Er soll beim verpacken und vergraben der getöteten Mutter geholfen haben

Freispruch! Zweiter Angeklagter aus Trostberg kommt glimpflich davon

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Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der mutmaßliche Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.
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Traunstein/Altenmarkt - Der Prozess gegen den 21-jährigen Altenmarkter, der seine Mutter ermordet haben soll, wird sich noch hinauszögern - sein Freund, der ihm nach der Tat behilflich war, wurde am Dienstag dagegen freigesprochen.

UPDATE, 14.54 Uhr - Mitangeklagter wird freigesprochen

Dass der 20-jährige Trostberger nicht die Polizei oder den Notarzt rief, als er von der Tötung der Mutter seines Freundes erfuhr, bleibt straffrei. Das Landgericht Traunstein hat am Dienstagnachmittag den Angeklagten vom Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung freigesprochen. Auch, dass er von der schwerstverletzten und mit Plastiksäcken bedeckten Frau zumindest kurz die Beine sah und ein schwer zu definierbares Röcheln hörte, reichte dem Gericht nicht für eine Verurteilung. Etwa anderthalb Stunden zuvor schlug der Hauptangeklagte mit der Spitze eines Zimmererhammers im Haus in Altenmarkt auf den Kopf seiner Mutter ein.

Schon das Motiv des zweiten Angeklagten, dass er sich selbst vor einer subjektiv befürchteten Strafverfolgung bewahren will, spreche für einen Freispruch. Das Gericht beruft sich auch auf den Gerichtsmediziner, nachdem auch ein Notarzt keine wiederbelebenden Maßnahmen mehr in die Wege geleitet hätte: “Der Sterbeprozess bei der Mutter war irreversibel”, so der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann. Ein Erfolg für Verteidiger Michael Fraunhofer, der ebenfalls auf Freispruch plädierte. Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr Haft auf Bewährung. Dass der junge Trostberger seinem Freund danach auch beim Wegbringen und Vergraben der Leiche half, ist strafrechtlich nicht relevant.

“Außerdem verbrachte der Angeklagte eine Nacht in Untersuchungshaft wegen möglicher Beihilfe zum Totschlag. Er hatte zwischenzeitlich also auch das Damoklesschwert der Haft über sich. Wir haben gesehen, dass ihn auch die Hauptverhandlung sehr belastet”, so Klaus Weidmann. Ein moralischer Freispruch sei das aber nicht, so der Richter – selbstverständlich sollte man in solchen und ähnlichen Situationen einen Notarzt rufen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mordprozess gegen den Hauptangeklagten, ein 21-Jähriger aus Altenmarkt, wird sich dagegen noch über längere Zeit hinziehen. Der nächste Prozesstermin ist für den 21. Dezember angesetzt. Es folgen sieben weitere geplante Verhandlungstermine im neuen Jahr, bis am 26. Februar 2019 planmäßig das Urteil fallen soll. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nur einige wenige Pressevertreter sind zugelassen.

UPDATE, 12.55 Uhr - Plädoyer der Verteidigung

"Es war eine Tragödie im Hause des Hauptangeklagten, aber auch für meinen Mandanten”, beginnt Verteidiger Michael Fraunhofer sein Plädoyer. War es unterlassene Hilfeleistung, dass sein Mandant nicht den Notarzt rief, als er ins Haus des Hauptangeklagten kam? 

"Ich habe den Gerichtsmediziner so verstanden, dass die Hammerschläge nicht überlebbar waren", so der Verteidiger. Die Hammerschläge auf die Mutter setzte es schon anderthalb Stunden bevor der zweite Angeklagte überhaupt vom Geschehen erfuhr. Außerdem habe ihn sein Freund bereits an der Haustür mit den Worten “Ich habe sie getötet” empfangen. Der angeklagte 20-Jährige aus Trostberg sei also davon ausgegangen, dass die Frau schon tot gewesen war, auch wenn er noch Geräusche hörte, doch diese konnte er nicht einordnen. Der Verteidiger forderte deshalb einen Freispruch für seinen Mandanten.

