Mühldorf

Marktlücke: Mädchen als Techniker

Das Interesse von Mädchen an technischen Berufen sollte der gestrige "Girls Day" wecken. Deshalb verließen 186 Mädchen aus Haupt- und Realschulen und den Gymnasien im Landkreis ihre Klassenzimmer und lernten sich in Schlossereien, Prüfzentren oder Polizeiautos.

Vom Metallblock zum Kerzenständer: Melanie Huber fräst mit einer CNC-Maschine, Staatssekretär Huber ist gespannt auf das Ergebnis. Fotos: hon

Die Motivation der Mädchen, am gestrigen Tag den Schreibtisch mit der Werkbank zu tauschen, war unterschiedlich. Vor allem ältere wollten sich über mögliche Berufe informieren, bei jüngeren war es oft die Neugier auf einen Tag im Arbeitsleben.

Besucherrekord bei ODU: 60 Mädchen erhielten Einblick in die Tätigkeit der Werkzeugmacherin, Technischen Zeichnerin oder Verfahrensmechanikerin. Meist von Männern wie Laborleiter Andreas Spirkl, denn in technischen Berufen sind Männer in allen Betrieben deutlich in der Überzahl.

186 Mädchen nahmen die Gelegenheit wahr, in 23 Betrieben und Einrichtungen im Landkreis Einblicke in technische Berufe zu sammeln, wie Jutta Müller von der Arbeitsagentur erklärte. "Wir wollen den Mädchen ein Berufsspektrum eröffnen, dass nicht nur Friseuse und Bürokauffrau umfasst."

Diese Meinung teilt der prominenteste Gast beim "Girls Day" - natürlich ein Mann. Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber informierte sich im Berufsbildungszentrums (BTZ) der Handwerkskammer. Von den 350 Ausbildungsberufen in Deutschland nähmen 53 Prozent der Mädchen nur zehn Prozent wahr, sagte Huber. Besonders deutlich werde das bei Ingenieurberufen. In Deutschland fehlten derzeit 60000 Ingenieure. Für ihn spielt das Kennenlernen der Berufswelt eine wichtige Rolle: "Der Übergang von der Schule zum Berufseinstieg ist entscheidend für die Gesellschaft und die Volkswirtschaft." Um zu verhindern, dass Jugendliche auf diesem Weg verloren gingen, gelte es in allen Schultypen frühzeitig "das Interesse und die Lust" an Berufen zu wecken.

Warum springt der Motor nicht an? Lena, Sabrina und Luisa schauen Lehrling Klaus Salfer (links) beim Glühkerzenwechsel zu. Damit der Kunde der Firma Schreiner und Wöllenstein ein intaktes Auto bekommt, überwacht Elektriker Michael Huber die Arbeiten.

Deshalb engagieren sich Firmen wie der Mühldorfer Mercedeshändler Schreiner-Wöllenstein zum sechsten Mal beim "Girls Day", eine weibliche Mechatronikerin ist dabei aber noch nicht herausgesprungen. Nach Ansicht von Logistikleiter Heinz Hadersbeck sind Mädchen zu stark auf klassische Frauen-Berufe konzentriert. Auch ODU suchte jahrelang nach der ersten Werkzeugmacherin, sie erhielt nach dem Abschluss der Ausbildung sogar eine Prämie. Gestern wollten 60 Mädchen bei der Mühldorfer Firma wissen, was Mädchen in technischen Berufen leisten können. hon

Quelle: rosenheim24.de

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