21-jähriger Altenmarkter wegen Mordes angeklagt

Gericht rätselt: Was für ein Mensch war die getötete Mutter?

Ein Foto des Hauptangeklagten (21) aus Altenmarkt im Gerichtssaal. Daneben ein Foto seiner Mutter.
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Traunstein/Altenmarkt - Warum tötete ein 21-jähriger Altenmarkter seine Mutter? Am Montag versuchte das Gericht herauszufinden, welcher Mensch sie war - doch es bleibt auch der Verdacht, dass es um Geld ging.

Wie war das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn? Funktionierte die Familie? Was für ein Mensch war die Mutter des Angeklagten? Das waren die Fragen, die das Traunsteiner Landgericht am Montag versuchte zu klären. Geladen waren Zeugen aus dem Umfeld der getöteten Frau – deren Einschätzungen gehen aber durchaus auseinander. 

Bruder der Getöteten bestätigt starke Wesensveränderung

Zwei alte Freundinnen aus Jugendzeiten sagten als Zeuginnen aus. Aber: Sie hatten in den letzten Jahren fast nur noch telefonisch Kontakt zu der Frau: „Als krank habe ich sie nicht empfunden“, so eine alte Freundin der Mutter. Nur nach der Trennung vom Mann habe sie angespannt, teils auch aggressiv gewirkt. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn sei von Beginn an dagegen „gesund und innig“ gewesen. 

Einer weiteren Zeugin gegenüber äußerte die Mutter auch den vermeintlichen Grund für die Trennung vom Mann: Er habe ihren Sohn missbraucht. Auch gegenüber weiteren Zeugen äußerte sie diesen Verdacht – belegen konnte sie ihn aber nie. Fast alle Zeugen sagten außerdem aus, dass die Mutter einen Hang zu Esoterik und Homöopathie hatte. Auch zwei Heilpraktiker, bei denen die Frau in Behandlung war, wurden als Zeugen geladen.

Verdacht bleibt: War Geld das größte Problem zwischen Mutter und Sohn?

„Sie erzählte mir plötzlich, dass sie die Reinkarnation von Maria sei und ihr Sohn vom Jesuskind. Ende 2016 war das. Da wusste ich, jetzt wird es zu viel“ - dieses Urteil fällte dagegen der Bruder der getöteten Frau. Fürsorglich, lebensfroh und engagiert sei sie zuvor gewesen – und etwas esoterisch. Doch seit Anfang 2017 habe sie eine psychische Krankheit entwickelt. Auch die gemeinsame Mutter sei schließlich schizophren gewesen. 

Schon der zweite Angeklagte, der Freund des Altenmarkters, der beim Verscharren der Leiche half, meinte, dass sich die Frau zuletzt stark zum Negativen hin verändert habe. Aber: Zwischen Mutter und Sohn soll es auch Streit wegen Geld gegeben haben. Laut des Bruders der Getöteten wollte sie ihrem Sohn wohl kein Geld mehr für seine Geschäftsidee geben. Auch die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Geld der Auslöser für den letztlich tödlichen Streit war. 

Nach der Tat, als die Frau als „vermisst“ galt, besuchte der Zeuge den jungen Mann: „Er sagte mir immer, es wäre ihm lieber, wenn sie nicht zurückkäme...“ 

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Ein Urteil wird für nächste Woche erwartet.

Vorbericht

Was trieb den 21-Jährigen aus Altenmarkt dazu, dass er nach einem Streit mit den Spitzen eines Zimmererhammers mutmaßlich auf seine Mutter einschlug und sie so tötete? Die Leiche soll er später mit Hilfe seines Freundes in einem Waldstück bei Schnaitsee vergraben haben. Kaum einer zweifelt bisher an der Schuld des jungen Mannes. Vor Gericht äußerte er sich nicht zu der Tat im September 2017 - weder gab es ein Geständnis, noch leugnet er es. Am Montag werden vom Traunsteiner Landgericht ab 9 Uhr in erster Linie Zeugen aus dem Umfeld des Hauptangeklagten geladen. 

Was der Prozess bisher zu Tage brachte

Am vergangenen dritten Prozesstag berichtete ein Polizeibeamter vom Verhör des Altenmarkters: Dort soll er seine Mutter als "Monster" bezeichnet haben. In einem SMS soll der Altenmarkter außerdem nur einen Tag vor der Tat geschrieben haben: "Es ist grauenhaft mit dieser psychisch Gestörten. Ich kann für nichts mehr garantieren." Laut Staatsanwaltschaft soll es im Streit mit der Mutter, der dann in den tödlichen Attacken endete, um Geld gegangen sein. 

Schwer belastet wurde der Hauptangeklagte aber auch von seinem 20-jährigen Freund aus Trostberg. Wegen unterlassener Hilfeleistung und Strafvereitelung ist er ebenfalls angeklagt. Er beschrieb detailliert, wie er im Elternhaus des Altenmarkters half, die tote Frau in Plastiksäcke zu verpacken, wie sie die Leiche im Wald verscharrten und am Tag danach das Blut im Wohnzimmer wegwischten. 

Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.

Am vorigen Prozesstag am Mittwoch wurde außerdem bekannt, dass es der Angeklagte selbst war, der am Tag nach dem mutmaßlichen Mord seine Mutter bei der Polizei als vermisst meldete - und dass er bei der Festnahme durch die Polizei geständig war und den Beamten ganz sachlich schilderte, was passiert war. Erstaunlich war auch die Aussage des Gerichtsmediziners: Dass jemanden in einer Auseinandersetzung die Unterlippe abgebissen wird, so wie es der Altenmarkter bei seiner Mutter tat, habe er noch nie in seiner Berufslaufbahn erlebt. Die Urteilsverkündung war ursprünglich für kommenden Freitag geplant, doch der Termin könnte sich verzögern. 

Der Prozess wird um 9 Uhr fortgesetzt. chiemgau24.de wird aktuell aus dem Gerichtssaal in Traunstein berichten. 

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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