Brand in Stallung des Attler Hofs

"Ich habe die Tiere schreien gehört"

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Nach dem Brand einer Stallung des Attler Hofs wird das Ausmaß deutlich. Die Stiftung Attl ist sehr betroffen.
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    Regina Mittermair
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Wasserburg - Der Brand eines großen Stalls des Attler Hofs (Stiftung Attl) hinterlässt ein Trümmerfeld. Mitarbeiter, Bewohner und auch die Einsatzkräfte zeigen sich sehr betroffen.

Das Idyll ist zerstört. Gleich neben dem Gehege der Esel ist das Ausmaß des Brandes von allen Seiten zu sehen. Dort wo eigentlich viele Mitarbeiter der Stiftung Attl jeden Tag Zeit bei den Tieren des Attler Hofs verbringen, ist seit dem Stall-Brand in der Nacht nichts mehr so, wie es einmal war: "Ich habe die Tiere schreien gehört, jetzt sind sie gegangen, das ist alles so schlimm", erzählt ein Bewohner der Stiftung Attl, der hier für die Hühner zuständig ist.

Der 65 Meter breite und 20 Meter lange Stall war die Heimat für rund 80 Tiere. Überwiegend Rinder waren hier in dem Stall einquartiert, einige Schweine ebenfalls. Nur knapp zehn Tiere haben den Brand überlebt, sie wurden in der Nacht noch eingefangen. Zwei umherirrende Tiere - darunter ein brennender Stier - mussten geschossen werden, zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass sie möglicherweise auf die nahegelegene B15 rennen.

Ausmaß nach Brand von Stall der Stiftung Attl

Die Tiere, die gerettet werden konnten, kamen in umliegende Höfe. "Hier in der Region helfen alle sehr gut zusammen, ich danke jedem Helfer sehr herzlich", kommt es Stiftungsvorstand Friedrich Seipel über die Lippen.

Ein Feuerwehrmann aus Edling wurde bei dem Versuch, einen Stier zu retten, von diesem gerammt. Er liegt verletzt im Krankenhaus. Nach Informationen von vor Ort ist der Mann außer Lebensgefahr.

"Für uns alle ist es eine schlimme Sache, die Mitarbeiter und Bewohner mussten heute auf andere Arbeitsstätten und Werkstätten verteilt werden, denn hier auf dem Hof ist momentan nicht ans Arbeiten zu denken", erklärt Friedrich Seipel gegenüber wasserburg24.de. Auch ihm merkt man sofort an, wie tragisch es für den weiteren Alltag der Stiftung Attl ist, dass der Brand den normalen Alltag der Stiftung Attl kräftig durcheinander bringt. 

Nach nächtlichem Brand - Jetzt wird ausgeräumt

Der Dachstuhl stürzt nach und nach ein, die verkohlten Balken fallen auf das noch lodernde Heu. Der Stall war auch als Lagerplatz für Heu, Stroh und Getreide angelegt, im hinteren Bereich waren die Tiere untergebracht. Verendete Tiere konnten noch nicht alle geborgen werden, liegen auf dem Areal und im Stall.

Ganz dicht am Gebäude befanden sich landwirtschaftliche Maschinen, die ebenfalls Feuer fingen. Auch Heizöl scheint in der Nähe des Brandherdes in einem Behälter gelagert worden zu sein. Diesel lief von den abgestellten Traktoren Richtung zweiter Lagerhalle, ein Übergreifen der Flammen auf das weitere Gebäude, das im hinteren Bereich auch bewohnt ist, konnte verhindert werden.

Großer Schaden - tiefe Bestürzung

Der Schaden geht weit über die 1,5 Millionen Euro Grenze hinaus, der emotionale Schock sitzt bei den Betroffenen tief. Insgesamt waren gut 100 Feuerwehrler aus der Umgebung im Einsatz. Neben Attel/Reitmehring auch Edling, Ramerberg, Steppach, Wasserburg sowie Haag. "Es wurde Großalarm gegeben, und wir haben darauf vorbereitet sein wollen, wenn wir eine zweite Drehleiter brauchen, darum kam auch Haag zu uns", erklärt Kreisbrandinspektor Georg Wimmer.

Mehrere Stunden dauerten die Löscharbeiten in der Nacht, nun droht das noch stehende Gerüst des Gebäudes einzustürzen. Zudem lodert das Heu noch immer, es muss von einer Firma geräumt werden, danach wird der Gebäuderest abgerissen.

"Es ist auch für die Einsatzkräfte nie leicht, wenn Lebewesen bei einem Brand zu Schaden kommen", heißt es vom Kreisbrandinspektor auf Nachfrage. Doch das Kriseninterventionsteam sei am Vormittag vor allem für die Mitarbeiter und Bewohner geordert worden, die hier wahrlich ihren Arbeitsplatz wegbrennen sahen.

Pfarrer sind vor Ort

Eigentlich hätten heute zahlreiche Schüler der Stiftung Attl einen Erntedankgottesdienst gefeiert. Doch das Thema wurde der Situation angepasst. "Die Kinder und Jugendlichen müssen das verarbeiten, vor allem beschäftigt sie der Feuertod der Tiere", erklärt der evangelische Pfarrer Holger Möller aus Wasserburg. Gemeinsam mit dem katholischen Kollegen aus Attel, Pfarrvikar Franz Finkenzeller, stand er für eine Trauerfeier zur Verfügung. "Es ist wirklich sehr tragisch und alle fragen sich nach dem Warum?", betont Holger Möller.

Brandfahnder im Einsatz

Es gleicht einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Suche nach der Brandursache ist nun Aufgabe der Brandfahnder. Diese sind seit den Vormittagsstunden im Einsatz und sammeln alle möglichen Hinweise, die auf die Brandursache schließen könnten. Erschwert wird die Arbeit durch die Einsturzgefahr des Stalls. "Bis jetzt können wir nichts zur Brandursache sagen", heißt es aus dem Polizeipräsidium.

In den nächsten Tagen können vermutlich die Aufräumarbeiten beginnen. "Es gibt für uns alle viel zu tun, doch so können wir diese Situation am besten verarbeiten, leider gehören auch schlimme Sachen zum Alltag unserer Mitarbeiter und Bewohner", so Friedrich Seipel abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

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