Bekommt Marktschellenberg ein Chalet-Dorf?

Exklusiv-Interview: "Ich möchte ein Teil von Marktschellenberg werden"

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Marktschellenberg - Bekommt Marktschellenberg sein Chalet-Dorf oder nicht? BGLand24.de hatte die Chance zu einem Exklusiv-Interview mit Andreas Walker, dem Stuttgarter Hotelier, der das Dorf plant:

Zehn Luxus-Chalets, eine 5-Sterne-Wellness-Anlage und ein Gastronomiebereich - so soll das Chaletdorf nach dem Wunsch von dem Stuttgarter Hotelier Andreas Walker ausschauen, dass er gerne in Marktschellenberg errichten möchte. 

Auf der vergangenen Marktgemeinderatssitzung wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Während ein Teil der Bevölkerung und der Bund Naturschutz bereits Widerstand angekündigt haben, sehen aber auch viele Einwohner das Projekt als Chance für den Tourismus im Talkessel und Marktschellenberg.

BGLand24.de hat den sympathischen Stuttgarter zu einem Exklusiv-Interview getroffen.

Interview mit Andreas Walker 

Herr Walker, worum geht es überhaupt in diesem Chaletdorf? Was planen Sie genau?

Ich möchte gerne zehn Luxus-Chalets bauen, alle im 5-Sterne-Segment. Dazu ein großzügiger ansprechender Wellness und ein Restaurant, in dem die Gäste Frühstücken und Abendessen können. 

Das zehnte Chalet wird das höchstgelegenste Chalet sein und etwas ganz Besonderes werden. Dieses soll einen eigenen kleinen Wellnessbereich mit Sauna und Whirlpool bekommen.

Warum Marktschellenberg?
Ich verbringe seit Jahren sehr gerne meinen Urlaub im Berchtesgadener Land und ich denke, dass so eine Anlage nicht nur sehr gut herpassen würde, sondern auch dem Ort gut tun würde. 

Aufgrund der Nähe zu Salzburg haben wir sehr gute Chancen mit den Salzburger Festspielen zusammenzuarbeiten und vielleicht sogar den ein oder anderen prominenten Gast mit dem 5-Sterne-Angebot anzulocken.

Außerdem ist Marktschellenberg für mich etwas ganz Besonderes. Wenn man unten im Café sitzt und auf die Berge schaut, dann fühlt man sich einfach wohl. Die Nähe zum Untersberg, der Flusslauf, die historischen Gebäude - die Umgebung und die Lage sind sensationell. 

Wie genau dürfen wir uns die Chalets vorstellen?

Alle sollen eine Grundfläche von circa 48-50m² haben und von außen Ähnlichkeit mit einem typischen Berchtesgadener Kaser haben und den Eindruck erwecken als ob sie immer schon dagewesen wären. 

Das Erdgeschoss wird gemauert und der erste  Stock besteht aus Holz. Im Erdgeschoss plane ich ein großzügiges Wohnzimmer, mit offenem Kamin und einer gemütlichen Wohlfühl-Oase. Im ersten Stock befinden sich dann die Schlafzimmer.

Die Chalets werden nicht im Schachbrettmuster aufgestellt werden, sondern sollen sich so in die Landschaft integrieren, wie die Natur es vorgibt. Also ob sie genau wie die ganzen Kaser die hier eh schon stehen, schon immer dagewesen wären.

Was wird es sonst noch geben?

Es wird noch einen Wellnessbereich geben und ein Restaurant, da ich gerne meinen Gästen Halbpension anbieten möchte. Außerdem würde ich gerne die Quelle, die sich auf dem Grundstück befinden in einen kleinen Bachlauf umleiten und so durch den Ort sich schlängeln lassen. Idealerweise sollte der denn in einem Naturteich enden, in dem man auch baden kann.

Der Pool im Wellnessbereich soll nach oben offen sein und ein Solebecken haben. Der Rand vom Pool wird so abgeflacht, dass man einen tollen Bergblick hat, wenn man im Pool liegt und gen Berge schaut. Im ganzen Gelände liegt der Fokus auf sehr viel Harmonie und Ruhe. Es soll auch viele Ruheecken geben, zum Beispiel mit Lounge-Sesseln aus Rattan, etc. Einfach zum Abschalten und relaxen.

Ich wünsche mir auch im Dorf und außen rum viel Bergwiese, Schmetterlinge, summende Bienen, einfach alles was bunt blüht und natürlich ist. 

Wie kommen die Gäste zum Dorf?
Ich möchte so wenig Eingriffe wie möglich in die Natur haben. Die gewerblichen Vorschriften, Brandschutz, etc. schreiben vor, dass wir eine Straße mit einer Mindestbreite von 3m haben. 

Die bestehende Straße zum Objekt führt mitten durch zwei bewohnte Grundstücke, die hat allerdings nur eine Breite von rund zwei Metern. Um diese Anwohner nicht mit dem Verkehr zu belasten, haben wir die Möglichkeit eine Straße außerhalb dieser bestehenden Grundstücke eine Straße zu bauen, damit die Anwohner so wenig wie möglich belastet werden.

