News-Ticker zur Corona-Pandemie

Kritik und Zuspruch für Spahns Forderung von Freiheiten für Geimpfte - Intensivstationen bald an Kapazitätsgrenze?

Gesundheitsminister Spahn bekommt für seine Forderung nach Freiheiten für diejenigen, die geimpft wurden, nicht nur Zuspruch.
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Gesundheitsminister Spahn bekommt für seine Forderung nach Freiheiten für diejenigen, die geimpft wurden, nicht nur Zuspruch.

München/Oberbayern - Das Coronavirus sorgt in der Region, in Bayern, in Deutschland und der Welt nach wie vor für Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Entwicklungen am Ostersonntag, 4. April, im News-Ticker:

Das Wichtigste in Kürze:

  • 7-Tage-Inzidenz: Stadt Rosenheim 103,9, Landkreis Rosenheim 86,5, Landkreis Traunstein 155,1, Landkreis Berchtesgadener Land 101,0, Landkreis Mühldorf 139,8, Landkreis Altötting 145,3 (Quelle/Stand: RKI, 4. April, 0 Uhr)
    Bislang infizierte Personen: Stadt Rosenheim 3299, Landkreis Rosenheim 11.851, Traunstein 8644, Berchtesgadener Land 4937, Mühldorf 5319, Altötting 4635 (Quelle/Stand: RKI, 4. April, 0 Uhr)
    Todesfälle: Stadt Rosenheim 55, Landkreis Rosenheim 434, Traunstein 197, Berchtesgadener Land 98, Mühldorf 134, Altötting 194 (Quelle/Stand: RKI, 4. April, 0 Uhr)
    Mindestens 76.963 Todesfälle in Deutschland (13.312 in Bayern)
  • Corona-Warn-App: www.corona-warn-app.de

Die Fallzahlen im Überblick:

Update, 20.09 Uhr - Gemischte Reaktionen auf Spahns Vorschlag über Freiheiten für Geimpfte

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstützte Spahns Vorstoß in Sachen Zugeständnisse für bereits Geimpfte beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), „weil es sich gezeigt hat, dass Geimpfte sich nur noch selten anstecken und sie wahrscheinlich bei Ansteckung nicht mehr ansteckend für andere sind“. Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Natürlich müssen, wenn die wissenschaftlichen Daten die Unbedenklichkeit bestätigen, Geimpfte alle Rechte wieder in Anspruch nehmen können.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, schrieb auf Twitter: „Wenn feststeht, dass von einem Menschen weder für sich noch für andere eine Gefahr ausgeht, dann hat der Staat kein Recht, seine Freiheit einzuschränken.“ Er sprach von einer schönen „Osteroffenbarung“.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte dagegen, was als „mehr Freiheiten für Geimpfte“ verkauft werde, sei nichts anderes als eine Stigmatisierung derer, die noch nicht geimpft seien oder sich nicht impfen lassen wollten. Alle Grundrechtseinschränkungen müssten aufgehoben werden. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der dpa, Spahn sage nicht, bei welchem Inzidenzwert die dritte Welle vorbei sei. Unklar sei auch, wie sich Geimpfte ausweisen sollten.

Update, 16.44 Uhr - Höchste Zahl an Corona-Patienten auf Intensiv seit rund zwei Monaten

Erstmals seit Anfang Februar liegen in Deutschland wieder mehr als 4000 Corona-Patienten auf der Intensivstation. So wurden am Ostersonntag 4051 Menschen intensivmedizinisch behandelt, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in ihrem täglichen Corona-Bericht schreibt (Stand 4. April 12.15 Uhr). Das sind 133 Patienten mehr als am Vortag. Rund 55 Prozent der Covid-Patienten auf Intensivstation werden invasiv beatmet.

Anfang Januar erreichte die Zahl der Covid-Intensivpatienten einen Höhepunkt mit mehr als 5500 Fällen. Mit dem Abschwellen der zweiten Welle ging diese Zahl deutlich zurück, Anfang März waren es weniger als 3000 Patienten. Mit der steigenden Zahl an Neuinfektionen in der dritten Welle geht auch die Zahl der Intensivpatienten wieder nach oben. Dies geschieht mit Verzögerung, auch weil zwischen einer Infektion und einer Einlieferung ins Krankenhaus einige Zeit vergeht.

Mediziner und Wissenschaftler fordern seit Tagen eindringlich einen harten Lockdown, um die Infektionszahlen zu drücken und dadurch auch den Druck von den Kliniken zu nehmen. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetze, „sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Christian Karagiannidis kürzlich der „Rheinischen Post“. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntagmorgen eine 7-Tage-Inzidenz von 127,0. Damit ist Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche etwas niedriger als noch am Freitag (134,0). Allerdings sind die Corona-Zahlen des RKI über die Ostertage kein verlässlicher Gradmesser für das Infektionsgeschehen, unter anderem weil weniger getestet und weniger gemeldet wird. Die vom RKI registrierten Zahlen fallen dadurch also tendenziell niedriger aus.

