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Bairisch oder Standarddeutsch: Erzieht Ihr Eure Kinder im Dialekt?

Leser-Diskussion: „Geheimsprache der Ureinwohner“ und „Teil der regionalen Identität“

Leser Martin Schmidt und ein kleiner Bayer
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Leser Martin Schmidt und ein kleiner Bayer

Dialekte sterben aus. Stimmt das? Eine Studie der LMU München hat sich mit dem Einfluss von Standarddeutsch auf den bairischen Dialekt von Schülern in Altötting befasst. Mit dem Ergebnis: Ja, Sprache verändert sich, aber ein drohendes Aussterben ist kein realistisches Szenario. Unsere Leser sahen überwiegend keinen Grund, sich nicht am Bairischen zu erfreuen.

Standarddeutsch, also die Aussprache, wie sie etwa auch im öffentlichen Rundfunk angewandt wird, beeinflusst unsere Aussprache, auch in Altötting. Über einen Zeitraum von vier Jahren haben sich Jonathan Harrington, Professor für Phonetik und Sprachverarbeitung an der LMU, und Postdoktorandin Katrin Wolfswinkler angeschaut, wie sich die Vokalbildung bei Grundschulkindern im Landkreis Altötting verändert.

Mithilfe feinster Messgeräte konnten sie Abweichungen sichtbar machen, die akustisch nicht wahrnehmbar wären. Vergleichbare Studien gab es noch nicht, so musste zunächst auch eine Basis an Daten geschaffen werden, anhand derer sich Veränderungen feststellen ließen. Durch verschiedene Einflüsse und dem natürlichen Instinkt des Imitierens passt sich die bayerische Aussprache der Grundschulkinder immer mehr dem Standarddeutsch an.

Vermeiden lässt sich diese Veränderung auch nicht, es sei denn, man schottet sich gänzlich von der Außenwelt ab. Der überwiegende Tenor unter unseren Lesern war für eine Pflege und Erhaltung von Dialekt. Dabei ging es gar nicht nur um den bairischen, auch Plattdeutsch und andere Dialekte sprechen unsere Leser. Tradition, Heimatverbundenheit und Brauchtum sollen gewahrt werden. Ein Schulfach für Bairisch und Tradition wünscht sich eine Leserin, während ein anderer die Notwendigkeit des Hochdeutschen für den Arbeitsmarkt anführt. Das Eine soll nicht das Andere ausschließen.

Das sind Eure Leserbriefe:

Sabine Bauer

I bin voi fia boarisch. Leider hod se scho vie gendad. Damid da Dialekt eahoidn bleibd soiad de Voraussetzung fia Erzieher und Lehrer boarisch sei. Und in unsam Gei is soizbuagarisch eigentlich a aweng dabei, do ma jo bis 1810 dazua ghead ham. I geh mi brausn und ned duschen, wei wen i oan oane duschn mechd is des wos andas.

Martin Schmidt

Leser Martin Schmidt

Ich komme aus Westfalen, dort gibt es das Plattdeutsch. Da diese Kultursprache außer von ein paar Heimatvereinen nicht mehr gesprochen und gepflegt wird, ist sie fast ausgestorben. Das finde ich sehr schade. Sprache ist ein Teil der regionalen Identität, daher begrüßte ich es, wenn Dialekt oder eine Sprache gefördert wird. Es wär zu schade, wenn dieses Kulturgut aus dem deutschsprachigen Raum verschwindet.

Daniel Jösslin

Der Deutsche (alles oberhalb der Isar) hat den zwanghaften Drang alles zu vereinheitlichen und standardisieren. Währungen, Sprachen, Wälder, Geschlechter und Menschen. Bist du ein Individuum und stichst aus der Masse heraus, hast du schon mal ein Problem. Diese Entwicklung ist schade, da sie einfach viel an Kultur, Herkunft und auch Heimatverbundenheit aussterben lässt. Natürlich ist es keine erbrachte Leistung, hier geboren zu sein, sondern einfach nur Glück. Aber man kann und darf auf seine Herkunft stolz sein, sich dafür einsetzen und diesen Ort weiter entwickeln. Natürlich unter der Voraussetzung, nicht alles um zu krempeln und alles grundlegend zu ändern. Haltet an Traditionen, Dialekten und Brauchtum fest. Was weg ist, ist weg. Lasst Bayern Bayern sein. In all seiner Schönheit, natürlicher, kulinarischer, brauchtümlichen, sprachlichen und grantelnden Art.

