"Sie wollen tote Menschen sehen? Fotos machen? Kommen Sie!"

Einsatzleiter stellt schamlose Gaffer zur Rede - droht ihm jetzt eine Strafe?

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Nürnberg - Nach einem tödlichen Lkw-Unfall auf der A6 am Dienstag platzte einem Polizisten angesichts zahlreicher Gaffer der Kragen. Er griff zu drastischen Mitteln. Inzwischen hat auch Innenminister Hermann zu seiner Aktion Stellung bezogen.

Das Video ging viral: Verkehrspolizist und Einsatzleiter Stefan Pfeiffer knöpfte sich an einem Unfallort in Franken, bei dem ein 47-jähriger Lkw-Fahrer sein Leben verlor, zahlreiche Gaffer vor. Nicht nur unsere Leser sind von dieser Aktion Pfeiffers begeistert. Sowohl auf unserem Portal als auch auf Facebook sprachen viele ihr Lob aus: "Respekt!", "Recht so" und "Absolut super!" waren dort zu lesen.

Innenminister Hermann lobt Einsatzleiter

Auch Bayerns Innenminister Joachim Hermann lobte auf seiner Facebook-Seite den Verkehrspolizisten: "Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich. Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat."

Aber auch Pfeiffers Vorgesetzte stehen laut Bild hinter seiner Aktion: "Er wollte den Fahrern ihr Fehlverhalten drastisch vor Augen führen", sagt Polizeisprecherin Elke Schönwald (60). "Es war aber zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, die Leute wirklich zu der Leiche zu führen." Eine Strafe scheint Pfeiffer somit nicht zu drohen.

128 Euro für Gaffer - zu wenig?

Über 100 Kommentatoren (Stand Donnerstag 8.40 Uhr) zeigten sich von Rückendeckung Hermanns für Pfeiffer erfreut. "Vielen herzlichen Dank Herr (Staatsminister) Herrmann dafür, dass Sie derart rückendeckend zu Ihren nachgeordneten Mitarbeitern (m/w/d) stehen!", schreibt beispielsweise Joachim W. Ein anderer Kommentator: "Herr Minister Herrmann, ich begrüße es, dass Sie als oberster Dienstherr, den Beamten hier den Rücken stärken und hoffe, dass es im Kreise seiner Vorgesetzten auch jeder so sieht."

Laut wurde in diesem Zusammenhang jedoch erneut die Diskussion um die Höhe des Strafmaßes. Derzeit werden Gaffer 128 Euro aufgebrummt. Viele unserer Leser sind jedoch der Meinung, dass durchaus auch eine Strafe um 1000 Euro gerechtfertigt wäre.

Das war geschehen

Zahlreiche Gaffer zückten nach einem tödlichen Lkw-Unfall am Dienstag ihr Handy oder sogar das Tablet. Angesichts dieser Ignoranz und Pietätlosigkeit platzte dem Einsatzleiter der Verkehrspolizei, Stefan Pfeiffer, der Kragen. Laut brüllend knöpft er sich die Gaffer vor, fotografiert einige von ihnen und fordert sie auf, auszusteigen und sich den Toten anzusehen.

"Sie wollen tote Menschen sehen? Fotos machen? Schämen sollten Sie sich", sagte Pfeiffer zu den Gaffern. Nachdem die linke Fahrbahn in Fahrtrichtung des Unfalls wieder freigegeben ist, filmen auch hier Autofahrer mit ihren Handys. "Kannst gerne aussteigen und die Leiche anschauen. Wollen Sie das?", fragt er eine Frau, die zaghaft verneint. Pfeiffer: "Dann verschwinden Sie und zwar schnell!"

Sein drastisches Verhalten erklärt der Einsatzleiter anschließend so: "Sie müssen merken, was sie tun und wir stellen fest, dass das direkte Konfrontieren mit der Situation die Leute schockiert und klar macht, dass das kein Spiel ist, sondern bittere Realität."

mh

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook

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