Erste Schäden werden sichtbar

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Landkreis - Während die Pegel der Flüsse stetig sinken, kann vielerorts schon mit ersten Aufräumarbeiten begonnen werden. Schäden werden allmählich sichtbar. Eine erste (vorläufige) Bilanz:

Rosenheim Stadt und Land

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und Landrat Josef Neiderhell einig: „Rosenheim ist knapp an der ganz großen Katastrophe vorbeigeschrammt“.Für eine Schadensbilanz ist es allerdings noch zu früh. Unzählige Keller in Stadt und Landkreis mussten und müssen noch leergepumpt werden. 110 Personen verbringen ihre zweite Nacht in den Notunterkünften in Kolbermoor und Rosenheim-Aising. Der Bereich um den Kreisel in Rosenheim Schwaig sowie die Straßen in Oberwöhr bleiben weiterhin gesperrt, weil überflutet. Der Ortsteil Oberwöhr liegt auch diese Nacht noch im Dunkeln. Rund um den Chiemsee kommt es zu Ausuferungen nachdem sich der Wasserstand auf 520 m ü. NN eingependelt hat. In den meisten Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim findet morgen Dienstag wieder normaler Unterricht statt. Wegen des Katastrophenfalls können oder müssen die Schülerinnen und Schüler von elf Grund- und Mittelschulen - wie bereits gemeldet - zu Hause bleiben. Wasserwacht und DLRG weisen darauf hin, dass die Dämme auch in den kommenden Tagen nicht betreten werden sollten. Der lang anhaltende Regen sowie das Hochwasser haben diese durchweicht und rutschig gemacht. Daraus ergaben sich Gefahren, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.

Wasserburg und Altlandkreis

Der Hochwassereinsatzplan bewährte sich laut Bürgermeister Michael Kölbl perfekt. Der Inn erreichte einen Höchststand von 6,30 Meter. (Sonntag, 20 Uhr) Es gab einige Evakuierungen entlang der Wuhr, die Wohnungen und Häuser waren aber bereits am Montag wieder beziehbar. Größte Sorgen machte der Hang unterhalb des Badria-Sportplatzes, der wegzurutschen drohte. Der Wuhrsee wurde schließlich kontrolliert angelassen. Ebrach und Goldach ging über die Ufer, die Wehre der Isen wurden öfter aufgemacht, um das Treibgut herauszuspülen. 

Bad Aibling und Altlandkreis

Keller mussten ausgepumpt werden in Willing, in Bad Aibling entlang der Ganghoferstraße und Heubergstraße sowie in Mietraching. Mit großer Sorge wurde auch der steigende Pegel der Glonn in Bad Aibling beobachtet, der allerdings den kritischen Punkt nicht überschritt. Der Willinger Feldbach wurde geöffnet, so dass das Wasser ins freie Gelände ablief. In Bad Feilnbach ist die Jenbachtalstraße teilweise abgerutscht und wurde komplett gesperrt. In Feldkirchen-Westerham musste der Ortsteil Gries mit einem Schlauchwehr abgesichert werden. Die drei Rententionsbecken verhinderten dort insgesamt aber Schlimmeres. In Feldolling wurde der Mangfalldamm aufgebrochen, um den Scheitelpunkt abzusenken und so den Ortsteil Greis zu schützen. Die Gemeinden Bruckmühl und Tuntenhausen blieben weitgehend verschont.

Inntal

Die Thierseestraße und mehrere Wohnhäuser in Kiefersfelden waren vorübergehend wegen eines Murenabgangs nicht zu erreichen. Der Grenzübergang auf österreichischer Seite ist nach wie vor behindert. Mehrere Keller mussten ausgepumpt werden. Das Dach der König-Otto-Kapelle an der Kufsteiner Straße wurde durch einen umstürzenden Baum stark beschädigt, die Spitze brach komplett ab. In Neubeuern mussten mehrere Keller ausgepumpt. Hier wurde auch ein Geologe beauftragt, um Gefahrenstellen in hügeligen Bereichen ausfindig zu machen. In Nußdorf ereignete sich ein kleiner Erdrutsch, an mehreren Stellen trat der Steinbach über die Ufer - mehrere Straßen waren gesperrt.