Evi Strasser

Laut einer Studie reden in der bayrischen Landeshauptstadt München nur circa sieben Prozent der Bewohner bairisch. In Kindergärten werden daher Bairisch-Kurse angeboten. Entschuldigt, aber ich finde es schon beschämend. Ich selber rede nur im Dialekt, weil ich es von klein auf so gelernt habe. Jetzt bin ich selber Mama und gebe diesen Dialekt weiter. Klar lehrt man ihr automatisch die hochdeutschen Wörter dazu, aber dies macht man ja nur, weil es in der Schule dann verlangt wird. Wer zu uns kommt, soll sich unserer Sprache anpassen! Ich wäre ja für die Schulfächer Bayrisch und Bayrische Tradition

Robin Joos

In Traunreut wurde zu meiner Kindheit eigentlich kein bairisch gesprochen. Hab das erst so mit 12-13 Jahren angefangen, weil wir umgezogen sind. Heute spreche ich je nachdem wie mir der gegenüber begegnet. Jedoch mehr bairisch. Die große Tochter fängt jetzt das Strawanzen an und spricht fürchterliches Hochdeutsch, bairisch nur selten. Die kleine spricht Hochdeutsch und mischt das mit bairischen und englischen Worten

Daniela B.

In den Schulen meiner Kinder ist bairisch verboten. Meine Tochter bekam beim Referat sogar Punktabzüge, weil sie bairisch gesprochen hat. Auch sind nicht alle Kinder in der Klasse aus Bayern, was das Verständigungsproblem noch größer macht. Langsam verschwindet der Dialekt bei meinen Kindern, obwohl zu Hause nur bairisch gesprochen wird.

Inge Rehrl

Meine Enkel wachsen hier in Bayern auf und es wird Hochdeutsch zu Hause gesprochen. Die Oma ist Urbayerin und redet natürlich bairisch. Neulich fragte meine Enkelin, 6 Jahre, warum ich bairisch spreche und ich erklärte ihr, dass das die Geheimsprache der Ureinwohner von Bayern ist. Jetzt will sie auch bayerisch lernen.

Sandra Elstrodt

Leserin Sandra Elstrodt

Wäre schade, wenn der bayrische Dialekt irgendwann nicht mehr ist. Ich selbst komm aus Solingen (NRW) und haben das Solinger Platt. Leider wurde es uns nicht mehr beigebracht. Lasst den Dialekt nicht sterben.

Heinrich Schäfer

Dialekte sind schön und wichtig und deshalb Erhaltenswert und Förderungswürdig! Aber man muss auch das Hochdeutsche beherrschen, sonst hat man es später beim Job in Hamburg, Köln oder Berlin schwierig.
Also nicht entweder Dialekt ODER Hochdeutsch, sondern ganz klar: Beides!

Welcher Meinung seid Ihr?

Sprecht Ihr bewusst mit Euren Kindern Bairisch oder einen anderen Dialekt oder unterhaltet Ihr Euch gezielt auf Hoch- oder Standarddeutsch? Findet Ihr es gut, wenn in der Schule Wert auf eine hochdeutsche Aussprache gelegt wird? Oder sollte Bairisch gar als eigenes Schulfach eingeführt werden? Macht Ihr Euch Sorgen um den Fortbestand des Dialektes? Welche Rolle spielt er für Eure Heimat und Eure Identität?

Schreibt uns Eure Erfahrungsberichte per E-Mail an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort: „Boarisch“ im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Texten auch Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.
Die hier veröffentlichten Leserbriefe stehen für sich und geben weder die Meinung des Autors, noch der Redaktion wider.

fl

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