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Drogendealer-Bande aus dem Landkreis Altötting

Amphetamin-Spuren am Messer? Polizeibeamtin sagt aus

Altöttinger Bande wegen Drogenhandel vor dem Landgericht Traunstein
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Ab Donnerstag stehen vier Männer in Traunstein vor Gericht. Der Vorwurf: Drogenhandel im ganz großen Stil.

Traunstein, Landkreis Altötting – Der Prozess um vier Angeklagte aus dem Landkreis Altötting startete in den dritten Verhandlungstag – weiterhin ohne Ergebnis. Am Dienstag (5. Juli) geht es dann in den vierten Verhandlungstag, wo auch innsalzach24.de wieder vor Ort sein wird.

Update, 15 Uhr - Bei Wohnungsdurchsuchung Messer mit Amphetamin-Anhaftungen gefunden

Nach der Mittagspause gibt Richterin Aßbichler den Verteidigern bekannt, dass sie das Gerichtsurteil des Bremer Großdealers erhalten. Dann ruft sie einen Mühldorfer Kriminalbeamten in den Zeugenstand gerufen, der aber keine neuen Informationen zum Fall liefern kann. Eine weitere Polizeibeamtin aus Mühldorf sagt aus, dass sie nur bei der Wohnungsdurchsuchung des angeklagten Engelbergers dabei war. Sie habe dort ein Messer gefunden, an dem Anhaftungen von Amphetamin aufgefunden wurden.

Der angeklagte Engelsberger wird anschließend zu den Anhaftungen von der Richterin befragt. Er sagt aus, dass die Spuren von Proteinpulver stamme, welches er im Rahmen seines Fitness-Trainings zu sich genommen habe. Auch die Haaranalysen bezeugen keinerlei Drogenrückstände. Auch bei den weiteren Angeklagten lieferten die Analysen negative Ergebnisse.

Gutachterin bezeugt Suchtmittelstörung bei angeklagtem Kastler

Im Weiteren legt Dr. Susanne Pechler, Psychotherapeutin am Isar-Amper-Klinikum in München, ihr Gutachten zu dem 26-jährigen Angeklagten aus Kastl vor. Dieser habe wegen Corona seine Bars schließen müssen, habe nun Schulden und leide darunter. Der Stress führe dazu, dass er Cannabis konsumieren wolle. Auch Kokain soll der Kastler genommen haben. Die Gutachterin bezeichnet dies als Suchtmittelstörung. Weil der Beschuldigte selbst gerne eine Therapie machen würde, schlägt auch die Gutachterin eine Therapie mit einer Dauer von 18 Monaten vor.

Die Richterin Jacqueline Aßbichler unterbricht die Verhandlung an diesem Punkt. Der Prozess wird am Dienstag (5. Juli) fortgesetzt.

+++ innsalzach24 berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal +++

Update, 13.45 Uhr - Kriminalbeamter: „Zumindest nach Außen hin ist der Engelsberger vorne gestanden“

Am 1. Juli sei der Engelsberger festgenommen worden. Als er mit seinem Verteidiger zur Vernehmung vorgeführt wurde, war der Beschuldigte sehr nervös. An konkrete Gewichte und Mengen habe er sich nicht erinnern können. „Die letzten fünf Prozent hat er nicht preisgegeben“, sagt der Kriminalbeamte aus. Es sei eine sehr lange Vernehmung gewesen und ein unglaublich großes Ermittlungsverfahren. Zumindest zwei Kilogramm Marihuana seien „jedes Mal“ an den Kastler Angeklagten geliefert worden. Jedoch vermutet der Kriminalbeamten, dass immer mehr als zwei Kilogramm in den Paketen gewesen sein müsse.

Staatsanwalt Filipov befragt den Kriminalbeamten weiter zur „Organisation“ der Angeklagten. Der Burgkirchner und der Engelsberger seien laut dem Zeugen eng befreundet gewesen. „Zumindest nach Außen hin ist der Engelsberger vorne gestanden“, so der Zeuge aus. „Bis zu dem Zeitpunkt, wo ihm angeboten wurde, dass der Burgkirchner Angeklagte die Rolle übernimmt und der Engelsberger gar nichts mehr mit der Sache zu tun hat.“ Der Engelsberger habe bei der Vernehmung angegeben, dass der Gewinn gedrittelt worden sei. So hätten der Garchinger, der Burgkirchner und er selbst den gleichen Anteil erhalten. Der Burgkirchner und der Engelsberger hätten beide die Drogen verkauft. Bei den Geldlieferungen nach Kastl sei auch der Burgkirchner mehrere Male dabei gewesen.

