Hippodrom-Nachfolge

Neuer Wiesn-Wirt: Im Stadtrat gibt's Zoff

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(Links) Muss sich wohl geschlagen geben: Wirt Lorenz Stiftl galt als zweiter Anwärter auf die Nachfolge von Sepp Krätz. (Rechts) Siegerlächeln? Siegfried Able ist sich so sicher, dass er sich um sein kleines Zelt nicht bewirbt.

München - Am Montag entscheidet der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats, wer Nachfolger von Sepp Krätz als Wiesn-Wirt wird. Wiesn-Chef Dieter Reiter schlägt Siegfried Able vor – doch das stößt fraktionsübergreifend auf scharfe Kritik. Es könnte eine lange Debatte werden.

Siegfried Able ist gut vorbereitet – vielleicht ein bisschen zu gut: Er hat ein Zelt planen lassen, sich nach Mitarbeitern umgesehen und sogar schon einen Namen für sein großes Wiesn-Zelt schützen lassen. "Marstall" soll der neue Biertempel künftig heißen – vorausgesetzt, der Stadtrat erteilt Able am Montag den Zuschlag. Geht es nach Noch-Wirtschaftsreferent und Bald-Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), führt an Able kein Weg vorbei. Er schlägt dem Wirtschaftsausschuss am Montag vor, Able zum Nachfolger von Sepp Krätz zu wählen, der wegen seiner Steuerstraftat von der Wiesn geflogen war.

In Wirte-Kreisen ist von einer "ganz linken Nummer" die Rede

Das Gremium tagt in nicht-öffentlicher Sitzung, doch klar ist schon jetzt: Es gibt Gesprächsbedarf, Able wird am Montag nicht einfach durchgewunken. Die Kritik ist hinter vorgehaltenen Händen immer die gleiche: Wie konnte sich Able so sicher sein, dass er Wirt eines großen Zeltes wird? Der bisherige Wirt des kleinen Zeltes "Kalbskuchl" hat sich diesmal nur um ein großes Zelt beworben. Mehr als ungewöhnlich, schließlich kann man sich problemlos für ein großes und ein kleines Zelt bewerben – so hat Able das in den Jahren zuvor auch getan. Doch diesmal war er sich im Dezember offenbar so sicher, dass er alles auf eine Karte setzte. Er selbst will sich zu seiner Bewerbung nicht äußern. In Wirte-Kreisen ist jedoch von einer „ganz linken Nummer“ die Rede. Able müsse Hilfe bei der Bewerbung gehabt haben. "Es gibt Leute, die auf Risiko spielen", sagt Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) lapidar.

Die CSU übt heftige Kritik an dem Verfahren, das der Bewertung der Wiesn-Wirte zugrunde liegt. "Das ist eine völlig intransparente Vorlage", wettert CSU-Stadtrat Richard Quaas. Es fehlten wichtige Punkte, die erklären, wie die Entscheidung für Able zustandekommt. "Das muss Reiter nochmal klarer erläutern", fordert er.

Wirt Lorenz Stiftl soll deutlich weniger Punkte bekommen haben

Reiter verteidigt das Bewertungssystem der Stadt. Able habe bei den 13 Bewertungskriterien die meisten Punkte erhalten. "Wenn er vorne liegt, muss er auch vorgeschlagen werden", so Reiter. "Spöckmeier"-Wirt Lorenz Stiftl, der ebenfalls heiß gehandelt wurde als möglicher Nachfolger, soll deutlich weniger Punkte bekommen haben.

Doch nicht nur bei der CSU, auch bei der SPD besteht noch Gesprächsbedarf. „Wir haben das noch nicht diskutiert“, sagt Fraktionschef Alexander Reissl. Allerdings enthalte die Vorlage die eindeutige Empfehlung von Able. "Und ich rate jedem, sich daran zu halten", so Reissl. Dahinter stehe ein Bewertungssystem, das noch gegen jede juristische Anfechtung bestanden habe.

Schmid: "Wir haben objektive Bewertungskriterien"

Auch Helmut Schmid erwartet eine lebhafte Diskussion, das sei aber nichts Außergewöhnliches. "Es gibt immer Nachfragen", sagt der Wiesn-Stadtrat. Jetzt würden es eben vielleicht ein paar mehr werden, wegen des "öffentlichen Drucks". Auch er betont, es gebe noch keine Festlegung in der Fraktion, man berate erst am Montagmorgen direkt vor der Sitzung des Ausschusses. Transparenter könne man das Bewertungssystem nicht gestalten, es gehe schließlich um Geschäftsgeheimnisse und Persönlichkeitsrechte der Wirte und Bewerber, die gewahrt bleiben müssten.

Warum sich Able so sicher war, dass er den Zuschlag bekommen wird, will Schmid nicht bewerten. "Was sich der gedacht hat, ist mir wurscht, wir haben objektive Bewertungskriterien."

von Philipp Vetter und Moritz Homann

Quelle: Oktoberfest live

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