Garching: Bürger sind fassungslos

Garching - Nachdem bekannt wurde, dass sich Pfarrer H. auch in Garching an einem Kind oder Jugendlichen vergriffen haben soll, ist in Garching jetzt eine heftige Diskussion ausgebrochen.

Die Garchinger Bürger sind fassungslos. Das geht aus den zahlreichen Kommentaren zum Artikel "Pfarrer H.: Missbrauch auch in Garching?" hervor. Ein Garchinger Bürger hat jetzt seinem Entsetzen mit einem offenen Brief Ausdruck verliehen.

Auf viel Unverständnis stoßen vor allem die Aussagen von Bürgermeister Wolfgang Reichenwallner. Nachdem der Missbrauchsskandal um Pfarrer H. bekannt wurde, hatte er sich in einem Interview dahingehend geäußert, dass man in Garching nur positive Erfahrungen mit dem Pfarrer gemacht habe. Er sei ein "hervorragender Prediger" gewesen, habe die Kirche gefüllt.

"Es ist für mich unglaublich, wie sich der Garchinger Bürgermeister zu diesem Missbrauchsfall zu Wort gemeldet hat", schreibt der Garchinger Bürger, der anonym bleiben möchte, in seinem offenen Brief.

Auch die Aussage Reichenwallners, Pfarrer H. habe sich während seiner Zeit in Garching nichts zu Schulden kommen lassen, stößt auf Unverständnis. Zumal Erzbischof Reinhard Marx den Pfarrer jetzt wegen eines weiteren Missbrauchfalls, der im Jahr 1998 - also zur Zeit, als Pfarrer H. in Garching war - vorgefallen sein soll. 

"So und jetzt lieber Bürgermeister von Garching, sagen Sie noch einmal, dass der liebe Herr H. wieder nach Garching zurückkehren kann, nachdem er auch augenscheinlich hier ein Kind missbraucht hat..." So die Reaktion der Userin "Garchingerin".

Wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern: Garchings Bürgermeister Wolfgang Reichenwallner.

Glaubt man Gerüchten, war schon länger bekannt, dass Pfarrer H. seine Vergangenheit in Garching nicht hinter sich gelassen hat. "Was ist denn mit den ganzen Gerüchten, mit den Aussagen von Kindern, die er auf den Mund geküsst hat und denen er sein häusliches Schlafzimmer gezeigt hat usw.? Und jetzt gibt es schon wieder Stimmen aus Garching, die sagen: `Ja mei, das Schlafzimmer gehört halt dazu, wenn der Pfarrer den Kindern zeigt, wie er lebt.´ – Ich finde, das gehört definitiv nicht dazu!" So heißt es in dem offenen Brief des Garchingers. User "huiproj" meint: "Hat es nicht eindeutige Hinweise genug in Garching gegeben? Zum Beispiel eine Garchinger Mutter, die meldete, dass Pfarrer H. ihren Sohn mit nach Hause nahm und ihm das Schlafzimmer zeigen wollte, als Reaktion darauf von Lehrer T. beschimpft wurde, sie möge keine solchen Gerüchte streuen, sonst passiere was."

Auch hinter dem positiven Wirken des Pfarrers in der Gemeinde habe laut eines Users nichts Gutes gesteckt. So meint "ExMinistrant": "Klar, er mag nach außen hin gute Arbeit geleistet haben. Manch einem Kirchengänger mag es imponiert haben, dass 100 Ministranten an Weihnachten eingeteilt waren. Aber wenn man weiß, wie diese `rektrutiert´ wurden, dann sieht man alles in anderen Augen. Man kam dem Druck kaum aus. In der 3.ten Klasse war er Religionslehrer und nach der 3.ten Klasse waren 50% der Schüler Ministranten. Er hat einen furchtbaren Druck ausgeübt und bei den Kindern Angst geschürt."

Viele Garchinger sind jetzt enttäuscht von ihrem Bürgermeister, fordern sogar den Rücktritt. Wolfgang Reichenwallner selbst wollte sich bisher nicht zu den Vorwürfen äußern.

Lesen Sie hier den kompletten offenen Brief des Garchinger Bürgers:

Offener Brief

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa/re

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