Etwa 1500 Euro Gewinn pro Kilo

Staatsanwalt Filipov möchte mehr zu den Preisen für die Betäubungsmittel von dem Zeugen wissen. Dieser schlägt nach, was der angeklagte Kastler in einer Notiz-App seines privaten Handys geschrieben hat. So soll das Kilogramm Marihuana dem Engelsberg und dem Burgkrichner 5200 Euro in Bremen gekostet haben. Der Kastler Angeklagte habe 6750 Euro pro Kilo gezahlt. Die Endkunden hätten je nach Abnahmemenge gestaffelte Preise pro Gramm gezahlt. Beispielsweise 15 Euro je Gramm bei einem Kauf bis 15 Gramm und 13 Euro bei einem Kauf bis 25 Gramm.

Die Verteidiger des 39-jährigen Garchingers wollen von dem Zeugen wissen, wie die Beteiligung ihres Mandanten bewiesen werden soll. Der Kriminalbeamte sagt aus, dass der Garchinger in den Encro-Chats diesbezüglich belastet worden sei. Auch von der Drittelung der Gewinne wäre in den Chats die Rede gewesen. Dr. Ahmed Adam, Anwalt des Garchingers fragt, ob sich der Engelsberger einmal gesagt habe, dass er sich erinnern könne. Der Kriminalbeamte bejaht dies und sagt „Er hat einige Male gesagt, er wolle jetzt nichts Falsches sagen.“

Update, 12.30 Uhr - „12 Kilo Haschisch und 150 Gramm Kokain, wie immer“

Als nächster Zeuge ruft Richterin Jacqueline Aßbichler einen Kriminalbeamten aus Mühldorf auf. Dieser ermittelt laut eigenen Angaben seit Herbst/Winter 2019 in dem Fall. Der Beamte macht diverse Angaben zu den Encro-Chat Handys und erklärt, dass diese ausschließlich dazu da waren Geschäfte mit Betäubungsmitteln zu machen. Ab dem 3. Juni 2020 gebe es auf dem genannten Gerät, das von dem 39-jährigen Garchinger an den Engelsberger weitergegeben worden war, keine Kommunikation mehr. Es könne also davon ausgegangen werden, dass es – wie der Engelsberger selbst angegeben hatte – etwa zu diesem Zeitpunkt entsorgt worden sei.

Die ersten beiden Empfänger seien zwei Männer in Altötting gewesen. Man habe sichere Adressen gesucht und sei dabei auch auf den Kastler Zeugen gekommen, der im Februar und März 2020 zwei Pakete empfangen habe. Bei der Bestellung der Drogenpakete sei in dem verschlüsselten Chat gestanden „12 Kilo Haschisch und 150 Gramm Kokain wie immer“. Für die zweite Lieferung an den Kastler sei von der Bezahlung vom 64.500 Euro die Rede gewesen.

Wegen Corona soll das Geld per Post versandt worden sein

Aus den Chats gehe auch hervor, dass man das Geld eigentlich per Kurier nach Bremen gesandt habe. Nur wegen Corona sei man auf den Postversand ausgewichen. Auf die Frage der Richterin, welche Rolle der Garchinger Angeklagte innehatte, gibt der Kriminalbeamte an, dieser habe wohl den Kontakt vermittelt und eine Art Provision der Verkäufe bekommen. Der Engelsberger habe Bestellungen durchgeführt, Geld nach Bremen gebracht und in Gruppenchats Treffen organisiert. 

„Ich hab die Hand drüber“, soll der Engelsberger in einem Chat selbst geschrieben haben. Er soll sich außerdem darum gekümmert haben, dass das Geld eingesammelt wird und wusste angeblich um Verkäufe Bescheid. Der Burgkirchner Angeklagte habe geholfen, das Geld einzusammeln, bis er das Encro-Chat Handy von dem Engelsberger übernahm, als dieser selbst keine Lust mehr hatte. Sowohl der Kastler, als auch der Burgkirchner Angeklagte wollten den Engelsberger überreden, die Geschäfte weiterzumachen, und den Kontakt zu den Bremer Dealern herzustellen.