Update, 15.33 Uhr - 15 weitere Corona-Fälle im Kreis Altötting bestätigt

Das Landratsamt Altötting teilt in einer Pressemitteilung mit, dass seit der letzten Meldung von Samstag (3. April) 15 neue PCR-bestätigte Corona-Fälle gemeldet wurden. Zwei eingangs positive Schnelltests wurden via PCR-Test bestätigt. Die Gesamtzahl der positiven Testergebnisse steigt damit auf 4632 insgesamt.

Zusätzlich wurden 5 neue positive Schnelltest-Ergebnisse gemeldet, welche nicht in die Zählung eingerechnet wurden. Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz laut RKI liegt bei 145,3.

Update, 14.40 - 27 neue bestätigte Fälle im Landkreis Mühldorf a. Inn

Im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Mühldorf a. Inn gibt es seit der letzten Statusmeldung vom Samstag, 3. April 27 neue bestätigte Corona-Fälle (Stand: 4. April 0 Uhr). Das Gesundheitsamt ermittelt derzeit die Kontaktpersonen und leitet die notwendigen Maßnahmen ein.

Derzeit gibt es im Landkreis Mühldorf a. Inn 335 aktive Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz liegt zum Stichzeitpunkt laut RKI (Stand: 04. April 2021, 3:08 Uhr) bei 139,8.

Update, 13.19 Uhr - Bundesregierung stuft Niederlande als Hochinzidenzgebiet ein

Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen in den Niederlanden stuft die Bundesregierung das Nachbarland nach Ostern als Hochinzidenzgebiet ein. Wer ab Dienstag von dort nach Deutschland einreist, muss einen negativen Corona-Test vorweisen können, wie das Robert Koch-Institut am Sonntag bekanntgab.

Update, 12.59 Uhr - Minister: Stuttgarter „Querdenken“-Demo befördert dritte Corona-Welle

 Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will alles dafür zu tun, dass sich Demonstrationen wie am Samstag in Stuttgart mit Tausenden ohne Maske und Abstand nicht wiederholen.

„Das, was gestern passiert ist, ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich an die Pandemieregeln halten. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Gefährdung und dazu geeignet, die dritte Corona-Welle zu befördern“, sagte Lucha am Sonntag der dpa in Stuttgart. Den Demonstranten sei es nicht um Freiheitsrechte gegangen, sondern darum die demokratische Grundordnung zu stören. In der kommenden Woche werde es Gespräche mit der Stadt geben. „Wir werden die Situation analysieren“, kündigte Lucha an.

Seiner Ansicht nach gibt die derzeit gültige Corona-Verordnung des Landes ein Verbot solcher Massenversammlungen her. Deshalb halte er eine Anpassung der Corona-Verordnung für nicht nötig. Dies hatte Stuttgarts Ordnungsbürgermeister Clemens Maier ins Spiel gebracht. Man werde sich mit der Landesregierung beraten, inwieweit die Corona-Verordnung nach den Erfahrungen in Sachen Versammlungen angepasst werde, sagte Maier am Samstag.

Update, 11.54 Uhr - Stiftung sieht durch Corona Kinder von Obdachlosigkeit bedroht

 Von zu Hause abgehauen oder rausgeflogen: Durch die Corona-Pandemie sind Kinder und Jugendliche nach Beobachtung der Stiftung „Off Road Kids“ verstärkt von Obdachlosigkeit bedroht.

„Wo es brodelt in Familien, kann es im Lockdown zum totalen Zerwürfnis kommen. Das endet dann schon mal mit dem Rausschmiss“, sagt Markus Seidel, Vorstandssprecher der Stiftung. Betroffen seien vor allem Jugendliche und Heranwachsende ab 17 Jahre.

Das vergangene Jahr habe bei der bundesweit tätigen Hilfsorganisation alle traurigen Rekorde gebrochen: „Wir haben 2474 Hilferufe von verzweifelten Straßenkindern und jungen Menschen erhalten, die in Deutschland akut von Obdachlosigkeit bedroht sind. Das waren doppelt so viele wie im Vorjahr“, so Seidel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Weil in Corona-Zeiten keine Streetworker unterwegs sind, versucht die Stiftung, bedrohte Kinder durch das bundesweite Online-Hilfsangebot „sofahopper.de“ zu erreichen.

Update, 10.39 Uhr - Inzidenzen in der Region rückläufig - Lockerungen für den Landkreis Rosenheim?

Die 7-Tage-Inzidenzen in der Region.

Die 7-Tage-Inzidenz in der Region ist am Ostersonntag in allen Landkreisen rückläufig. Das Berchtesgadener Land hat den zweiten Tag in Folge die kritische 100er-Marke überschritten, der Landkreis Rosenheim liegt mit einem Wert von 86,5 zum dritten Mal hintereinander unter der 100.

