Doch auch kritische Stimmen gibt es. Viele halten es für kompletten Unfug, dass eine Feuerwehr teils sogar mit Material der Einsatz-Gruppen Spaß-Videos drehe.

Wie sieht es der Kreisjugendwart?

Nachgefragt bei Kreisjugendwart Manuel Pöhmerer heißt es: „Grundsätzlich bin ich strikt gegen solche Nominierspiele. Es kam zu deftigen Diskussionen, als Mitglieder der Jugendfeuerwehren bei diesem Trink-Spielchen vor einigen Monaten mitgemacht hatten“.

Die Cold Water Challenge finde er jedoch in Ordnung, solange es normale Verhältnisse seien und die Unfallverhütung im Vordergrund stehe. „Prinzipiell kann nichts daran ausgesetzt werden, wenn man Gemeinschaft bei der Jugendfeuerwehr demonstriert und durch eine lustige Aktion wie die der Cold Water Challenge zeigt, dass es auch mal lustig zugehen kann“.

Doch es müsse natürlich das normale Ausmaß annehmen, bleibt Pöhmerer realistisch. „Bislang konnte ich in unserer Region noch keine Mannschaft sehen, die grenzwertige Aktionen diesbezüglich ins Rennen geschickt hätten, alles was ich von den Teams gesehen habe aus unserem Gebiet war lustig“. Lediglich 1 Gruppe hätte es übertrieben, so Pöhmerer, den Ort wollte er nicht nennen.

Interessant sei laut Manuel Pöhmerer, dass sogar Mannschaften mit machen, von denen man sonst das ganze Jahr über nicht viel Aktion erlebe. Toll finde der Kreisjugendwart auch, dass sowohl ältere Generationen als auch Junge aus den Feuerwehren gemeinsam diese Cold Water Challenge absolvieren, es entstehe eine gewisse Art von Zusammenhalt, ist sich Pöhmerer sicher. Er selbst habe nicht bei der Cold Water Challenge mitgemacht, gibt er zu. Doch es hätte zeitliche Gründe gehabt.

Im Gespräch mit Wasserburg24 erklärt Manuel Pöhmerer, dass es bei diesen Nominierungen keinen wirklich Sinn gebe, der gemeinsame Spaß stehe im Vordergrund. In unserer Region habe seines Wissens die Feuerwehr aus Bad Aibling angefangen, diese Spaßaufgabe zu durchlaufen.

Während es im Norden Deutschlands zu sehr heftigen Ausschweifungen gekommen sei, gestalteten die Teams in der Region alles sehr ansprechend, beruhigte Pöhmerer.

Nachdem ein Video erstellt wird, müssen drei andere Teams mit der Aufgabe bedacht werden. Dabei ist es nicht nur ein „Ding“ der Feuerwehren, auch THW, First Responder oder Rettungsdienst haben sich schon daran beteiligt. Wenn innerhalb 48 Stunden nicht das Beweisvideo online gestellt werde, müsse eine Brotzeit ausgegeben werden. Dabei geht es um viel Kreativität, es stecke keine besondere Vorgabe dahinter. So könne jeder zeigen, was das Team drauf habe.

Diese Teams haben bereits mitgemacht:

Feuerwehr Bad Aibling, Feuerwehr Wasserburg, Feuerwehr Bachmehring, Feuerwehr Attl/Reitmehring, Feuerwehr Eggstätt, Feuerwehr Babensham, Feuerwehr Aham, Feuerwehr Kling, Feuerwehr Edling, Feuerwehr Schambach, Feuerwehr Schönberg, Feuerwehr Ramerberg, Feuerwehr Breitbrunn am Chiemsee, Feuerwehr Rott, Feuerwehr Gsadt, Feuerwehr Gollenshausen, Feuerwehr Pfaffing, First Responder Chiemsee Nord.

Die Meinung des Kreisbrandrats

Deutlich kritischer sieht es der noch amtierende Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer. „Man muss das wirklich vorsichtig sehen, auch wenn man abwägen sollte, ob es extrem ausartet oder im Normalbereich bleibt“, so der Kreisbrandrat.

Er selbst habe die Videos auf Facebook noch nicht gesehen, werde dies aber noch nachholen und die Nominierungen aus dem Landkreis Rosenheim sichten. Es komme darauf an, was aus den Aufgaben gemacht werde, so Ruhsamer. Solange die Kameradschaft und die Stärke der Feuerwehr dargestellt werde, habe er nichts dagegen, erklärt der Kreisbrandrat gegenüber Wasserburg24.

Doch ausarten dürfe es nicht. Der gute Ruf der Feuerwehren in der Region sind Sebastian Ruhsamer wichtig. Darum möchte er sich auch noch mit den Jugendwarten beraten, inwieweit man hier gegebenenfalls einschreiten müsse.

Natürlich sei jedes Mittel recht, um Kameradschaft zu pflegen, ist auch der „Chef“ der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Rosenheim sicher.

Er bitte jedoch darum, alles normal ablaufen zu lassen. Es dürfe keinesfalls ein negativer Eindruck entstehen, so Ruhsamer weiter. Mit dem Kreisjugendwart werde er sich über die momentane Lage unterhalten und gegebenenfalls eine Empfehlung an die Feuerwehren herausgeben. Spaßverderber möchte er freilich keiner sein, doch die Feuerwehr soll bei der Gesellschaft positiv wirken, da könnten eventuelle Entgleisungen Einzelner schädlich sein.

Quelle: rosenheim24.de

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