Was geschieht mit den Fahrzeugen der Gäste?

Im Bereich der Rezeption soll ein Carport entstehen, in dem die Gäste ihr Auto stehen lassen. Durch die Hanglage kann man diesen in den Berg integrieren, sodass dieser kaum auffällt. Im Dorf wird es keinen Autoverkehr geben. Die Gäste können einchecken, ausladen und werden dann in ihre Chalet gebracht. Im Dorf soll es kleine schmale Wege zwischen den Chalets und dem Wellnessbereich geben und rundherum alles schön grün sein und blühen. Ich stelle mir eine riesige natürliche Almwiese vor, auf der es 

Ist es wahr, dass Sie nicht bloß aus der Ferne agieren wollen, sondern Ihren Lebensmittelpunkt hierhin verlegen möchten?

Ja, das stimmt. Sobald das Projekt angelaufen ist, werde meine Partnerin und ich zusammen mit meiner Mutter hier nach Marktschellenberg umziehen. Als gelernter Koch werde ich sicherlich zu Beginn auch viel mit in der Gastronomie tätig sein, während meine Partnerin sich hauptsächlich um das Büro kümmern wird. 

Und meine Mutter wird uns sicherlich mit ihrer langen Hotellerie-Erfahrung auch den ein oder anderen wertvollen Tipp geben können, ansonsten aber ihre wohlverdiente Rente genießen. Ich wünsche mir, dass meine Kinder hier in Marktschellenberg aufwachsen und sich wohlfühlen. Ich möchte hier keine Gegenströmung oder mich privat unwohl fühlen. Ich bin kein Investor, der nur auf die Rendite schaut und ab und an mal vorbeischaut, ich möchte ein Teil von Marktschellenberg werden.

Thema Gastronomie - Ist es richtig, dass die Gastronomie nur für die Gäste ist?
Ja, das stimmt. Falls der Wunsch in der Bevölkerung entsteht, kann ich mir gut vorstellen, dieses eventuell auch zu erweitern, wenn alles so klappt, wie wir uns das vorstellen oder wir zumindest an einem bestimmten Tag öffnen oder eine Art Eventabend veranstalten, der dann öffentlich sein wird.

Thema sanfter Tourismus, Solarenergie, etc.?

An dem Thema Solarenergie arbeiten wir gerade, idealerweise wäre natürlich, wenn wir auch die Heizungsanlage über Solarenergie laufen lassen könnten. Das wird alles gerade architektonisch und planerisch bearbeitet. 

Was hat die Bevölkerung von den Chalets?

Ich wünsche mir viel Kooperation mit der Bevölkerung, plane Arbeitsplätze für circa zehn Personen und wenn möglich auch zwei oder drei Auszubildende. Ich habe bereits Gespräche mit Landwirten aus der näheren Umgebung geführt, um deren Produkte abzunehmen, gemeinsame Veranstaltungen zu machen, wie zum "Kinder auf dem Bauernhof", "Heimatabende", etc. Außerdem hoffe ich, dass dadurch vielleicht auch das ein oder andere Geschäft wieder entsteht und das gastronomische Angebot wieder mehr Leben im Ort entstehen lässt. 

Sollte sich jemand entschließen wieder einen Lebensmittelladen zu eröffnen, dann würde ich hier eine Zusammenarbeit sehr begrüßen, um mit einer bestimmten Abnahmemenge die Existenz zu sichern. Dazu gehören auch Bäcker, Metzger, Jäger, etc. Ich möchte meine Waren so viel wie möglich hier aus der Region beziehen.

Ich werde pro Woche alleine fürs Frühstück rund 200 Eier brauchen. Plus Kuchen, Mehlspeisen. Dazukommen bei Vollbelegung täglich um die 80-100 Semmeln, Croissants, etc. das möchte ich nicht alles selber backen.

Genauso werden jede Menge Handwerker gebraucht. Sowohl in der Bauphase, als auch im laufenden Betrieb. Ich möchte für Marktschellenberg etwas bewegen, denn davon profitiere ich ja auch wieder. Im Prinzip ist das für alle eine Win-Win-Situation.

Wenn Bürger und Gemeinderat grünes Licht geben, wann geht es los?

Wenn alles geprüft und genehmigt ist und schnell geht, dann brauchen wir für all diese Auslegungen rund ein halbes Jahr, bevor wir in die nächste Phase gehen können.

Ihre Vorstellung für die Bürgerversammlung am 7. Oktober?

Ich werde auf jede Frage eingehen, denn ich wünsche mir einen Dialog mit den Bürgern. Und sobald das Bauprojekt hier startet, werde ich mein komplettes Lebensumfeld hier nach Marktschellenberg verlegen. Ich bin kein unbekannter Investor, der aus der Ferne waltet und schaltet. Ich möchte hier leben, etwas aufbauen und verwirklichen.

Die Bürgerversammlung findet am Mittwoch 4. Oktober 2017 im Versammlungssaal der Feuerwehr Marktschellenberg statt. BGLand24.de berichtet im Anschluss.

Quelle: BGland24.de

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