Das Landratsamt Rosenheim könnte damit eine Lockerung für den Landkreis beschließen, die Ausgangsbeschränkung ab 22 Uhr würde entfallen und ab nächster Woche dürften Geschäfte wieder mit Terminvereinbarung (Click & Meet) öffnen. Außerdem dürften sich wieder zwei Haushalte mit maximal fünf Personen treffen

Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, das RKI warnte bereits, dass über Ostern weniger getestet wird und nicht alle Landratsämter die Zahlen über die Feiertage übermitteln könnten.

Im Landkreis Altötting wurde ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet. Im Landkreis Rosenheim, der Stadt Rosenheim, im Landkreis Mühldorf und im Landkreis Traunstein wurde kein Todesfall gemeldet.

Update, 9.48 Uhr - Seehofer wirbt für einheitliche Corona-Regeln per Bundesgesetz

Die Corona-Regeln in Deutschland sollten nach Ansicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer einheitlich per Bundesgesetz verankert werden.

„Es gibt die große Sehnsucht in der Bevölkerung nach einheitlichen Regeln. Mein Vorschlag ist deshalb, die einheitlichen Regeln durch ein Bundesgesetz festzulegen“, sagte der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“. „Dieses Gesetz sollte genau vorschreiben, welche Schritte bei den jeweiligen Inzidenzwerten unternommen werden müssten - von der Verschärfung bis zur Lockerung.“

Kanzlerin Angela Merkel hatte vor einer Woche in der ARD-Sendung „Anne Will“ einen Teil der Länder dafür kritisiert, dass sie die vereinbarten Beschlüsse gegen die Pandemie nicht umsetzten. Wenn das nicht „in sehr absehbarer Zeit“ geschehe, müsse sie sich überlegen, wie sich das vielleicht auch bundeseinheitlich regeln lasse. „Das ist mein Amtseid, das ist meine Verpflichtung“, sagte Merkel und verwies auch auf das Infektionsschutzgesetz.

Am Karsamstag sagte ein Regierungssprecher der dpa, um die dritte Corona-Welle zu brechen, werde derzeit überlegt, ob und wie der Bund einheitliche Vorgaben zur Eindämmung von Corona machen solle - falls das Vorgehen der Länder nicht ausreiche. „Die Länder haben das ganze Instrumentarium zur Verfügung. Und wir beobachten, dass in vielen Ländern jetzt auch zusätzliche Maßnahmen umgesetzt werden“, hieß es.

Seehofer sagte, ein Bundesgesetz könne in kürzester Zeit beschlossen werden. „Da es wie alle Bundesgesetze durch den Bundestag und den Bundesrat verabschiedet würde, wäre auch größtmögliche Legitimation hergestellt, was die Opposition immer wieder gefordert hat.“

Update, 8.35 Uhr - Spahn: Mehr Freiheiten für Geimpfte bei Reisen und beim Shoppen

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist, kann nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in den nächsten Wochen bestimmte Freiheiten zurückbekommen.

„Wer geimpft ist, kann ohne weiteren Test ins Geschäft oder zum Friseur. Zudem müssen nach Einschätzung des RKI vollständig Geimpfte auch nicht mehr in Quarantäne“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Grundlage ist dem Bericht zufolge eine Auswertung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse durch das Robert Koch-Institut.

In einem RKI-Bericht an Spahns Ministerium, der dem Blatt vorliegt, heißt es demnach: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“

Spahn sagte dazu: „Wer vollständig geimpft wurde, kann in Zukunft wie jemand behandelt werden, der negativ getestet wurde.“ Wenn die dritte Welle der Corona-Pandemie gebrochen sei und weitere auf Schnelltests beruhende Öffnungsschritte wie beim Einzelhandel gegangen würden, käme diese Grundsatzentscheidung zum Tragen.

„Wir werden diese Erkenntnisse nun zeitnah in Gesprächen mit den Ländern in die Praxis bringen“, sagte der Minister.

RKI registriert 12 196 Corona-Neuinfektionen und 68 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 12.196 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 68 neue Todesfälle verzeichnet.

Das geht aus Zahlen des RKI von Sonntagmorgen hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 17.176 Neuinfektionen und 90 neue Todesfälle verzeichnet. Das RKI weist darauf hin, dass rund um die Osterfeiertage meist weniger Tests gemacht und gemeldet werden. Zudem könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln. Das kann zur Folge haben, dass die vom RKI berichteten Fallzahlen eine eingeschränkte Aussagekraft haben.

Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 5.03 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Sonntagmorgen bundesweit bei 127,0. Am Vortag hatte das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 131,4 angegeben, vor drei Wochen mit 79,1.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.885.386 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.569.400 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 76.963.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Samstagnachmittag bei 1,02 (Vortag: 1,03). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 102 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

bcs/mda/dpa

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