Männer gesucht: Experte fordert Studienreformen

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Männer gesucht: männliche Lehrer in den Klassenzimmern wären wichtig.

Nürnberg - Grundschullehrerin ist zum klassischen Frauenberuf geworden. Dabei wären männliche Lehrer in den Klassenzimmern wichtig, betont ein Wissenschaftler. Studienreformen könnten Abhilfe schaffen:

Mit einer Reform des Studiums müssten nach Ansicht des Erlanger Wissenschaftlers Axel Schenz wieder mehr junge Männer für das Grundschullehramt begeistert werden. Mittlerweile sei das Lehramt an der Grundschule zum klassischen Frauenberuf geworden - ähnlich wie Erzieherin oder Krankenschwester, sagte Schenz der Nachrichtenagentur dpa. Die Bezahlung sei verhältnismäßig gering, das soziale Ansehen schwach. “Ein Modell wie etwa ein “Master of Education“ als Studienabschluss ließe das Ansehen des Berufs aber sicher steigen“, ist Schenz überzeugt. Der Pädagoge gelte dann als Experte, der Eltern und Kinder gut beraten und begleiten könne.

Schenz warb dafür, die unterschiedlichen Lehramtsstudiengänge nicht mehr strikt zu trennen. “Ein Wechsel zwischen den Schulformen ist im Studium nicht allzu einfach. Das ist von Anfang an klar getrennt.“

Das Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (ZfL) der Universität Erlangen-Nürnberg möchte am sogenannten Boy's Day an diesem Donnerstag (14. April) männliche Abiturienten für das Unterrichten an einer Grundschule interessieren. Sie sollen den Berufsalltag eines Grund- oder Hauptschullehrers kennenlernen.

Nach Angaben des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) liegt der Frauenanteil in den Grundschul-Lehrerzimmern im Freistaat bei 86 Prozent.

Dass Grundschullehrerin als Frauenberuf gilt, habe sich erst in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt, sagt Schenz. “Früher war das anders: Der Bürgermeister, der Polizist, der Pfarrer und der Lehrer waren in einem Dorf die wichtigsten Persönlichkeiten - egal, wie viel sie verdient haben.“ Denn schon damals sei das Volksschullehrergehalt alles andere als üppig gewesen: “Man bekam nur einen Hungerlohn.“

Mittlerweile stehe aber das Gehalt oft in direktem Zusammenhang mit dem Ansehen des Berufs. Und ein Grundschullehrer verdiene nun einmal weniger als ein Gymnasial-, Realschul- oder Sonderschullehrer. “Jungs versuchen häufig in dem Beruf Fuß zu fassen, in dem sie mehr verdienen.“ Anders sei das bei Frauen: “Sie sehen oft erst das soziale Engagement und dann das Geld.“ Das sei beispielsweise auch im Bereich der Alten- und Kinderpflege der Fall.

Zwar sei das Entscheidende für einen guten Grundschullehrer nicht das Geschlecht, sondern die pädagogischen Fähigkeiten, so Schenz. Dennoch sollten Kinder auch ein männliches Vorbild haben, “das wäre in der Grundschule sehr wichtig“.

In Bayern gebe es zudem für Grundschullehrer gute Berufsaussichten. Und auch außerhalb der Klassenzimmer biete ein Grundschulpädagogik-Studium gute Chancen, versicherte Schenz: “Viele kommen beispielsweise auf dem Fortbildungssektor erstaunlich gut unter.“

dpa

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