1,1 im Abi – und das mit 14 Jahren

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Nikolaus Hildebrand

Starnberg - Wie man „das“ schafft? Nikolaus Hildebrand aus Pöcking (Kreis Starnberg) weiß es nicht so genau. Er sei ja „eigentlich ganz normal“. Er hat halt nur ein bisschen früher sein Abi gemacht, mit 14 Jahren. Note: 1,1.

Streber? Nö. Er sieht auch nicht aus wie einer: Blaues T-Shirt, beige Jeans, Brille – und eine Brille tragen auch Nicht-Streber. „Und ich hab’ ja nicht nur gute Noten geschrieben...“, sagt Nikolaus Hildebrand. Wenn’s drauf ankam, waren sie aber doch ziemlich gut. Das Ergebnis: 1,1 im Abi. Dabei ist Nikolaus gerade mal 14 Jahre alt.

Kostenlos testen:

Testen Sie den Münchner Merkur oder eine seiner Heimatzeitungen kostenlos: Hier geht's zum Probeabo

Vier Klassen hat er übersprungen – weil er „vom G8 lieber ins G9 wechseln“ wollte. Da fühlte er sich nämlich „nicht so eingeschränkt“. „Bayerns Klügster“, titelten Boulevard-Zeitungen ganz aufgeregt. Und Nikolaus? Der erzählt dann gern die Geschichte von der Bio-Ex, die er (fast) leer abgab – und die sein Lehrer sich einrahmen wollte.

Das war damals so: Zuerst schrieb Nikolaus eine Bio-Klausur. Und dachte: „Das werden 14 oder 15 Punkte!“, also eine Eins. Es wurden zehn, eine Zwei minus. Das überraschte ihn. Irgendwas war schiefgelaufen. Deshalb beschloss er, das Semester nicht einzubringen – in der Kollegstufe bedeutet das: Die Endnote fließt nicht in die Abi-Note ein, aber: Man muss mindestens einen Punkt haben, sonst muss man das gesamte Jahr wiederholen.

Bei Nikolaus waren es letzlich acht Punkte im Zeugnis – eine glatte Drei. Echte Streber hätten vermutlich den Ehrgeiz gehabt, aus der Zwei minus zumindest eine Zwei plus zu machen. Nikolaus dagegen hielt sich fortan im Unterricht vornehm zurück – und auf die Ex, die kurz nach der Klausur folgte, schrieb er seinem Lehrer nur eine kurze Notiz: Er möge das jetzt bitte nicht persönlich nehmen, aber ein größerer Lernaufwand lohne sich für ihn einfach nicht – weil diese Bio-Note am Ende eh nicht zähle. Aber so ganz kann natürlich einer mit einem Intelligenzquotienten von 147 – übersetzt: hochbegabt – das Wunderkind-Image nicht wegleugnen. Will er ja auch nicht. Und deshalb erzählt er auch gern die Geschichte von der Reise nach Frankreich, die er für seine Eltern konzipiert hat – mit sechs Jahren wohlgemerkt.

Und das war damals so: Irgendwann, so mit vier, fuhr Nikolaus mit seiner Mutter nach München – und fragte: „Was sind das für zwei Türme?“ „Die Frauenkirche“, antwortete die Mama – und war seit diesem Tag Stammkundin beim Hugendubel. Sie kaufte Architekturbücher, die sich mit Kirchen befassten. Weil Nikolaus noch nicht lesen konnte – „das kam erst mit sechs, also eigentlich recht spät“, sagt er und zwinkert –, las sie ihm eben alles vor. Und er? Saugte jede Info auf wie ein Schwamm.

Zwei Jahre darauf plante er für seine Eltern und sich die Kirchen-Tour durch Frankreich. Reims, Paris, Straßburg. Gotisch, romanisch, er wusste alles, besser als jeder Reiseführer. „Ich glaube, meine Eltern waren gottfroh, als wir zurückkamen“, erzählt er und grinst. „Also ich hätte ja weiterfahren können.“ Dann überlegt er kurz. „Meine Mutter ist Ärztin, mein Vater Informatiker – ist nicht so praktisch, wenn sich das Kind mit Architektur beschäftigt.“

Inzwischen hat das Kind auf Chemie umgeschwenkt, das war auch Nikolaus’ Abi-Hauptfach – neben Mathe. Ab kommendem Semester will er nun Chemie an der Münchner Uni studieren. Und davor macht er noch kurz bei einem Forschungsprojekt mit, in dem es um das menschliche Immunsystem geht. Da tummeln sich zwar schon einige Doktoranden, aber das stört ihn nicht – „ich habe ja auch ältere Freunde“. Denen hat er in der Kollegstufe oft seine Lern-Skripte zum Kopieren gegeben, dafür nahmen die ihn öfter mal mit dem Auto mit. Nur bei den Partys, da durfte er nicht mit. „Echt ärgerlich, ich war doch in der gleichen Jahrgangsstufe!“

Vielleicht hat er an der Uni mehr Glück; die anderen Studenten könnten ja auf ihn „aufpassen“, sagt er und kramt sein iPhone raus, weil es in der Jackentasche klingelt. Wieder ein Journalist. „Ich kann grad nicht. In einer halben Stunde?“ Klar! „Ach, Entschuldigung“, murmelt Nikolaus und klingt jetzt nach Teenie. Wie ein 14-Jähriger eben. Gut so.

Barbara Nazarewska

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser