Bewegender Abschied

Letzter Wunsch: Pferd besucht sterbende Frau in Klinik

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Die freundliche Stute steht ganz nah am Krankenbett der Frau.

Eigentlich sollte die Patientin ein letztes Mal zu ihrem Pferd gebracht werden - nicht anders herum. Doch plötzlich wurde die Zeit knapp. Eine Geschichte, die das Leben schreibt.

Fürth - Die Mitarbeiter der Palliativ-Station des Klinikum Fürth haben es sich zur Aufgabe gemacht, den sterbenden Patienten ihre letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten. Dazu gehört, ihnen einen letzten Wusch zu erfüllen - auch wenn dies in manchen Fällen fast unmöglich scheint. So auch in diesem aktuellen Beispiel, wie nordbayern.de berichtete. Die Pfleger setzten alle Hebel in Bewegung, um eine sterbende 59-jährige Frau ein letztes Mal mit ihrem Pflegepferd zu vereinen.

„Pferde waren ihr Leben“

Emotionaler Moment: Dana lässt sich geduldig von der todkranken Patientin streicheln.

Der ursprüngliche Plan wäre etwas einfacher durchführbar gewesen: Die Frau sollte in einem Krankentransport zum Reitstall Wittinghof gebracht werden, um sich dort von der Island-Stute Dana zu verabschieden. Doch plötzlich verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand rapide. Ein Transport war nicht mehr möglich - und die Zeit wurde knapp. Um der Patientin ihren Herzenswunsch erfüllen zu können, musste Josef Rauch vom Klinikum Fürth kreativ werden. Es war ihm ein Anliegen, die letzte Begegnung irgendwie möglich zu machen - denn die todkranke Frau hatte erzählt, dass „Pferde ihr Leben seien“.

Spontan rief Rauch beim Pferdehof an: „Das ist eine Schnapsidee - aber ich frag trotzdem mal: Könnten Sie mit einem Pferd kommen?“ Obwohl die Inhaberin in den Urlaubsvorbereitungen steckte, zögerte sie nicht lange - und sagte zu. Nur ein solches Entgegenkommen anderer, mache Aktionen dieser Art möglich: „Da merkt man, wer ein Herz hat“, sagte der Pfleger.

„Wenn wir es machen wollen, muss es heute passieren“

Auf einer Palliativ-Station ist Zeit ein kostbares Gut - eines, das die Patienten oft nicht haben. Nur drei Stunden vergingen nach dem Anruf - dann stand Dana vor dem Klinikum Fürth und die 59-Jährige konnte ihren Liebling noch ein letztes Mal berühren. Ein „liebevolles Pferd“ sei die Stute - geduldig ließ sie sich von der ihr einst so vertrauten Frau streicheln. Fast eine dreiviertel Stunde dauerte der bewegende Moment an. Alle Anwesenden, darunter auch die Schwester der todkranken Frau, waren zutiefst berührt.

Mehr als 12.000 Likes

Es ist nicht das erste Mal, dass die Mitarbeiter der Palliativ-Station ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen, um Herzenswünsche zu erfüllen - doch es ist das erste Mal, dass die Öffentlichkeit das mitbekommt. Das Klinikum Fürth teilte die emotionale Geschichte auf Facebook und erntete dafür mehr als 12.000 Likes, hunderte Kommentare und der Beitrag wurde mehr als 1.000 Mal geteilt. „Ganz überrascht“ sei das Team von diesem großen Echo.

Helden im Verborgenen

Unter anderem hatten Josef Rauch und seine Kollegen bereits Videobotschaften von den Ice Tigers sowie von Waltraud und Mariechen für ihre Patienten organisiert, einmal war das Maskottchen der Ice Tigers im Krankenhaus zu Besuch. Ein Mann, der seinen geliebten, doch leider für Krankentransporte aufgrund der Straßenbedingungen unerreichbaren Obstgarten noch ein letztes Mal besuchen wollte, wurde kurzerhand in einer Traktorschaufel sitzend dorthin gefahren. Die Dankbarkeit der Patienten und deren Angehöriger ist ihr einziger Lohn für ihre Mühe - doch das ist den Mitarbeitern mehr als genug. Und der positive Effekt auf die Patienten ist mitunter bemerkenswert: manchmal ist eine solche Aktion ein regelrechter Energieschub für die Betroffenen.

Auch die erschöpfte Pferdeliebhaberin konnte ihre letzten Momente mit der geduldigen Dana noch genießen. 

Am Sonntag verstarb die 59 -Jährige.

lr

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