Veolia: Der "Meridian" wird weiß-blau

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Mehr Tempo, mehr Komfort, mehr Service: Ab 2013 sollen auf der Bahnstrecke Salzburg-Traunstein-RosenheimMünchen stündlich schnelle Expresszüge fahren. Mit bis zu 160 km/h und einer Nonstop-Fahrt von Rosenheim nach München Ost verkürzen sich die Fahrzeiten aus dem Chiemgau und in die Landeshauptstadt um bis zu zehn Minuten.

Rosenheim/Landkreis - Neuer Name, neuer Betreiber, neue Farben: Ende 2013 beginnt für den Bahnverkehr im südlichen Oberbayern ein neues Zeitalter.

Der französische Konzern Veolia, der im Wettbewerb um das lukrative Schienennetz rund um Rosenheim die Deutsche Bahn ausgestochen hat, geht dabei mit einer neuen Marke an den Start. Die neuen Züge heißen "Meridian" und werden weiß-blau lackiert. Heute unterzeichnen Veolia und der Freistaat Bayern in Rosenheim die Verträge.

Die Züge sind noch nicht gebaut, aber der Markenname steht schon fest: Unter dem Oberbegriff "Meridian" sollen in zwei Jahren neue Triebzüge zwischen München, Rosenheim, Holzkirchen, Kufstein und Salzburg rollen. Der Begriff ist mit Bedacht gewählt. "Wir wollten weg von dem bei der DB gebräuchlichen Express-Begriff", sagt Heino Seeger. Der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, die ebenfalls zum Veolia-Konzern gehört, ist mit dem Aufbau des "Meridian"-Netzes betraut worden.

35 neue Züge für 200 Millionen Euro

In der ersten Betriebsstufe soll "Meridian" etwa 4,8 Millionen Zugkilometer im Jahr umfassen. Veolia kauft dafür insgesamt 35 neue Züge des Typs "Flirt" bei dem Hersteller Stadler Pankow GmbH - für etwa 200 Millionen Euro. Veolia hat mit Bedacht keinen der großen Konzerne wie Bombadier oder Alstom gewählt, sondern einen kleineren Hersteller, der Erfahrung mit Regionalzugverkehr besitzt - die "Flirt"-Züge gibt es beispielsweise schon in der Schweiz und in Südtirol.

Die Züge sollen nicht wie bei der Deutschen Bahn rot, sondern weiß-blau lackiert sein. 28 der Züge sind sechs-teilig und 107 Meter lang, sieben sind Drei-Teiler. Im Berufsverkehr sollen zwischen München und Salzburg auch drei aneinander gekoppelte Sechs-Teiler fahren - mit dann 999 Sitzplätzen. Die Triebzüge haben auch 1.-Klasse-Bereiche, für Dauer-Kunden soll es die Möglichkeit einer Sitzplatzreservierung geben.

"Flirt" - das steht für "Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug". Flink soll der bis zu 160 km/h schnelle Triebzug in der Tat sein. Wenn es nach Seeger geht, sollen die Züge die Strecke zwischen München-Ost und Salzburg in 1:50 Stunden bewältigen und dabei zwischen Rosenheim und Salzburg auch noch überall halten. Damit wäre man um bis zu eine Viertelstunde schneller als beim heutigen vergleichbaren Angebot der DB.

Das Meridian-Konzept basiert auf drei Achsen, die imBerufsverkehr halbstündlich (sonst stündlich) bedient werden sollen. Die Züge München-Rosenheim-Salzburg soll dabei zwischen Rosenheim und München-Ost ohne Halt fahren; Fahrgäste, die aus Salzburg oder Traunstein kommen und nach Grafing oder Großkarolinenfeld wollen, müssen in Rosenheim umsteigen. Und zwar in den Zug aus Kufstein, der zwischen Rosenheim und München-Ost überall hält. Durch dieses Konzept wird die schnelle Verbindung auf der Hauptachse zwischen Salzburg und München gewährleistet, betont Seeger.

Als "Herausforderung" stuft Seeger die dritte Achse ein: den Zugverkehr auf der Mangfalltal-Bahn zwischen Rosenheim und Holzkirchen. Die Strecke ist großteils eingleisig. Es könne zu "Trassenkonflikten" kommen. "Mehr Überholgleise wären wünschenswert", bekennt Seeger. Doch das liege nicht in der Hand von Veolia, sondern von DB Netz.

20.000 Reisende pro Tag

Im April 2010 hatte der Freistaat europaweit das Wettbewerbsprojekt "E-Netz Rosenheim" ausgeschrieben. Es ging um eines der attraktivsten Gebiete Bayerns. Im Chiemgau, dem Mangfall- und Inntal sowie dem Ballungsraum entlang der Bahnlinie zwischen Rosenheim und Feldkirchen-Westerham sorgen Touristen und Pendler gleichermaßen dafür, dass die Waggons voll sind.

Kein Wunder also, dass Rosenheim mit 20.000 Reisenden am Tag zu den sieben größten Bahnhöfen Bayerns gehört. Aus der Stadt und dem Landkreis pendeln täglich 13.000 Menschen nach München - die meisten von ihnen mit der Bahn. So sind die Fahrgastzahlen zwischen Rosenheim und München in den letzten Jahren um ein gutes Drittel gestiegen.

Abgewickelt wurde das Vergabeverfahren für das sogenannte E-Netz Rosenheim von der BEG, der Bayerischen Eisenbahn. Die BEG, 1995 vom Freistaat gegründet, plant und bestellt für das Bayerische Wirtschaftsministerium den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Bayern. Dass die BEG im Dezember 2010 die Deutsche Bahn leer ausgehen ließ und die Strecken für eine Vertragslaufzeit von zunächst zwölf Jahren an den französischen Konzern-Riesen Veolia (der deutsche Sitz das Unternehmens ist in Berlin) vergab, ließ in der Branche aufhorchen und kam für viele überraschend. Erstmals wird damit ab 2013 nicht mehr die DB Regio den Personennahverkehr auf der Schiene zwischen München, Salzburg und Kufstein betreiben.

Neben den Zügen muss Veolia auch eine eigene Logistik aufbauen: In Rosenheim entsteht ein Kunden-Center. Auf dem Gelände der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Giesing, wo die MVG ihre Straßenbahnen wartet, soll eine Werkstätte für die "Flirt"-Züge aufgebaut werden.

Veolia will Lokführer der Deutschen Bahn

Die bisher bei der DB auf der Rosenheimer Strecke fahrenden Lokführer will Veolia abwerben - zu fairen Konditionen, wie Seeger betont. "Nur an eine neue Dienstkleidung müssen sie sich gewöhnen."

Aus dem Archiv:

Dirk Walter und Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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