Umstrittene Übertrittsempfehlung

Neue Studie: Bayerns Schulsystem durchlässig

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Die Autorin der Studie "Durchlaessigkeit der 16 Schulsysteme - Auf- und Abstiege zwischen den Schulformen", Gabriele Bellenberg.

München - Eine neue Schulstudie der Bertelsmann-Stiftung legt einen Schluss nahe: Der Nutzen der Übertrittsempfehlungen nach der vierten Klasse ist offenbar begrenzt.

In Bayern wechseln Kinder die Schulform fast doppelt so häufig wie im Bundesdurchschnitt - und zwar sowohl nach oben als auch nach unten. Wie die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag mitteilte, wechselten im Schuljahr 2010/11 mehr als 31.300 Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse die Schulform, ein Anteil von 4,3 Prozent. Im deutschlandweiten Schnitt waren es nur 2,2 Prozent. Bayern war demnach auch das einzige Bundesland, in dem mehr Kinder den Aufstieg in Realschule oder Gymnasium schafften als eine höhere Schule wieder verlassen mussten. 13.000 Kinder wurden von Gymnasium oder Realschule nach unten befördert, 14 500 von Mittel- oder Realschule nach oben.

Doch bedeutet das nach Einschätzung der Bildungsforscher nicht, dass Bayern grundsätzlich bessere Aufstiegschancen böte als die Schulen anderer Länder. Denn in Bayern ist es auch so, dass viele Eltern den Übertrittsempfehlungen der Grundschullehrer nicht folgen: Die Hälfte der Kinder verlässt die Grundschule mit Gymnasialempfehlung, aber nur gut 40 Prozent werden von ihren Eltern tatsächlich auf einem Gymnasium angemeldet. Fast jeder zweite Schulaufsteiger im Freistaat wechselt dann nach der fünften Klasse einer Haupt- oder Realschule auf eine höhere Schule - wiederholt dort aber die fünfte Klasse.

Zweifel an der Effektivität des bayerischen Wegs

Autorin der Studie ist die Bochumer Bildungsforscherin Gabriele Bellenberg. Sie wertet dieses bayerische Phänomen eher als Versuch der Eltern, die Schulempfehlung nach der vierten Klasse zu umgehen. Bellenberg meldete Zweifel an der Effektivität des bayerischen Wegs an: „Man muss hingucken, ob das notwendig ist.“ Unter dem Strich weist die Studie kein Land als überlegen aus. „Wir können nicht sagen: Ein Bundesland ist ganz klarer Sieger“, sagte Bellenberg. Lässt man die Besonderheit in der fünften Klasse außer Acht, übersteigt die Zahl der Schulabsteiger in Bayern die der Aufsteiger bei weitem: In den Jahrgängen sieben bis neun werden doppelt so viele Schüler in Bayern nach unten befördert wie nach oben, hatte die Bertelsmann-Stiftung im Frühjahr in einer voran gegangenen Studie moniert.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wertete die Studie dennoch als Beleg für den Erfolg der bayerischen Bildungspolitik: „Bayern hat die Förderung der Kinder und Jugendlichen an den weiterführenden Schulen und die Durchlässigkeit stark erhöht.“ Die FDP beanspruchte den Erfolg für sich: „Mit Regierungsbeteiligung der FDP ist die Durchlässigkeit zwischen allen Schularten deutlich erhöht worden, und das zahlt sich jetzt aus“, erklärte FDP-Bildungsexpertin Renate Will.

dpa

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