Die Staatsanwaltschaft sieht es anders. "Er hat sich dagegen entschieden, den Notarzt zu rufen, wegen Zukunftsängsten und dem Abhängigkeitsverhältnis zum Hauptangeklagten”, ist der Staatsanwaltschaft der Meinung: “Das Leben einer anderen Person war ihm weniger wichtig, als die eigene finanzielle Zukunft.” Von einer Verurteilung wegen Strafvereitelung sieht der Staatsanwalt ab. Wie auch die Jugendgerichtshilfe plädiert er für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht. Es sei positiv, dass der Angeklagte aus Trostberg nicht vorbestraft sei und sich offen vor Gericht äußerte. Eine Haftstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, sei angemessen.

Am Nachmittag wird das Urteil gegen den Mitangeklagten vor dem Traunsteiner Landgericht gesprochen.

Update, 10.15 Uhr: 

In Sachen des zweiten Angeklagten, den Freund des Altenmarkters, könnte es jetzt schnell gehen. Er soll geholfen haben, die Frauenleiche zu verpacken und sie im Wald zu vergraben. Das Gericht hat beschlossen, das Verfahren abzutrennen um gegen den 20-jährigen Trostberger separat ein Urteil sprechen zu können – denn der Prozess gegen den Hauptangeklagten könnte sich noch bis in den Februar hinziehen.

“In diesem Fall sehen wir keinen großen Aufklärungsbedarf mehr, das ist eigentlich entscheidungsreif”, so Klaus Weidmann, Vorsitzender des Traunsteiner Landgerichts: “Es gibt keine Gründe, die beiden Fälle weiterhin verbunden fortzuführen. Der Angeklagte hat sich, im Gegensatz zum Hauptangeklagten, ja umfassend zur Sache geäußert.”

Das heißt, dass noch heute die Plädoyers gegen den 20-Jährigen aus Trostberg gehalten werden. Womöglich wird das Landgericht auch noch ein Urteil sprechen. Der junge Mann ist angeklagt wegen unterlassener Hilfeleistung und Strafvereitelung.

Vorbericht:

Es ist der inzwischen siebte Prozesstag vor dem Traunsteiner Landgericht: Hat ein 21-Jähriger aus Altenmarkt nach einem Streit seine Mutter mit einem Hammer erschlagen, die Leiche verpackt und sie zusammen mit einem Freund in einem Waldstück bei Schnaitsee vergraben? Am Dienstag wird der Prozess um 9 Uhr fortgesetzt

Zuletzt sollte ein psychiatrischer Gutachter den zweiten Angeklagten, 20 Jahre alt und aus Trostberg einschätzen. Der junge Mann, der dem Hauptangeklagten geholfen haben soll. Er wurde als schüchtern, gehemmt und angepasst beschrieben. Zum Hauptangeklagten pflegte er ein unterwürfiges Verhältnis. Die Freundschaft zwischen beiden war überaus eng, außerdem gründeten sie eine gemeinsame Firma. 

Wichtige Zeugenaussagen fehlen noch im Prozess, so zum Beispiel vom Stiefvater des Altenmarkters oder die eines jungen Mannes, mit dem die beiden Angeklagten ihre Modefirma gründeten. Das Urteil hätte eigentlich Mitte November schon fallen sollen, doch der Prozessverlauf verzögerte sich. Weil sich die Terminfindung der prozessbeteiligten Richter, Verteidiger, Gutachter und Anwälte nun schwierig gestaltete, wird mit einem Urteil frühestens Ende Januar 2019 gerechnet. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nur einzelne Reporter sind zugelassen.

Vor Gericht hat sich der 21-jährige Altenmarkter nicht zur Tat geäußert. Gegenüber Ermittlungsrichter und Polizei zeigte er sich nach seiner Festnahme aber sehr offen: Mehrmals gestand er die Tag, er habe "frei von der Leber weg erzählt, wie alles passiert ist", so der Ermittlungsrichter als Zeuge vor dem Traunsteiner Landgericht. Außerdem sagte der Angeklagte zum Ermittlungsrichter, er sei auch heute noch überzeugt, dass es das Beste war, seine Mutter zu töten

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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