Hornklau im Museum: Nicht nur Bamberg betroffen

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Bamberg - Rätselhafte Nashorn-Diebe suchen neuerdings Museen heim. Unter anderem waren sie am vergangenen Wochenende auch in Bamberg am Werk. Die Polizei hat nun erste Vermutungen.  

Der bislang unbekannte Dieb brach die Vitrine mit dem wertvollen Nasenschmuck nach Polizeiangaben während des laufenden Betriebes auf. Das Horn ist etwa 20 Zentimeter lang und 1,2 Kilogramm schwer. Das Museum bemerkte den Diebstahl erst am Wochenende, als Mitarbeiter die leere Vitrine erblickten, wie eine Museumsmitarbeiterin am Donnerstag sagte.

 Der genaue Zeitpunkt der Tat ist daher unklar. Es könnte schon in der vergangenen Woche geschehen sein, da der Raum nicht regelmäßig überprüft wird. “Bislang haben wir weder Hinweise auf die Täter noch Spuren finden können, die uns weiterbringen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Wertvolle Nashornhörner sind in den vergangenen Tagen aus mehreren deutschen Museen gestohlen worden. Sie sind als Medizin und Potenzmittel vor allem in Asien begehrt. Illegale Händler erzielen auf dem Schwarzmarkt hohe Preise. So stahlen Diebe aus einem kleinen Jagdmuseum im niedersächsischen Kreis Gifhorn am vergangenen Samstag die beiden Hörner eines präparierten Nashorns. Ähnliche Diebstähle gab es kürzlich auch in Hamburg.

 Nashörner stehen unter Schutz, das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES verbietet den Handel mit Produkten geschützter Tiere. “Wir sehen da durchaus Verbindungen. Das sind überregional operierende Täter, die die Hörner einem bestimmten Kundenkreis teuer verkaufen wollen“, sagte der Polizeisprecher im Kreis Gifhorn, Thomas Reuter, am Donnerstag. Den Wert des Diebesgutes aus dem dortigen Jagdmuseum in Oerrel bezifferte Museumsleiter Albert Meyer auf 25.000 Euro. Die Täter, zwei Männer um die 40, verhielten sich dreist: Sie bezahlten Eintritt, brachen die Hörner ab und flüchteten.

In Hamburg nahm die Polizei im Mai zwei Männer fest, weil sie ein Nashorn-Horn kaufen wollten. Die beiden Briten hatten einen Jäger bedrängt, ihnen das seltene Stück zu verkaufen. Die 18 und 35 Jahre alten Männer wollten 25.000 Euro bezahlen. Der Verkäufer rief die Polizei. Sie nahm die Männer an einer Autobahnraststätte fest. Sie hatten mehr als 17.000 Euro dabei. Inzwischen sind sie wieder auf freiem Fuß.

Anfang Juni brachen Unbekannte in das Zoologische Museum der Hansestadt ein - und stahlen dort vier Nashorn-Hörner sowie einen gesamten Oberkiefer mit zwei Hörnern.

Ähnliche Diebstähle meldete auch die britische Zeitung “The Telegraph“ auf ihrer Internetseite. Dort ist die Rede davon, wie Diebe aus dem Haslemere Educational Museum in Surrey den Kopf eines Nashorns stahlen. Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass das Objekt auf Bestellung entwendet wurde, um mit dem kostbaren Horn auf dem lukrativen Markt für chinesische Medizin Geld zu machen. Weiter meldete der Online-Auftritt der Zeitung, im Februar sei ein Nashornkopf aus einem Auktionshaus in Essex gestohlen worden. Vor allem in Asien sind die zu Pulver zermahlenen Hörner als Medikament in der traditionellen chinesischen Medizin gefragt. Zudem gibt es den Aberglauben einer potenzfördernden Wirkung. Diese Annahme macht den illegalen Handel mit dem Horn noch lukrativer.

Allein in Südafrika wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der dortige Nationalparkbehörde 333 Nashörner illegal erlegt, unter ihnen zehn der besonders bedrohten Spitzmaulnashörner. Die Polizei nahm mehr als 160 Wilderer fest. Die Wilderei droht die Erfolge der Naturschützer in den vergangenen Jahrzehnten zunichtezumachen. So leben in Südafrika nach Angaben der Artenschutzorganisation Traffic wieder etwa 21 000 Nashörner, nachdem die Zahl der Tiere vor einem halben Jahrhundert nur noch wenige hundert betragen hatte. Naturschutzbehörden setzen zunehmend auf moderne Technik: So werden in Südafrika Nashörnern GPS-Chips implantiert, um die Tiere besser überwachen zu können.

lby

Rubriklistenbild: © dpa

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