Update, 11.30 Uhr - Weitere Zeugen über „Kühlschrank“ und Drogenpakete

Nach einer kurzen Pause wird ein Zollbeamter des Hauptzollamtes Hannover in den Zeugenstand gerufen. Dieser sagt aus, dass das Bremer Brüderpaar, welches im großen Stil mit Cannabis handelte, in Kontakt mit dem Garchinger Angeklagten gestanden sei. Durch die Erwähnung dessen Namens und der Auswertung von Überwachungsvideos aus der Hotel-Tiefgarage in Bremen sowie von Gästelisten konnte laut dem Zollbeamten die Anwesenheit des Garchingers mit seiner Freundin und eines Fahrers in Bremen bestätigt werden.

Der Zollbeamte sei mit der Auswertung von Telefongesprächen und von Videomaterial des Hotels in Bremen betraut gewesen. Er gibt an, dass der Bremer Großdealer während eines Telefongespräches überrascht gewesen sei, dass der Garchinger nicht allein zu seinem Besuch in Bremen angereist war. Richterin Aßbichler fragt den Zeugen, ob er weitere Namen in Zusammenhang mit dem Garchinger Angeklagten kenne. Der Zollbeamte gibt an, dass er den Namen des Fahrzeughalters kenne, mit dem der Garchinger gekommen sei. Später sei im Ermittlungsverlauf bestätigt worden, dass es sich dabei um den Engelsberger Angeklagten handelte und dieser ebenfalls in Bremen dabei war.

Garchinger war laut Zollbeamtem „Hauptperson“ bei Geschäften

Staatsanwalt Filipov befragt den Zollbeamten weiter zum Encro-Chat Handy. Dies sei laut dem Zeugen von dem Bremer Dealer an einen weiteren bayerischen Mittelsmann übergeben worden. Der wiederum habe das verschlüsselte Handy an den Garchinger weitergegeben. Die Verteidiger des 39-jährigen Garchingers fragen den Zollbeamten, wie sicher die Handyübergabe stattgefunden habe. Der Zeuge gibt an, dass diese nicht sicher bestätigt werden könne. Auf die Frage, ob über die Aufgabe des Engelsbergers bei dem Besuch Angaben gemacht werden können, sagt der Zeuge aus, dass der Garchinger wohl die Hauptperson bei den Verhandlungen mit den Bremern gewesen sei.

Tätowierungen halfen bei Identifikation

Ein weiterer Polizeibeamter aus Bremen wird in den Zeugenstand gerufen. In dem sogenannten „Taurus“-Verfahren sei gegen zwei Bremer Brüder ermittelt worden. Auch dieser Beamte bestätigt das Treffen des Garchingers und den Versand mehrerer Pakete nach Altötting. Über den Inhalt derselben kann der Zeuge keine Aussage machen. Das Encro-Chat sei über einen bayerischen Mittelsmann an den Garchinger Angeklagten weitergegeben worden. Der Polizeibeamte gibt an, dass die Identifikation des Garchinger Angeklagten über Vergleiche von Social-Media Fotos und Bildern von der Überwachungskamera aus dem Hotel in Bremen erfolgt sei. Die Körpertätowierungen hätten dabei Hinweise geliefert.

Der nächste Zeuge ist ein Kriminalbeamter aus Bremen, der Aussagen über mehrere Pakete macht, die von Bremen nach Altötting gesendet worden sein sollen. Im Speziellen sagt er aus, dass der Bremer Dealer während einer Vernehmung selbst ausgesagt habe, einen Kühlschrank und „35 Kilogramm“ geschickt zu haben.

Update, 10.15 Uhr - Ermittlungsbeamte sagt zu Bremer Großdealern aus

Gleich zu Beginn des dritten Verhandlungstages beantragt der Verteidiger des Engelsberger Angeklagten die Überprüfung einer Aussage des Burgkirchner Angeklagten. Diese habe er über seinen Gutachter abgelegt. Darin wurde die Angabe gemacht, dass er nichts über die Drogengeschäfte gewusst habe. Anhand des Vernehmungsprotokolls eines weiteren Beteiligten widerlegt der Verteidiger diese Aussage. Der 26-jährige Engelsberger außerdem, ganz im Gegenteil zur Aussage des Burgkirchners Abstand von genommen, weil er fand, dass dieser einen „falschen Weg“ eingeschlagen habe.