Chiemsee

Der Chiemsee erreichte in der Spitze einen Pegel von 1,74 Metern über dem Normalstand (Montag, 17 Uhr). Da noch viele Bäche und Flüsse Wasser in den See transportieren, wird der Höchststand aber erst für heute erwartet. Die Chiemseeschiffahrt hat den Betrieb eingestellt. In mehrere Häuser auf der Fraueninsel ist Wasser eingedrungen, auf der Herreninsel sind bislang keine Schäden zu verzeichnen. Mehrere Anlegestege am Festland, beispielsweise in Gstadt, sind überflutet. Der Seglerhafen in Breitbrunn ist ebenfalls überflutet. Zwischen Gollenshausen und Seebruck ist eine Mure abgegegangen. Die Strecke zwischen Schafwaschen und Aiterbach war gesperrt. In Felden lief Wasser in beide Kliniken. Da auch dort das Wasser des Chiemsees stieg und mit ihm auch die Segelboote, mussten sie alle im Hafen neu angeleint werden.

Traunstein Stadt und Land

1800 Kräfte der Feuerwehr bewältigten rund 1500 Einsätze. Der Katastrophenfall wurde am Dienstagmorgen aufgehoben. Nun laufen langsam erste Aufräumarbeiten an. Im Achental wurden 100 Menschen evakuiert. Das Asylbewerberheim zwischen Grassau und Staudach wurde geräumt. In Marquartstein möchte die Gemeinde ab Dienstag Container für die Entsorgung bereitstellen. Die Staatsstraße Richtung Schleching ist nach wie vor gesperrt. Schleching und auch Reit im Winkl waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Probleme machte hier auch der hohe Grundwasserspiegel. Die Hängebrücke am Klobenstein wurde zerstört. In Raiten mussten mehrere Familien evakuiert werden. Rund um Unterwössen litten vor allem Wälder und Wiesen, die durch das Hochwasser verschlammt wurden.

Burghausen

Der Pegelstand der Salzach erreichte mit 8,98 Meter (Montag, 2 Uhr) seinen Höchststand. Nachdem die 9,23 Meter hohe Hochwassermauer hielt, ging das Hochwasser zwar nicht spurlos an der Stadt vorbei, eine Katastrophe konnte aber verhindert werden.  Bereits am Sonntag wurde der Wöhrseeabfluss gestoppt. Am Montag war noch die alte Brücke gesperrt. Die Tiefgarage am Stadtplatz wurde rechtzeitig geräumt, die Stadt alarmierte die Altstadtbewohner noch rechtzeitig. Nun beginnen die Aufräumarbeiten: Straßen und Gewege müssen von Schlamm befreit werden.

Mühldorf Stadt und Land

Rund 700 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, BRK und Katastrophenschutz waren im Landkreis im Einsatz. 34.000 Sandsäcke kamen zum Einsatz.  Zahlreiche Keller mussten in der Stadt Mühldorf ausgepumpt werden, zahlreiche Hochwasserschutzmaßnahmen verhinderten insgesamt aber Schlimmeres. Am Montag begannen die ersten Aufräumarbeiten. Am Freidhofsberg rutschte ein Teil eines Gehsteigs ab, in Altmühldorf rutschte ein Hang ab. Der Inn erreichte einen Höchststand von 7,08 Metern - der zweithöchste Pegelstand aller Zeiten (nach 2005). In Neumarkt St. Veit drang am Sonntag Wasser ins Klärwerk, der Maschinenraum stand schließlich komplett unter Wasser, die Anlage musste abgestellt werden. Die Maschinen überstanden das Hochwasser doch beinahe schadlos, am Montagmorgen konnte das Klärwerk wieder in Betrieb genommen worden. In Jettenbach am Innufer gefährdeten Schlammmassen mehrere Anwesen. Es gab zudem mehrere überflutete Keller. In Kraiburg mussten mehrere Häuser gesichert werden.

rr/OVB-Heimatzeitungen/Pressemitteilung Landkreis Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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