Urteil zur Tat im Traunsteiner Gefängnis gefallen

"Hinterhältiges Vorgehen": Lange Haftstrafe für Messerstich in den Kopf

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Das Gefängnis in Traunstein an der Rosenheimer Straße (Archivbild).
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Traunstein - Zu einer förmlichen Gewaltexplosion kam es im Oktober 2018 in der JVA Traunstein. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung wurde ein Asylbewerber aus Marokko vom Landgericht Traunstein zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Update, 11.06 Uhr: Richter: Auf das "erstbeste Opfer eingestochen"

Das Urteil ist gefallen: Wegen eines Messerstichs in den Hinterkopf eines Mitgefangenen muss ein 22-jähriger Marokkaner für zehn Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Die Tat ereignete sich am 12. Oktober 2018 in der JVA Traunstein.

"Ohne Vorwarnung" habe der Angeklagte zugestochen, so der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. Das Traunsteiner Landgericht hat den Mann wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Eine nachträgliche Sicherungsverwahrung behält sich das Gericht vor.

In den Augen des Gerichts war der Geschädigte "vollkommen wehrlos" als der Angeklagte plötzlich von hinten an ihn herantrat und ihm das Messer in den Kopf rammte. Die Mithäftlinge saßen beim Kartenspielen an einem Tisch. Richter Fuchs spricht von einer "hinterhältigen und heimlichen Vorgehensweise". Bei dem Messerangriff wurde der Schädelknochen des Geschädigten bis zur Hälfte durchtrennt.

Vor der Tat las der Angeklagte in der Zelle Briefe, die ihn wohl aufbrachten: Wegen der "aufgestauten Wut" habe der 22-Jährige auf das "erstbeste Opfer eingestochen", so das Gericht in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, binnen einer Woche kann Einspruch dagegen eingelegt werden.

Update, 10.06 Uhr: Verteidiger fordert zehn Jahre und vier Monate

Ein Messerangriff in der Haftzelle wie aus dem Nichts: Wegen dieser Tat am 12. Oktober 2018 im Traunsteiner Gefängnis wird heute das Urteil gegen einen 22-jährigen Marokkaner gesprochen. Er soll das Messer völlig unvermittelt in den Hinterkopf eines Mitgefangenen gerammt haben. Der Mann konnte die Attacke überleben.

Staatsanwalt Markus Andrä fordert in seinem Plädoyer elf Jahre Haft. "Seit der Angeklagte 2013 in Deutschland angekommen ist, hat er durchgehend Straftaten begangen und die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder schwere Straftaten begehen wird, ist hoch", so die Staatsanwaltschaft.

In diesem Fall sei die Opferauswahl völlig willkürlich gewesen und der Geschädigte habe sich nicht wehren können. In den Augen von Andrä sind die Taten als versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung zu werten. Die Staatsanwaltschaft fordert außerdem Sicherungsverwahrung für den 22-Jährigen.

Vier Jahre und zehn Monate Haft fordert dagegen Verteidiger Markus Frank: "Wir haben nichts, was auf eine Mordabsicht hindeutet. Es war eher eine Spontantat in einer emotional aufgeladenen Atmosphäre", so der Anwalt. Der Angeklagte las vor der Messerattacke persönliche Briefe, die ihn wohl so aufbrachten, dass er sie zerriss und dann zum Messer griff.

"Es war auch kein Mordversuch, weil mein Mandant nach dem ersten Stich nicht mehr weiter auf ihn eingestochen hat", so der Verteidiger. Eine abstrakte Lebensgefahr habe für das Opfer zwar bestanden, aber die Verletzungen seien "nicht so gravierend" gewesen.

Die Möglichkeit für letzte Worte lässt der Angeklagte verstreichen - er will sich, wie auch zuvor im Prozess, nicht äußern. Nun warten die Prozessbeteiligten nur noch auf das Urteil.

Vorbericht

"Der Angriff war für uns alle völlig überraschend", berichtete ein Mithäftling am ersten Prozesstag vor Gericht. Am 12. Oktober 2018 soll der Angeklagte, ein 22-Jähriger Marokkaner, in einer Gemeinschaftszelle der JVA Traunstein völlig unvermittelt mit einem Messer in den Kopf eines anderen Gefangenen gestochen haben. Der Prozess vor dem Landgericht wird am Montag ab 9 Uhr fortgesetzt. 

Der Schädelknochen des Opfers sei bis zur Hälfte durchdrungen worden. Durch die Wucht habe sich die neun Zentimeter lange Klinge nach dem Stich um 45 Grad verbogen. Eine akute Lebensgefahr hat laut Gerichtsmediziner für den Mithäftling nicht bestanden, aber "der Ausgang war dem Zufall geschuldet." Angeklagt ist der Marokkaner wegen versuchten Mordes. 

Der Angeklagte ist bereits elffach vorbestraft. Der Gutachter fällte ein vernichtendes Urteil über den jungen Mann. Er sprach von einer "desolaten persönlichen Entwicklung" beim Angeklagten: Er hat keine Lehre, kann kaum schreiben und lesen, hat keine persönlichen Bindungen mehr ins Heimatland und zur Ex-Partnerin und dem gemeinsamen Kind besteht ein gerichtlich verhängtes Kontaktverbot. 

Am Montag werden vor dem Traunsteiner Landgericht noch die Plädoyers gehalten, dann soll ein Urteil fallen. 

chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Gerichtssaal.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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