Nahverkehr: Ein Streik als Überraschungsei

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Willi Russ organisiert derzeit den Streik im Nahverkehr. 

München - Noch fahren die Busse, und auch die U- und Tram-Bahnen. Vieles deutet darauf hin, dass in München frühestens am Freitag viele Räder im öffentlichen Nahverkehr (mit Ausnahme der S-Bahn) stillstehen:

Dafür hat sich gestern der Ton noch einmal verschärft - zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, aber auch zwischen Arbeitnehmern und Arbeitnehmern.

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Der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Herbert König, spricht inzwischen von einem „Krieg der Gewerkschaften“ - „ein Krieg auf dem Rücken der Fahrgäste und der Mehrheit der Beschäftigten“. Wie mehrfach berichtet, hat die kleinere dbb Tarifunion anders als Verdi das Angebot der kommunalen Arbeitgeber ausgeschlagen. Verdi-Mitglieder bekommen nun 3,5 Prozent mehr sowie eine Einmalzahlung von 240 Euro. Die Tarifunion pocht noch auf Nachbesserungen bei der Arbeitszeit, weshalb in München nun ein Streik-Experiment gemacht wird. Denn so markig die Ankündigungen von Tarifunions-Vize Willi Russ sind, so nebulös wird er, wenn er gefragt wird, wie viele Mitglieder eigentlich die Arbeit niederlegen wollen. Er vertrete die Mehrzahl der Mitarbeiter des Fahrdienstes, zu dem allerdings nicht nur Fahrer sondern beispielsweise auch Kontrolleure gehören. Sollten letztere streiken, wäre dies für die Fahrgäste wohl zu verkraften.

Wie groß die Beeinträchtigungen ausfallen, weiß derzeit also keiner so genau. Die Arbeitgeber streuen Zweifel, dass die kleinere Gewerkschaft große Wirkung erzielen kann. Russ sieht das als Ansporn: „Wenn wir so nett zum Tänzchen aufgefordert werden, dann wollen wir auch zeigen, dass wir das können.“

Fraglich ist auch, wie engagiert die Verdi-Mitglieder den Streik ihrer Kollegen auffangen. Auf Funktionärsebene hat sich das Klima zwischen dbb und Verdi dramatisch verschlechtert. Während Russ bei der gestrigen Pressekonferenz nur eine kleine Spitze los ließ („Der Partner ist uns auf der Strecke abhanden gekommen“), fährt Verdi inzwischen schweres Geschütz auf: Verhandlungsführer Frank Riegler spricht von einer „gezielten Provokation“ der Tarifunion. „Die haben von Anfang an auf den Bruch zwischen den Organisationen hingearbeitet.“

Willi Russ bemüht sich derweil um ein wenig Entspannung: Man hätte nichts dagegen, wenn der ausgehandelte bessere Abschluss danach auch für die Verdi-Mitglieder gelte. „Wir haben hohes Interesse, die Belegschaft nicht zu spalten.“

Mike Schier

Quelle: Oktoberfest live

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