Die erste Zeugin tritt sodann vor Gericht. Es handelt sich um eine Polizeibeamtin aus Bremen, die in Ermittlungsverfahren um die Bremer Tätergruppierung beteiligt war. Sie gibt an, dass bereits im Herbst 2019 diverse Maßnahmen gestartet wurden, die zur Beschuldigung mehrerer Beteiligter geführt hätten. Im Sommer 2020 seien Daten aus den Encro-Chats zugänglich geworden, wodurch auch viele Nebenbeschuldigte sichtbar wurden. Dadurch kenne sie auch die Namen des Garchingers und des Engelsbergers.

Bremer Dealer in Schießerei involviert

Vor allem der erste Besuch in Bremen sei durch die Encro-Chats recht gut nachvollziehbar. So wisse man von der Hotelbuchung, einem Besuch im Restaurant und dem Besuch in einem Hammam, den der Garchinger gebucht habe. Bei diesem Besuch sei wohl das Encro-Chat-Handy an den 39-jährigen Garchinger übergeben worden. Aus weiteren Ermittlungen gehe hervor, dass bereits im Dezember 2019 ein erstes Paket der Bremer Drogendealer nach Altötting versendet worden sei. Auch von einem Kühlschrank wisse man. Zwei Paketdienste können außerdem weitere Sendungen bestätigen. Im August 2020 sei es in Bremen zu einer Schießerei gekommen sei, bei der Bremer Drogenhändler und Kontaktmann des Garchingers und Engelsbergers beteiligt war. Es sei außerdem im November 2020 zu Konversationen gekommen, bei denen der Name des Garchinger Angeklagten erwähnt worden sei.

Erstmeldung, Donnerstag (30. Juni)

Nachdem am zweiten Verhandlungstag (24. Juni) zwei Zeugen und zwei Gutachter vor dem Landgericht Traunstein ausgesagt haben, geht der Prozess um vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting in die nächste Runde. Ein 26-jähriger Engelsberger soll laut Anklageschrift von einem 39-jährigen Garchinger in die Drogengeschäfte mit einer Bremer Gruppierung eingeführt worden sein. Weil der Garchinger eine Haftstrafe anzutreten hatte, soll er dem Jüngeren sein verschlüsseltes Handy für die Drogenbestellungen sowie die Verantwortung für das Einsammeln der Gelder übertragen haben. Dem Engelsberger wird vorgeworfen, vor und nach dem Zeitpunkt des Haftantritts des Garchingers Drogen bestellt sowie Lieferungen und Weiterverkauf der Drogen über Untermänner organisiert zu haben.

Während alle anderen Angeklagten mit zwei Verteidigern vor Gericht erschienen und keine Angaben zur Sache machten, äußerte sich der Engelsberger – wenn auch nur spärlich – zu den Vorwürfen. Er selbst kam mit nur einem Anwalt und gab an, dass die Sache sehr chaotisch gelaufen sei. Auch, dass er nach kurzer Zeit aussteigen habe wollen. Der beste Freund des 26-jährigen soll geholfen haben Drogenlieferungen anzunehmen. Die Betäubungsmittel habe man in einer Werkstatt in Burgkirchen untereinander aufgeteilt. Von den Gewinnen habe der Engelsberger einen Anteil für den inhaftierten Garchinger zur Seite schaffen sollen.

„Wir waren wie Brüder“

Der 24-jährige Burgkirchner, bester Freund des Engelsbergers, habe Geld eingesammelt. Ein Gutachter äußerte sich diesbezüglich am zweiten Verhandlungstag: Das Geldsammeln sei ein Freundschaftsdienst gewesen, doch der Burgkirchner fühlte sich schnell ausgenutzt und „wie der Depp vom Dienst.“ Er sei sehr enttäuscht von seinem ehemaligen Freund, der wie ein Bruder für ihn gewesen sei. Ein Zeuge aus Burghausen bestätigte am zweiten Verhandlungstag, dass er dem Burgkirchner 13.500 Euro in zwei Zahlungen übergeben habe.

Ein weiterer Angeklagter, der aus Kastl stammt, soll die bestellten Drogenpakete für den Engelsberger entgegengenommen haben. Ein weiterer Zeuge aus Kastl gab vor Gericht an, mehrere Pakete für den anderen Kastler Angeklagten angenommen zu haben. Es sei ihm bekannt gewesen, dass mehrere Kilogramm Marihuana in den Kartons waren und ebenso, dass der Kastler Angeklagte Geschäfte mit Drogen gemacht habe. „Aber die tatsächlichen Ausmaße haben mich überrascht“, sagte der Zeuge am zweiten Verhandlungstag aus.

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